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Aachen: Plötzlich ist weniger drin: Mogelpackungen im Supermarkt

Aachen : Plötzlich ist weniger drin: Mogelpackungen im Supermarkt

Die Tricks mancher Hersteller sind auf den ersten Blick kaum zu entlarven. Deshalb sollten Verbraucher im Supermarkt besonders genau hinsehen, bevor sie eine Ware in den Einkaufswagen legen. Denn Verbraucherschützer und Behörden entdecken immer wieder Mogelpackungen in den Regalen.

Da werden zum Beispiel die Chips, Gebäckkugeln oder Slipeinlagen in der gleichen Packung und zum selben Preis wie vorher angeboten - der Inhalt ist allerdings weniger geworden. Diese und ähnliche Vorgänge sind nicht immer gesetzeswidrig. Hinters Licht geführt werden die Kunden aber in jedem Fall - und ein aktuelles Vorhaben der EU könnte für noch mehr Probleme sorgen.

Mogelei gibt es zum Beispiel immer wieder bei einzeln verpackten Lebensmitteln, sagt Alexander Liebegall vom Landesamt für Mess- und Eichwesen Berlin-Brandenburg mit Sitz in Kleinmachnow bei Berlin. Bei diesen sind Füllmenge oder Gewicht bisweilen von Packung zu Packung unterschiedlich - beispielsweise bei im Supermarkt abgepackten Käsestücken oder Schalen mit Fleisch aus dem Kühlregal. Bei diesen Produkten gebe es in Einzelfällen Abweichungen von bis zu einem Drittel des Gewichts.

Das kann bereits ein Rechtsverstoß sein. Denn dieser liegt immer dann vor, wenn in einer Packung deutlich weniger drin ist als draufsteht, erläutert Liebegall. Zum Beispiel auf den Verpackungen von Lebensmitteln, Kosmetika, Reinigungsmitteln, aber auch Blumenerde muss außen die Füllmenge deutlich sichtbar aufgedruckt sein.

Und für all diese Produkte gilt: Die angegebene Menge muss auch tatsächlich enthalten sein. Kleine Abweichungen sind zwar erlaubt. So liegt eine Kilopackung auch dann noch im Rahmen, wenn 15 Gramm weniger enthalten sind. Damit die Vorgaben auch eingehalten werden, überprüfen die Eichbehörden der Länder aber regelmäßig Füllmengen von Supermarktartikeln.

Doch auch Verbraucher können solchen Gaunereien im Supermarkt leicht auf die Schliche kommen. Behördenleiter Liebegall empfiehlt den Gang zur Waage in der Obst- und Gemüseabteilung: Schon wenn die Waage das gleiche Gewicht zeigt, das auf der Verpackung angegeben ist, ist das ein Grund zur Beanstandung. Denn dann wurde die Packung mitgewogen - was nicht erlaubt ist, denn der Kunde soll schließlich nicht Papier oder Pappe mitbezahlen.

Liebegall empfiehlt Verbrauchern, sich in solchen Fällen bei den Mitarbeitern des Supermarktes zu beschweren. Zudem können Käufer sich an die Eichbehörden wenden. Und bei besonders gravierenden Verstößen ist auch eine Anzeige wegen Betrugs bei der Polizei möglich.

In einem Graubereich bewegen sich die Hersteller, wenn sie eine andere Form der Mogelpackung in den Handel bringen. Bei den meisten Produkten steht es ihnen frei, die Packungsgröße zu bestimmen. Und so verstecken viele Unternehmen Preiserhöhungen dadurch, dass sie bei ähnlichem Preis weniger von einem Produkt in die Packung geben. Verbraucher werden dann hinters Licht geführt, wenn die Veränderung auf der Packung nicht deutlich gemacht wird.

Das ist ein häufiger Fall, hat Birgit Rehlender von der Stiftung Warentest in Berlin herausgefunden. Seit 1990 werden solche Mogelpackungen in einer eigenen Rubrik in der monatlich erscheinenden Zeitschrift „test” aufgeführt. Rehlender empfiehlt, alte Verpackungen aufzuheben, um Mengen- und Preisvergleiche zu ermöglichen.

„Im Laden merkt man das sonst gar nicht”, sagt die Expertin, die bei der Organisation das „Projekt Mogelpackungen” leitet. Ihrer Ansicht nach haben Verbraucher vor allem eine Möglichkeit, auf versteckte Preiserhöhungen zu reagieren: „Da kann man eigentlich nur das Produkt wechseln.”

Die Verbraucherschützer wollen vor allem eines erreichen: Dass Hersteller offen zu Preiserhöhungen stehen. Dann hätten Verbraucher die freie Wahl. „Gut begründete Preiserhöhungen werden doch akzeptiert”, sagt Rehlender. Auch die Verbraucherzentrale Hamburg spürt Mogelpackungen nach.

Ein großes Problem sind ihren Erfahrungen nach Softdrinks: Limonade werde häufig in einer 1,25-Liter- statt in einer 1,5-Liter-Flasche angeboten. „Der Unterschied fällt kaum auf”, sagt Ernährungsexperte Armin Valet. Er rät zur Vorsicht, wenn Verpackungen plötzlich anders aussehen.

Auch Hinweise auf der Verpackung wie „neu” oder „verbesserte Rezeptur” sollten Verbrauchern eine Warnung vor möglichen versteckten Preiserhöhungen sein. Denn sicher sind Verbraucher vor Tricksereien mit veränderten Packungsgrößen nur bei Grundnahrungsmitteln wie Butter und Kaffee, die nur in bestimmten Standardmengen verkauft werden dürfen - im ersten Fall zu 125 oder 250 Gramm, im zweiten zu 250 oder 500 Gramm. Nach einem Vorhaben der Europäischen Union sollen diese Packungsgrößen aber künftig freigegeben werden.

Das würde die Unübersichtlichkeit für Verbraucher noch verschärfen, befürchten die Verbraucherschützer. Dabei soll es nach dem Gesetz bereits jetzt einen Rettungsanker für Verbraucher geben: den Grundpreis. Denn am Verkaufsregal muss jeweils auch der Preis pro Mengeneinheit - zum Beispiel 1,99 Euro pro 100 Gramm - angegeben werden. Diese Information macht Preisvergleiche möglich.

Doch Valet warnt auch hier vor allzu viel Vertrauen: Die Angaben seien oft falsch, zum Beispiel weil alte Etiketten noch nicht ausgewechselt wurden.