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Aachen: Orangenöl, viel Kaffee und Nachtschichten

Aachen : Orangenöl, viel Kaffee und Nachtschichten

Der Erfolg riecht nach Orangen. Jedenfalls dann, wenn man Oliver Roßbruch fragt, einen der drei Inhaber der Aachener Firma aixTeMa, die beispielsweise Service Hotlines, Reparaturen oder Online-Shops anbietet.

Seinen ersten großen Auftrag verdanke das Unternehmen nämlich irgendwie einem Fläschchen Orangenöl aus dem Naturkosmetikladen, sagt Roßbruch, 38, Luft- und Raumfahrttechnik-Ingenieur. Er zwinkert. Seine Partner, die Betriebswirte Thomas Splitt, 41, und Oliver Swaczyna, 39, lachen. Wenn man das so erzähle, sagt Thomas Splitt, klinge es, als ob nicht wirklich viel Anstrengung dahinter gesteckt habe. „Dabei haben wir ganz schön viel dafür gearbeitet.”

Ein Donnerstagnachmittag im November 1997: 120 Flachbettscanner aus Japan stapeln sich in einem 60 Quadratmeter großen Büro im Aachener Süden. Bis Montag sollen sie geprüft werden. So heißt es in der Ausschreibung der Heidelberger Druckmaschinen AG, an der aixTeMa teilnimmt. Die Heidelberger, gerade an die Börse gegangen, suchen jemanden, der den Kundenservice, die Beratung und Betreuung für ihre neu erworbene Flachbettscanner-Sparte übernimmt.

Es wäre der erste Großkunde der gerade mal zwei Jahre jungen Firma aixTeMa, in der es außer Oliver Roßbruch, Thomas Splitt und Oliver Swaczyna noch drei andere Beschäftigte gibt. Zusammen machen sie sich an die Arbeit, ihre Freundinnen helfen. Es wird ein langes Wochenende mit einer Menge Kaffee und Nachtschichten.

Als die Produktmanagerin am Montagmorgen kommt, staunt sie nicht schlecht: Die Jungunternehmer, von der Konkurrenz als „so ein Studenten-Computerclub in Aachen” belächelt, haben ganze Arbeit geleistet. Aus kaputten Scannern neue gebaut, die einwandfrei funktionieren. „Außerdem”, sagt Roßbruch zu der Produktmanagerin, „werden sie niemanden finden, dessen Scanner so gut duften.” Denn jedes einzelne Gerät wurde liebevoll gesäubert und poliert - mit materialschonendem Orangenöl aus dem Naturkosmetikladen.

Heute, fast elf Jahre später, ist die Heidelberger Druckmaschinen AG immer noch aixTeMa-Kunde. Man schätze das Unternehmen als flexiblen, kompetenten und innovativen Partner, sagt Petra Schneeberger-Pfeiffer aus der Marketing-Abteilung des Heidelberger Großunternehmens. „Der persönliche und freundschaftliche Kontakt zu den geschäftsführenden Inhabern führt immer wieder zu effizienten und individuellen Lösungen.”

Der „Studenten-Computerclub” ist längst Geschichte. Seit 1998 hat sich das Unternehmen schrittweise vergrößert: vom Aachener Südviertel ging es in den Stadtteil Richterich. Seit 2005 befinden sich die Büroräume, Technik- und Lagerflächen auf dem ehemaligen Philips-Gelände, dem Industriepark Rothe Erde. Was aixTeMa anbiete, sei so vielfältig, dass es sich nur schwer in einem Satz erklären lasse, sagt Swaczyna. Er versucht es trotzdem. „Wir bieten individuellen Service in den Bereichen IT, E-Commerce, Technische Hotline, Reparaturzentrum und Logistik.”

So hat aixTeMa unter anderem den Online-Shop für 4711-Produkte realisiert - vom Internetauftritt bis zur kaufmännischen Abwicklung. Die Produkte aller Shops werden auf dem Firmengelände gelagert und von dort aus in alle Welt verschickt. Das sind zwischen 1500 und 2000 Sendungen im Monat. Die Mitarbeiter der Service-Hotline für IT-Produkte beraten Kunden und Händler auf Deutsch, Englisch, Französisch und Niederländisch. Im Reparaturzentrum wird unter anderem Hardware der Devolo AG und von Lancom Systems bearbeitet.

In den vergangenen beiden Jahren wurde der Reparaturservice wieder stärker nachgefragt, sagt Oliver Roßbruch. Davor sei es billiger gewesen, direkt neue Fertigprodukte in China zu bestellen. „Durch die steigenden Sprit- und Logistikkosten lohnt es sich wieder, in Deutschland reparieren zu lassen”, sagt er. Für das aixTeMa-Reparaturzentrum gebe es plötzlich wieder viel zu tun.

Auf den Namen aixTeMa hatten sich die drei Inhaber übrigens relativ schnell verständigt. Damals, am Küchentisch in der Studenten-WG. „Das inzwischen in der Region so weit verbreitete Aix sorgt vor allem bei internationalen Kunden schon mal für Verwechslungen”, sagt Thomas Splitt. Als die Aachener Maschinenbauer Aixtron vor einigen Jahren an die Börse gingen, stand bei aixTeMa tagelang das Telefon nicht still. „Alle wollten bei uns Aixtron-Aktien kaufen.” Auch das ist eine kleine Geschichte, von denen es inzwischen viele in der Firmenhistorie gibt. Von Zeit zu Zeit werden sie erzählt und alle bei aixTeMa lachen darüber. Oliver Roßbruch erzählt am liebsten die vom Orangenöl-Scanner.