1. Wirtschaft

Aachen: Region mit Unternehmergeist

Aachen : Region mit Unternehmergeist

Ein Flüssigkeiten-Scanner? Hört sich nicht besonders spannend an. Norbert Klein und seine Ehefrau Sarka aus Jülich sorgen damit für Furore, im Bundes-innenministerium und bei Flughafenbetreibern gleichermaßen. Denn mit ihrem Verfahren lässt sich das Handgepäck von Fluggästen schnell und unkompliziert auf gefährliche Stoffe kontrollieren. Womit bald Millionen von Flugpassagieren geholfen würde, sie dürften dann wieder mit Getränken, Duftwässerchen etc. an Bord.

Menschen wie die Kleins wurden nun im Aachener Rathaus ausgezeichnet - als Sieger von „AC2 - gründen und wachsen”. Mit der vierten Staffel des Wettbewerbs wurden erneut Existenzgründer und wachstumsorientierte kleine Unternehmen für innovative Ideen ausgezeichnet. Seit der ersten Auflage hat „AC2” zu 100 Unternehmensgründungen geführt, 317 Stellen wurden geschaffen.

Dass eine Menge tragfähiger Ideen entwickelt wurden, das steht einer „Wissenschafts- und Technologieregion wie der unseren sehr gut zu Gesicht”, freute sich Arndt Frauenrath, Bauunternehmer aus Heinsberg, Ex-Vorsitzender des Bundesverbandes der Bauindustrie und Schirmherr von „AC2”, im Gespräch mit Bernd Büttgens, stellvertretender Chefredakteur unserer Zeitung und Moderator des Abends. Wie viel Potenzial in einer solchen Region steckt, zeigen auch die Zahlen einer bundesweiten Erhebung, bei der die „Entrepreneurial Activity” (Unternehmergeist) von einem Wirtschaftsdaten-Dienstleister abgefragt wurde. Der Bundes- und Landesdurchschnitt liegt bei einem Faktor von fünf, die der Gründerregion bei 6,5.

Lebendige Bewiese dafür sind Menschen wie die Kleins oder auch Jürgen Tiskens aus Wegberg, der Erstplatzierte in der Sparte „Wachstum”. Er hat ein System entwickelt, das Menschen, die mit gefährlichen Maschinen arbeiten, schützt. Dazu nutzt er die RFid-Techologie: In Kleidungsstücke von Menschen, die beispielsweise an Hochleistungsschreddern arbeiten, funken kleine Chips. Nähert sich der Arbeiter dem Gefahrenbereich, erkennt der Schredder das - und schaltet ab. Andere Einsatzbereiche sind denkbar, Wachstum programmiert.

Michael Bayer, Geschäftsführer der „GründerRegion Aachen” und somit Ausrichter des Wettbewerbs, erklärte, warum er soviel Freude an den klugen Köpfen hat: „Bei guten Ideen und Geschäftsplänen ist klar, was am Ende herauskommt: Wachstum und Arbeitsplätze.” Um die geht es auch bei dem erstmals berücksichtigten Feld „Unternehmensnachfolge”. „Häufig machen rentable Firmen dicht, weil es keinen Nachfolger gibt.” Resultat: Arbeitsplätze gehen verloren, Wachstumschancen werden nicht genutzt. Dirk Sauer aus Stolberg und Bernd Cohnen aus Gangelt haben die Jury überzeugt und dürfen als Vorbilder gelten. „Sie haben gezeigt, wie man die vielfältigen Klippen bei der Nachfolge umschiffen kann”, so die Jury in der Begründung.

„AC2” ist der Gründungs- und Wachstumswettbewerb der „GründerRegion Aachen”, einem Zusammenschluss der Kreise Aachen, Düren, Heinsberg und Euskirchen, IHK Aachen, RWTH, FH Aachen, Handwerkskammer, AGIT, Stadt Aachen sowie Volks- und Raiffeisenbanken und Sparkassen in der Region.

Überdurchschnittlich erfolgreich hat dieses Mal der Kreis Heinsberg abgeschnitten. Drei von acht Preisen gingen nach dort.

Zum Auswahlprozess gehört neben der (kostenlosen) Betreuung durch einen „Mentor” auch die Erstellung eines detaillierten Geschäftsplans.

Der erste Preis im Gründungswettbewerb ging an Norbert und Sarka Klein aus Jülich (Fa. Emisens), der zweite Platz an die Firma D-Coat aus Erkelenz, der dritte Preis an Thomas Krings aus Jülich (Fa. Semikon).

Der erste Preis des Wachstumswettbewerbs ging an Jürgen Tiskens aus Wegberg, der zweite Preis an die Firma Power Flasher aus Aachen, der dritte Platz an die Firma Vika in Aachen.