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Aachen: Reit-EM: Das ideale Bierwetter fehlt in diesem Jahr

Aachen : Reit-EM: Das ideale Bierwetter fehlt in diesem Jahr

Wer mit Werner Wolf, dem Geschäftsführer der Bitburger Braugruppe, über Bier spricht, der muss zwangsläufig auch über das Wetter sprechen. Denn das sorgt dafür, dass den deutschen Brauern in diesem Jahr alles andere als heiter zumute ist.

Auch bei der Reit-EM in Aachen hat der Regen an mehreren Tagen jede Bierlaune weggespült. Bitburger ist als Sponsor Partner der Europameisterschaft, der Schriftzug war in diesem Jahr erstmals beim Aachener CHIO-Ersatzturnier zu sehen. Was er sich davon verspricht, erklärt Wolf, zu dessen Braugruppe auch die Marken König Pilsener, Licher, Köstritzer und Wernesgrüner zählen, im Interview mit unserer Zeitung.

Der Biermarkt ist in Bewegung: Werner Wolf, Geschäftsführer der Bitburger Braugruppe, erklärt wie. Foto: Bitburger Braugruppe

Herr Wolf, der deutsche Brauerbund macht Witterungsunterschiede für die schlechte Halbzeitbilanz 2015 aus. Hoffen auch Sie nun auf einen milden Winter?

Wolf: In der Tat ist das erste Halbjahr durch den verregneten Frühling und Frühsommer für uns Brauer nicht so erfolgreich verlaufen. Außerdem gab es ja auch keine WM. Auch Bitburger liegt im ersten Halbjahr 2015 unter dem Vorjahresniveau. Die Schönwetterperiode im Juli und die Aussicht auf einen sonnigen August stimmen uns trotzdem optimistisch, dass wir auch in diesem Jahr unsere Ziele erreichen werden.

Das Wetter ist also ein wesentlicher Faktor in Sachen Erfolg der deutschen Brauereien?

Wolf: Ja, in der Tat ist das Wetter häufig ausschlaggebend für den Bierabsatz — leider einer der wenigen Faktoren, die wir nicht beeinflussen können. Das ideale Bierwetter hat 24 Grad, Schäfchenwolken und eine leichte Brise.

So oder so haben Sie im Februar einen schrumpfenden Markt vorhergesagt. Wieso?

Wolf: Der deutsche Biermarkt geht seit Jahrzehnten zurück. Das ist ein langfristiger Trend, auch das WM-bedingte Hoch in 2014 ändert daran nichts. Doch wir diskutieren auf einem hohen Niveau. Deutschland liegt beim Pro-Kopf-Konsum im internationalen Vergleich auf einem Spitzenplatz. Der rückläufige Markt bietet aber auch Chancen für Neues, sprich Innovationen. Der steigende Wunsch nach bewusster Ernährung oder die erhöhte Nachfrage nach Vielfalt auch im Bierbereich öffnet zum Beispiel neue Möglichkeiten für alkoholfreie Biere und Biermischgetränke sowie Bierspezialitäten. Hier ist die Bitburger Braugruppe, zu der Bitburger gehört, mit einem diversifizierten Portfolio heute schon breit aufgestellt.

Die bayerischen Brauereien oder auch Beck’s (AB-Inbev) setzen verstärkt auf Export. Bitburger punktet bislang vor allem im Inlandsgeschäft. Warum?

Wolf: Bitburger ist ein Familienunternehmen und als solches sehr stark in seiner Heimatregion verwurzelt. Von dieser starken Basis aus haben wir uns aus der Historie gesehen vor allem auf den deutschen Biermarkt konzentriert und Bitburger zu einer national bekannten Marke gemacht. Doch Bitburger ist schon seit langem auch im Export aktiv, beginnend im Jahr 1886 in Luxemburg. Die wichtigsten Exportländer sind Italien, Spanien, USA, UK und Kanada.

Sie haben für diesen Bereich Wachstum angekündigt.

Wolf: Während der deutsche Biermarkt schrumpft, sehen wir wachsendes Potenzial im Ausland. Deutsches Bier ist im Ausland sehr beliebt. Das ist vor allem auf das Reinheitsgebot zurückzuführen, das auch außerhalb von Deutschland ein hohes Ansehen hat und als Qualitätssiegel gilt. Auch Bitburger hat in den letzten Jahren den Bereich Export stark ausgebaut und die Profitabilität enorm gesteigert. Der schöne Effekt daran ist, dass deutsches Bier im Ausland als Spezialität gilt. So ist es zwar ein Nischenprodukt, aber als solches im höherpreisigen Segment angesiedelt.

