Düsseldorf/Aachen: Printe und Co: Durchwachsener Saisonstart für Lambertz

Düsseldorf/Aachen : Printe und Co: Durchwachsener Saisonstart für Lambertz

Mit Lebkuchen und Spekulatius ist es wie mit Glühwein: Der schmeckt im Sommer auch nicht so richtig. Und ausgerechnet als Printe und Co Mitte September in die Regale kamen, feierte der Sommer ein Comeback. „Von den Witterungsbedingungen war es wirklich nicht gut, und wir waren auch nicht glücklich”, sagt Hermann Bühlbecker, der Alleininhaber der Aachener Lambertz-Gruppe.

Das Unternehmen fürchtete schon, die Verbraucher könnten die süße Ware komplett links liegen lassen. Aber so schlimm kam es nicht. „Der Start war nicht so gut wie wir uns das gewünscht hätten, aber auch nicht so schlecht wie wir eigentlich dachten.” Schließlich hätten die Naschkatzen zuvor monatelang auf die Spezialitäten verzichten müssen. Wenn es weiterhin kühl bleibt, rechnet sich die Lambertz-Gruppe deshalb immer noch gute Chancen aus, die Vorjahreszahlen zu erreichen.

Das Familienunternehmen, das sich selbst als Weltmarktführer für Herbst- und Weihnachtsgebäck bezeichnet, will am Donnerstag um 11 Uhr über die Entwicklung informieren. Der Umsatz der Firma war im Geschäftsjahr 2014/15 bereinigt um den Zukauf des Dresdner-Stolle-Anbieters Dr. Quendt um 2,5 Prozent auf knapp 600 Millionen Euro gestiegen.

Nach dieser Übernahme und der des Nougat-Herstellers Ifri Schumann scheint der Heiß-Hunger der Aachener fürs Saisongeschäft gestillt. Mit Nürnberger Lebkuchen, Aachener Printen und Dresdner Stollen decke Lambertz das ganze Feld ab, sagt Bühlbecker: „Wir bemühen uns mehr, mit den Ganzjahresartikeln zu wachsen.”

Seinen Umsatz macht die Lambertz-Gruppe jeweils zur Hälfte mit klassischen Saisongebäcken und den Ganzjahresgebäcken. Auf Trends reagiert das Unternehmen vor allem im dem Ganzjahresgeschäft, beispielsweise mit seinem Bio-Angebot. Den Angaben nach gehören die Aachener seit einiger Zeit zu den größten Anbietern von Bio-Gebäck.

Bei den saisonalen Klassikern macht das Unternehmen weiterhin keine Experimente. Die Rezepte der Klassiker wie Lebkuchen, Spekulatius und Co sind dem über 300 Jahre alten Unternehmen fast schon „ein bisschen heilig”, wie der Chef sagt. Lebkuchen, Dominostein oder Printen müssten schmecken wie immer, sagt Bühlbecker: „Der Kunde sucht die Klassiker, so wie sie in der Vergangenheit waren, genau das Produkt, das er kennt. Natürlich freut er sich mal über eine schöne neue Dose”, sagt Bühlbecker. Veränderungen bei der Verpackung ja, aber eben nicht beim Inhalt.

Zu den Festtagen mögen es die Deutschen am liebsten traditionell, bestätigt auch Solveig Schneider vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) die Strategie von Lambertz. Nach Angaben des Bundesverbands vernascht jeder Deutsche in der Saison rund 900 Gramm saisonale Gebäcke. Die Menge sei seit einigen Jahren relativ stabil.

Der Lebkuchen war im vergangenen Jahr die absolute Nummer eins unter den Saisongebäcken (38 Prozent), berichtet der BDSI unter Bezug auf das Marktforschungsunternehmen Nielsen. Auf Platz zwei lag demnach der Spekulatius (22 Prozent) dicht gefolgt vom Weihnachtsstollen (21 Prozent).

Neben den klassischen Rezepturen lassen sich die Hersteller dabei immer wieder etwas neues einfallen: Lebkuchen mit Cranberries etwa oder mit Pistazien oder auch mit Ingwer.

(dpa)
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