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Quellenhof in Aachen in Eigenregie

„Wir brauchen keine Sterne“ : Aachener Quellenhof in Eigenregie an die Spitze zurückführen

Benedikt Jagdfeld möchte das „Parkhotel Quellenhof Aachen“ ab Januar 2020 in Eigenregie führen, sanieren und an die Spitze nobler Hoteladressen zurückführen. Die Gesellschafter der Deutschen Immobilien-Gruppe haben dem Plan mit großer Mehrheit zugestimmt.

Der Weg zum Millionendeal führt vorbei an einer defekten Toilette, entlang weiter verwinkelter Flure bis zum unscheinbaren Konferenzzimmer „Amsterdam“ im hintersten Teil des langjährigen Fünf-Sterne-Hotels Quellenhof. Im Vorraum gibt es Canapés mit Edelfisch und Rindertartar, dazu Kirschküchlein, für den Kaffeeautomaten daneben gilt Selbstbedienung. Neben dem Konferenzraum hängt eine Steckdose lose aus der Wand. Benedikt Jagdfeld, 38 Jahre alt, Chef der Deutschen Immobilien-Gruppe (DI-Gruppe) aus Düren, die das Aachener Nobelhotel im Auftrag einer Investorengesellschaft managt, hat die Eigentümer der Luxusimmobilie zur Gesellschafterversammlung geladen. Es geht um den Weiterbetrieb der Nobelherberge und Sanierungsfragen.

Der Name des Investorenfonds klebt klein neben der Türe: „DI Parkhotel Quellenhof Aachen Nr. 33 KG“. Zwei Dutzend Anleger sind gekommen, darunter Mitglieder etlicher namhafter Aachener Unternehmerfamilien. Alles findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Insgesamt sind es etwa 300 Anteilseigner, die Benedikt Jagdfelds Vater Anno August Jagdfeld vor der Jahrtausendwende umgerechnet rund 36 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hatten, um in den neoklassizistischen Prachtbau zu investieren. Die Renditen blieben, vorsichtig formuliert, bescheiden.

Einige Anteilseigner hatten sich für 1000 Euro eingekauft, was in der Gesellschafterversammlung eine Stimme wert ist. Andere, auch große institutionelle Investoren, überwiesen viele Millionen Euro – was einen entsprechend höheren Stimmenanteil ergibt. Anderthalb Stunden wird an diesem Nachmittag das neue Konzept des Fondsmanagers präsentiert. Denn die Gesellschafter sollen nach dem Ausstieg der Hotelkette Accor mit dem Markennamen Pullman beschließen, dass der Quellenhof als Parkhotel der Luxusklasse ohne Sterne unter Federführung von Jagdfelds DI-Gruppe geführt wird. Deshalb muss der Fonds, dessen Geschäftsmodell jetzt – vereinfacht gesagt – Vermietung und Verpachtung ist, künftig als gewerblicher Fonds deklariert werden – was für die Anteilseigner nicht nur steuerliche Auswirkungen hat.

Benedikt Jagdfeld: Der Chef der DI-Gruppe erhielt eine überwältigende Mehrheit für seinen Quellenhof-Plan. Foto: Andreas Steindl

Einzelne Anteilseigner verfolgen eine andere Strategie. Sie sind sauer und wünschen sich, dass die 18.848 Quadratmeter große Immobilie aus dem Jahr 1916 meistbietend verkauft wird. Wobei fraglich wäre, ob die Investoren dann überhaupt ihre Einlagen in voller Höhe zurück erhielten. Zu groß ist der Sanierungsstau, nicht nur in den 181 Zimmern – was den Wert derzeit beträchtlich schmälert.

Doch es gibt eine Art Vertrauensbeweis für Jagdfeld junior: Mit überwältigender Mehrheit, die Rede ist von über 99 Prozent der Stimmanteile, votieren die Anteilseigner für Benedikt Jagdfelds Plan, das „Parkhotel Quellenhof Aachen“ ab Januar 2020 in Eigenregie zu führen, zu sanieren und an die Spitze nobler Hoteladressen zurückzuführen, wie er verspricht.

Fünf Sterne strebt man nicht mehr an. 20 Millionen Euro will man dennoch in das Hotel stecken. Das bedeutet aber nicht, dass direkt umfassende Maßnahmen – etwa die Erneuerung der sichtbar abgewohnten Hotelzimmer – umgesetzt werden.

„Im Januar bauen wir erstmal eine neue Telefonanlage ein“, sagt Jagdfeld. Auch das WLAN, also das mobile Internet hinter den dicken Quellenhof-Mauern, soll beschleunigt werden, damit Geschäftskunden und Konferenzteilnehmer sich wohler fühlen. Dann haben die Architekten das Wort, die den konkreten Sanierungsbedarf in den kommenden Monaten identifizieren und beziffern sollen.Sanierungen dieser imposanten Größenordnung sind für Jagdfeld und seine Familie seit vielen Jahren Geschäft. Das noble Hotel Adlon in Berlin, das Grand Hotel Heiligendamm sind solche Immobilien, für deren Generalsanierung bis hin zur Inbetriebnahme Jagdfelds Anleger viel Geld ausgegeben haben.

Den Quellenhof hatte Jagdfeld 1999 generalsaniert. Neuland ist hingegen der Betrieb eines Hotels in Eigenregie, im Adlon Berlin etwa hat das renommierte Kempinski das Sagen. In Aachen will man selbst die Geschäfte führen und baut auf die erfahrene, über 100-köpfige Mannschaft mit Hoteldirektor Walter Hubel.Weg sind allerdings die fünf Sterne am Hoteleingang. „Wir brauchen keine Sterne, die besitzen heutzutage keinen Mehrwert für uns“, sagt Jagdfeld am Rande der Gesellschafterversammlung. 

„Wir werden bis Ende 2021 sanieren und dann ein luxuriöses Haus mit einzigartigem Ambiente realisieren“, erklärt er. Man verspricht sich, dass dann mehr Geschäftskunden buchen, für deren Unternehmen der Fünf-Sterne-Bereich bislang womöglich eher abschreckend kostspielige Wirkung hatte. Ob der Quellenhof nach der Sanierung wieder fünf Sterne wert wäre, wird man kaum erfahren. Die Dehoga-Prüfer sollen erst gar nicht zur Klassifizierung eingeladen werden, sagt Jagdfeld.

Caro Noerenberg, Vorstand beim Aachen Tourist Service, erklärt zum Sterne-Verlust auf Anfrage unserer Zeitung: „Eine Klassifizierung nach Dehoga-Richtlinien erleichtert uns natürlich die Bewerbung eines Hotels. Einerseits stellen die Hotelsterne für die Gäste eine verlässliche Orientierungshilfe bei der Hotelauswahl dar, andererseits bieten sie den Betrieben die Chance zur transparenten Positionierung ihres Leistungsangebotes.“

Natürlich definiere sich der Anspruch eines Hotels aber vor allem durch seine Qualität, gibt sie zu bedenken. „Für uns und für Aachen als Kultur- und Kongressstadt ist es daher wichtig, dass der Quellenhof auch weiterhin als Luxushotel bestehen bleibt“, betont Caro Noerenberg.

Die nächsten Fünf-Sterne-Hotels befinden sich aus Aachener Perspektive in Düsseldorf und Köln, sowie auf belgischer Seite in Lanaken und auf niederländischem Terrain in Maastricht. In Amsterdam gibt es übrigens mehrere.