Pharmaunternehmen Grünenthal streicht 191 Stellen in der Forschung

Massiver Abbau beim Pharmaunternehmen : Grünenthal streicht 200 Stellen in Aachen

Das Pharmaunternehmen Grünenthal wird am Standort Aachen vor allem die Zahl der Vollzeitstellen in der Forschung reduzieren. Befürchtet worden war allerdings ein noch größerer Stellenabbau.

Nachdem die Geschäftsführung die Belegschaft am Dienstagmorgen über die bevorstehenden Veränderungen informiert hatte, teilte das Unternehmen am Mittag mit, dass in der Forschung 191 Vollzeitstellen gestrichen werden sollen. Weitere zehn Stellen sollen in der Finanzabteilung wegfallen. Wie viele Arbeitnehmer genau von den Stellenstreichungen betroffen sind, ließ eine Unternehmenssprecherin gegenüber unserer Zeitung am Dienstag offen.

Wie es in einer Mitteilung hieß, sollen betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden. „Das Unternehmen plant, den Personalabbau durch interne Versetzungen, Altersteilzeitlösungen und ein Freiwilligenprogramm umzusetzen“, hieß es weiter.

Der Betriebsrat erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, dass ein dreijähriger Kündigungsverzicht mit der Geschäftsführung ausgehandelt worden sei. Man hoffe, „dass nach diesem Stellenabbau endlich Ruhe ins Unternehmen kommt“, sagte Betriebsratsvorsitzende Angelika Enderichs. Bereits in den vergangenen Jahren waren der Personalbestand weltweit um 600 Mitarbeiter bei Grünenthal reduziert worden. Am Standort Aachen werden nach der am Dienstag verkündeten Umstrukturierung noch etwa 1400 Vollzeitstellen übrig sein.

„Forschung und Entwicklung bleibt Kern unserer Strategie. Wir müssen aber die Art und Weise, wie wir forschen, ändern, um auch in Zukunft neue Medikamente für Patienten entwickeln zu können“, sagte Grünenthal-Geschäftsführer Gabriel Baertschi. Seit 2010 ist es Grünenthal nicht mehr gelungen, ein selbst entwickeltes Medikament auf den Markt zu bringen. Auf größere Forschungserfolge wartet das Pharmaunternehmen seitdem vergebens. Auch deshalb wird nun die Zahl der Stellen in Forschung und Entwicklung von etwa 500 auf gut 300 reduziert.

Wie unsere Zeitung bereits im Mai berichtet hatte, gingen die Planungen der Geschäftsführung weit über den nun verkündeten Stellenstreichungen hinaus. Wie der Betriebsrat am Dienstag bestätigte, sei der Abbau von „mindestens 300 Vollzeitstellen“ geplant gewesen, zudem sollten „135 Stellen in der Forschung““ ein neues Anforderungsprofil erhalten, so dass auch die Arbeitnehmer dieser Stellen der Gefahr ausgesetzt gewesen wären, ihren Arbeitsplatz zu verlieren.

Dass diese Pläne nun zumindest nicht in Gänze in die Tat umgesetzt werden, sei das Ergebnis „langer und schwieriger Verhandlungen“, erklärte Betriebsratsvorsitzende Enderichs. Bis Ende vergangener Woche sei „intensiv beraten und verhandelt“ worden. Allerdings sehe der Betriebsrat „immer noch ein sehr hohes Risiko in der neuen Forschungsausrichtung“. Besonders „die Radikalität, mit der die Veränderung in der Forschung ab Oktober vollzogen werden soll, wird auch nach den Beratungen mit dem Arbeitgeber vom Betriebsrat kritisch gesehen“, teilte Enderichs weiter mit.

Geschäftsführer Baertschi hatte im Mai erklärt, dass „die Pharmaindustrie, insbesondere die Neurowissenschaften, seit Jahren unter einer niedrigen Produktivität der Forschung und Entwicklung“ leiden. „Es gibt aber vielversprechende Ansätze, um das Blatt zu wenden und unsere Innovationskraft zu stärken“, sagte Baertschi damals. Es solle „in viel stärkerem Maß auf Partnerschaften, Akquisitionen und die Zusammenarbeit mit Universitäten, Start-ups und Biotech-Unternehmen“ gesetzt werden.

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