Im vergangenen Jahr haben die deutschen Brauereien rund 6,3 Millionen Hektoliter alkoholfreies Bier abgesetzt — 50 Prozent mehr als 2010. Bitburger hat auch die 0,0-Prozent-Produkte. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?

Wolf: Immer mehr Menschen wollen ihre Freizeit aktiv gestalten und sich bewusst ernähren — und suchen hierfür nicht nur nach der geeigneten Ernährung, sondern auch nach den passenden Getränken. Alkoholfreies Bier als ein Naturprodukt ist da eine passende Alternative zu herkömmlichen Erfrischungsgetränken, die häufig sehr süß sind, oder Wasser. Wir greifen diesen Trend auf.

Hat sich der Konsum grundsätzlich verändert?

Wolf: Das gestiegene Gesundheits- und Fitnessbewusstsein ist da sicher ein wesentlicher Aspekt. Aber auch die steigenden Anforderungen am Arbeitsplatz tragen dazu bei. So ist das klassische Feierabendbier zum Beispiel längst keine feste Gewohnheit mehr. Und wegen des Rauchverbots gehen die Menschen weniger aus; gerade Raucher genießen ihr Bier jetzt lieber zu Hause.

Wird der Bierkonsum stärker mit Großereignissen in Verbindung gebracht?

Wolf: Gerade sportliche Großereignisse wie eine Fußballweltmeisterschaft ziehen ein großes Publikum an. Selten kommen die Zuschauer alleine, sondern in größeren Gruppen von Freunden, Vereinskollegen oder Fanclubs. Bier ist in solchen geselligen Runden ein beliebtes Getränk, auch als Mischgetränk wie Radler.

Das heißt, Sie setzen mit der Sponsoringpräsenz bei der Fußball-Nationalmannschaft oder nun auch bei der Reit-EM schon lange auf das richtige Pferd?

Wolf: Unbedingt. Bitburger ist einer der aktivsten und bekanntesten Sportförderer in Deutschland. Mit unserem Fokus auf die erweiterte Heimatregion der Marke Bitburger, zu der auch Aachen zählt, betonen wir unsere regionale Verbundenheit. Gleichzeitig erreichen wir mit Partnern wie dem DFB, mit dem wir seit über 20 Jahren zusammen arbeiten, oder der Reit-EM auch nationale Präsenz für unsere Marke.

Ist es heute alternativlos, sich mit Radlern und Mixgetränken breiter aufzustellen?

Wolf: Wir orientieren uns grundsätzlich an den Wünschen und Bedürfnisse unserer Verbraucher. In den letzten Jahren haben wir eine neue Lust an Geschmacksvielfalt festgestellt, sie wünschen sich zu unterschiedlichen Zeiten und Verwendungsanlässen unterschiedliche Getränke. Diese Erwartungen der Verbraucher haben wir aufgegriffen und unser Portfolio daher in den letzten Jahren stark erweitert.

Wo sind die Grenzen? Würden Sie ein Weizenbier produzieren?

Wolf: Um unser Portfolio auch in diese Richtung zu vervollständigen, sind wir eine Vertriebskooperation mit der Benediktiner Weißbräu GmbH eingegangen. Wir bieten Benediktiner seit 2014 in der deutschen und österreichischen Gastronomie an und sind mit der Resonanz sehr zufrieden.

Wie bewerten Sie die wachsende Craft-Beer-Szene? Ist das mehr als eine Modeerscheinung?

Wolf: Die Menschen suchen immer stärker nach Vielfalt und Abwechslung. Wir sind daher davon überzeugt, dass sich Craftbiere und auch Spezialitätenbiere als Nische am Markt etablieren werden. Das zeigt nicht nur die weiterhin wachsende Nachfrage in diesen Segmenten, sondern auch die wachsende Anzahl an Veranstaltungen und Messen sowie der Spezialitätenhändler, die sich dem Thema Bier verschrieben haben. Craftbiere tragen dazu bei, dem Markt eine gesunde Vielfalt zu verschaffen. Der Craftbier-Trend ist Impulsgeber. Die Szene tut der Branche gut. Wir haben innerhalb der Bitburger Braugruppe mit Craftwerk-Brewing 2013 bereits eine eigene Marke eingeführt.

Finden Sie denn als Biertrinker Geschmack an den ungewöhnlichen Kompositionen?

Wolf: Ich trinke in vielen Situationen gerne Pils. Aber es gibt auch Anlässe, zu denen ein India Pale Ale oder Pale Ale hervorragend passt, zum Beispiel als Aperitif oder zu einem besonderen Essen.