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Gütersloh: Preisverfall hat Miele eingeholt

Gütersloh : Preisverfall hat Miele eingeholt

Jahrelang trotzte der traditionsreicheHausgerätehersteller Miele, Gütersloh, dem Billig-Trend. Und das Traditionsunternehmen konnte sich diese vornehme Distanz auch leisten.

Egal ob Kundenzufriedenheit, Innovation, Marketing oder Produkt-Qualität - Miele gilt seit jeher als Musterschüler der Branche. Damit ließen sich lange Zeit hohe Preise verteidigen. Wie ein Paukenschlag wirkten da 2004 Meldungen über Kurzarbeit im Stammwerk. Und jetzt wird jede zehnte Stelle in Deutschland gestrichen: 1077 von 11.046. Der Preisverfall hat Miele eingeholt.

„Miele ist ein kerngesundes Familienunternehmen”, sagt dagegen Geschäftsführer Horst Schübel und verweist auf ein 135 Millionen Euro Investitionen, die Miele wie immer aus eigenen Mitteln zahlt. Es läuft darauf hinaus, bei den Arbeitskosten zu sparen.

Denn auch den Miele-Chefs sitzt der Preisdruck immer mehr im Nacken. Wenn sie nicht nachgeben, klafft der Abstand zum Mittelfeld immer mehr. „Die Relation muss gewahrt bleiben”, heißt es im Unternehmen.

Welche Auswirkungen sonst, drohen zeigte sich im Geschäftsjahr 2003/2004, als der Umsatz der Gruppe erstmals leicht bröckelte: Zwar hatte Miele im Ausland die Erlöse um 2,1 Prozent gesteigert, in Deutschland aber wegen der Kaufzurückhaltung Einbußen von 9,1 Prozent hinnehmen müssen.

Jetzt sprießt „das zarte Pflänzchen des Aufschwungs” wieder, wie es Markus Miele nennt. Die vierte Generation der Gründer-Familien, die im vergangenen Jahr endgültig das Ruder in die Hand nahm, leitete die drastischen Einschnitte ein.

Sie bedeuten für die sechs Standorte in NRW - Gütersloh, Bielefeld, Oelde, Lehrte, Warendorf und im Elektromotoren-Werk Euskirchen tiefe Einschnitte. In der Eifel fallen von rund 500 Arbeitsplätzen 170 weg.