Krefeld/Aachen: Region bleibt bei Reha-Fusion erstmal außen vor

Krefeld/Aachen: Region bleibt bei Reha-Fusion erstmal außen vor

Für die Branche ist es die nächste Hochzeit. Zwar steht keine Elefanten-Hochzeit an, aber sie findet trotzdem viel Beachtung. Die Celenus-Gruppe übernimmt 74,9 Prozent der Inoges Holding, der fünftgrößte Anbieter auf dem Reha-Markt entsteht. Nicht eingeladen zur Hochzeit ist bislang das Aachener Schwertbad.

Deutschlands älteste Reha-Klinik und die angegliederte Rheumaklinik waren vor zwei Jahren von Inoges übernommen worden. Für die 240 Mitarbeiter endete damals eine lange unerfreuliche Hängepartie, die von Schließungsdrohungen und Lohnverzichtsforderungen geprägt war.

Strebt die große Lösung an: Inoges-Gründer Wolfgang K. Hoever. Foto: Christoph Pauli

Nun konzentriert sich der umtoste Markt weiter, der im Zuge einer älter werdenden Gesellschaft durchaus lukrativ erscheint. „Strategische Partnerschaft“ nennen es die beiden Unternehmen. Die Offenburger Celenus-Gruppe engagiert sich bislang primär in der stationären, die Krefelder Inoges, in der 22 unabhängig voneinander operierende Unternehmen zusammengeschlossen sind, in der ambulanten Reha. „Wir werden zu einem Anbieter, den es so nicht gibt“, sagt Susanne Leciejewski, die Vorstandsvorsitzende von Celenus. „Durch den Zusammenschluss ergibt 1 und 1 nicht 2, sondern mindestens 3.“

Bei den Verhandlungen wurde nur ein Standort ausgeklammert. „Wir haben in Aachen schon viel bewegt“, sagt Wolfgang K. Hoever, der Gründer und Vorstandsvorsitzende der Inoges. Aber noch beobachtet der neue Mehrheitseigentümer gespannt, ob da wirklich die „Erfolgsstory“ entsteht, von der Hoever heute schon spricht. „Die Rückmeldungen der Patienten und der Kostenträger sind wieder positiv.“ Das ambulante Geschäft habe sich prächtig entwickelt, sagt der Vorstand. Im stationären Bereich stoße man an Kapazitätsgrenzen. Das Schwertbad hat bereits seine Abteilung für Psychosomatik von Aachen zum Rhein-Maas-Klinikum nach Würselen-Bardenberg verlegt. Immer noch wird ein großes Grundstück für einen passenden Neubau in Burtscheid gesucht.

Für Frank Stehr endete mit der Ankündigung der Hochzeit wieder einmal eine Zeit der Spekulationen. Die Inoges AG ist eine geschlossene Aktiengesellschaft, die bei Veränderungen keine Pflichtmitteilungen herausgeben oder Betriebsräte informieren muss. Am Donnerstagnachmittag wurde der Betriebsratsvorsitzende des Schwertbades dann auch offiziell eingeweiht in die Pläne, die vorerst keine Auswirkungen auf die Belegschaft haben.

Vor fast zwei Jahren hat Inoges die Aachener Einrichtung in einer wirtschaftlich schwierigen Situation als Sanierungsfall übernommen. „Es war eine sehr anstrengende Zeit“, sagt der Betriebsrat. Gleichwohl sagt auch er, dass sich die finanzielle Situation verbessert habe. Das Schwertbad geht finanziell nicht mehr so stark am Stock. „Aber wir sind noch nicht in Sicherheit.“Es bleibt aus Sicht der Celenus-Gruppe wohl vorerst noch ein Risiko-Patient. Auch Stehr erhofft sich weitere Investitionen.

„Wir brauchen etwas Neues vor Ort, die Bäderlandschaft in Aachen bricht sonst zusammen.“ Als Hoever vor zwei Jahren in Aachen einstieg, versprach er Investitionen von „20 bis 30 Millionen“ Euro und „einen Kaufkraftzuwachs für Burtscheid“. Inzwischen spricht der Unternehmer von „80 bis 100 Millionen Euro“, die er anlegen will. Seit Monaten führt er Gespräche mit der Uni-Klinik und dem Rhein-Maas-Zentrum, mit Stadt und Land. Er bastelt an einem neuen Reha-Konzept für die Region. „Unsere Vision ist, dass wir eine rehabilitative Versorgung schaffen, die ein Leuchtturmprojekt mindestens für NRW vielleicht sogar für Deutschland ist.“

Zwei Standorte

Aus der kleinen ist eine größere Lösung geworden. An den beiden Standorten Burtscheid und Bardenberg soll ein einmaliger Patientenpfad entstehen, abgestimmt mit anderen Kliniken und den Kostenträgern.

Das Projekt braucht Zeit. In drei bis fünf Jahren — so ist die interne Verabredung — wollen die Celenus-Gruppe und Inoges gemeinsam begutachten, wie sich das Schwertbad entwickelt hat. Bis dahin bleibt das Reha-Zentrum weiter unter dem Dach der Inoges AG. Angestrebt wird aber, dass es dann doch noch eine gemeinsame Hochzeit geben wird.

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