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Aachen: Parsytec verschwindet nun vom Kurszettel

Aachen : Parsytec verschwindet nun vom Kurszettel

Mit der außerordentlichen Hauptversammlung an diesem Freitag wird ein Schlussstrich unter den Verkauf des Aachener Hightech-Unternehmens Parsytec AG an die Isra Vision AG gezogen.

Auf der Tagesordnung der Aktionärsversammlung steht ein Antrag, Parsytec von der Börse zu nehmen. Gleichzeitig will der Mehrheitsaktionär Isra (Anteil am 25. 9. 2007: 74,91 Prozent) die noch verbliebenen freien Parsytec-Aktionäre auszuzahlen.

Vorstand und Aufsichtsrat des Aachener Unternehmens wurden in den letzten Wochen bereits durch Isra Vision, den führenden Anbieter für industrielle Bildverarbeitung, ausgewechselt.

Ebenso wie die Aixtron AG galt Parsytec lange Zeit als ein Aushängeschild für den Wandel der Region Aachen von einem traditionellen Montan- zu einem modernen Technologiestandort.

Dabei hat das Unternehmen in den 22 Jahren seit seiner Gründung ein durchaus wechselvolle Entwicklung erfahren. Ursprünglich als „Gesellschaft für Parallele Systemtechnik mbH” von Falk D. Kübler und zwei Kommilitonen im Umfeld der Technischen Hochschule gegründet, befasste sich das Unternehmen zunächst mit der Entwicklung von leistungsfähigen Supercomputern.

In diesem Marktsegment war das Unternehmen zeitweise so erfolgreich, dass man mit den Produkten des Weltmarktführers Cray durchaus konkurrieren konnte. „Alles in allem war man innerhalb von nur drei Jahren vom kleinen Aachener Hardwarehaus zu einem führenden europäischen Anbieter von Hochleistungs-Parallelrechnern für technisch-wissenschaftliche Anwendungen emporgestiegen”, urteilt Ren? Maubach in seiner Geschichte der Aachener IT-Branche. Doch technische Probleme eines wichtigen Zulieferers trieben Parsytec beinah in den Bankrott.

Nach mehreren „Häutungen” wurde in den Folgejahren vor allem dank der Zielstrebigkeit des Firmenchefs Kübler aus dem ehemaligen Anbieter von Parallelrechnern eine Softwarefirma, die sich darauf konzentrierte, Programme zur Mustererkennung von Bahnwaren wie Stahl oder Aluminium zu entwickeln. Dafür musste die Parsytec-Mannschaft lernen, sich auf die Probleme der Stahlerzeugung und des Stahlmarktes einzustellen. Kübler antwortete einmal auf die Frage nach seinem wichtigsten Charakterzug: „Ein manchmal schwer erträglicher Hang zu Perfektion.”

Es war wohl vor allem dieser Drang zu Vollkommenheit, der Parsytec auch im neuen Tätigkeitsfeld so erfolgreich werden ließ. Weniger erfolgreich hingegen war die Entwicklung an der Börse, wo die AG seit dem 16. Juni 1999 notiert wurde. Das Unternehmen machte die Berg-und Talfahrt des Neues Marktes voll mit - und überlebte im Gegensatz zu vielen anderen jungen Aktiengesellschaften. Inzwischen bezeichnet sich Parsytec als „weltweit größten Anbieter von Oberflächeninspektionssystemen”. 2006 erzielte Parsytec mit 114 Mitarbeitern einen Umsatz von 23,5 Millionen Euro. Das Ergebnis nach Steuern betrug 1,3 Millionen Euro.

Am 1. Mai vergangenen Jahres zog sich Kübler, der rund 45 Prozent der Firmenanteile hielt, „aus persönlichen Gründen” aus dem Unternehmen zurück. Er machte die Zusage, mindestens ein Jahr lang seine Anteile nicht zu veräußern. Daran hat er sich gehalten, denn am 23. Juli 2007 meldete die Isra Vision AG´´´, sie habe 52,5 Prozent der Aktien an der Parsytec - 48,5 Prozent vom Hauptaktionär Kübler, vier Prozent einem institutionellen Investor, gekauft. Das Geschäft hatte ein Volumen von 18,3 Millionen Euro.

Hochschule als Keimzelle der Isra Vision

Wie bei Parsytec liegt auch bei Isra Vision die Keimzelle an einer Hochschule. Das Unternehmen entstand 1985 in der Technischen Universität Darmstadt. Enis Ersü gründete zusammen mit weiteren Experten für Robotik und Bildverarbeitung das Unternehmen Isra Systemtechnik GmbH, um die wissenschaftlichen Konzepte schnell in Hightech-Lösungen umzusetzen.

1997 gründete ein Team von Managern um Ersü herum als Spin-off die Isra Vision GmbH mit der Konzentration auf „Vision Systems". Im Jahr 2000 wurde GmbH in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, inklusive Gang an den Neuen Markt.

Das Unternehmen machte 2005/2006 mit 300 Mitarbeitern 54 Millionen Euro Umsatz.

Die Übernahme von Parsytec begründete die Isra AG mit der führenden Position, die sich die Aachener bei der Oberflächeninspektion in den Bereichen Metall und Papier erarbeitet habe.