Aachen: Peter Tempel über Deutschlands Rolle: Verantwortung, nicht Dominanz

Aachen: Peter Tempel über Deutschlands Rolle: Verantwortung, nicht Dominanz

Dies war allen Euro-Kritikern ins Stammbuch geschrieben: „Der Euro hat die Finanzkrise nicht ausgelöst. Aber ohne ihn wären die Auswirkungen noch gravierender.”

Peter Tempel hat als Ständiger Vertreter der Bundesrepublik bei der Europäischen Union ein besonderes Gespür für Stimmungen gegen die Gemeinschaftswährung, die in einigen Ländern der Euro-Zone angesichts der Verwerfungen der vergangenen fast vier Jahre aufflackern. Bei seinem Vortrag in der Industrie- und Handelskammer Aachen im Rahmenprogramm zur Verleihung des Karlspreises an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ließ der Diplomat aber keinen Zweifel an seiner Einschätzung, dass es für Europa keine Alternative zu einer gemeinsamen Union gibt. „Die Rolle Europas in der Welt wird geringer, vor allem der asiatische Raum wird immer stärker”, betonte er und belegte dies mit Zahlen. Nur gemeinsam könne man dem begegnen.

Tempels Analyse der Krise: Auslöser waren die hohen Schuldenstände in- und außerhalb Europas, hinzu kam das systemimmanente Problem einer hohen Ansteckungsgefahr. Sein Rezept zur Bewältigung: konsequenter Schuldenabbau und strikte Haushaltsdisziplin, kombiniert mit wachstumsfördernden Anreizen. Die dürften allerdings nicht mit teuren, kreditfinanzierten Programmen befeuert werden. „Nachhaltiges Wachstum” müsse das Ziel der europäischen Politik sein.

An einer europäischen Stabilitätsunion gehe kein Weg vorbei, sagte Tempel. Dies beinhalte effektive Verfahren zur Überwachung der Haushaltsdisziplin - inklusive Sanktionskatalog. Denn genau daran habe es in den vergangenen Jahren gemangelt. Tempel lobte in diesem Zusammenhang den Fiskalpakt. Die Festschreibung der Schuldenbremse in europäisches und innerstaatliches Recht müsse Priorität haben.

Und die Rolle Deutschlands bei der Bewältigung der Krise? „Wir haben eine besondere Verantwortung, nicht nur wegen der wirtschaftlichen Stärke”, sagte der Botschafter. Von einer Dominanz Berlins könne aber keine Rede sein. Auch hier gelte: Nur gemeinsam ist man stark.

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