Online-Riese Alibaba kommt vielleicht nach Südlimburg

Chinesischer Online-Gigant : Maastricht Aachen Airport hofft auf Quantensprung

Selbst die hochgespannten Erwartungen werden übertroffen: Der Maastricht Aachen Airport im niederländischen Beek wächst schneller, als die kühnsten Optimisten erwartet hatten.

Die Zahl der Fluggäste wird gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt, auch das Frachtvolumen steigt deutlich an.

Diese Zahlen dürften noch weiter in die Höhe gehen, wenn tatsächlich der chinesische Internetriese Alibaba eine Dependance in Südlimburg eröffnen sollte. Landesweit wird in den Niederlanden darüber spekuliert, dass der Onlinehändler, der weltweit expandieren und dem US-amerikanischen Amazon Paroli bieten will, im Süden der Niederlande ein riesiges Distributionszentrum hinsetzt.

Vor kurzem kündigte Alibaba an, ein 380.000 Quadratmeter großes Warenverteilzentrum in Hongkong aufzumachen, so groß wie 76 Fußballplätze. Weltweit sollen sechs dieser Schnittstellen geschaffen werden, um die Internet-Käufer binnen 72 Stunden bedienen zu können, unter anderem in Dubai und Moskau. 12,5 Milliarden Euro sollen dazu bereitstehen, meldet etwa die überregionale Tageszeitung „De Volkskrant“.

Im Juli hatte schon die belgische Regierung verkündet, dass Lüttich mit dem Flughafen Bierset den Zuschlag erhalten habe. Doch dies wurde von Alibaba offiziell nicht bestätigt. Die oberste Geschäftsführung war dagegen jüngst noch zu Gesprächen beim niederländischen Premierminister Mark Rutte zu Gast, der sich für die Ansiedlung in Beek einsetzt. Limburg sei noch im Rennen um die Mega-Ansiedlung, meldet auch die Tageszeitung „De Limburger“. Dadurch könnten bis zu 700 neue Arbeitsplätze entstehen.

Unter anderem spreche die Tatsache, dass in der Nähe des Maastricht Aachen Airport Gewerbegrundstücke in einer Größenordnung von 380.000 Quadratmetern zur Verfügung stehen, für Beek, spekulieren die niederländischen Journalisten. Aus Lüttich verlautet zu dem Thema, dass man noch in Gesprächen sei, die bis Ende des Monats abgeschlossen sein sollen.

Die Ansiedlung von Alibaba wäre ein Quantensprung für den Maastricht Aachen Airport. Doch auch so schießen die Benutzerzahlen in die Höhe. In diesem Jahr werden bis zu 300.000 Fluggäste erwartet, fast eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr. Zurückzuführen ist dies vor allem auf neue Flugziele der beiden Billiganbieter Ryanair, das jetzt auch Malta ansteuert, und Corendon. Insgesamt werden 22 Destinationen angeboten, meist rund um das Mittelmeer. Attraktiv werden Start und Landung in Beek auch dadurch, das mit kostenlosem Parken während des Urlaubs geworben wird.

Doch man sieht sich noch nicht am Ende der Fahnenstange: „Wir wollen noch weiter wachsen“, versichert Flughafen-Sprecherin Hella Hendriks. So sollen, auch durch weitere Reiseziele, im nächsten Jahr 350.000 Kunden erwartet werden, 2024 sollen es 700.000 sein. 200 Arbeitsplätze hat der Airport derzeit, unter den Beschäftigten ist auch gut eine Handvoll Deutsche. 50 weitere Stellen sollen demnächst hinzukommen, 30 Leute werden noch gesucht.

Diese Zahlen nehmen sich allerdings sehr bescheiden aus gegenüber denen von Schiphol, dem zweitgrößten Drehkreuz in Europa, das im letzten Jahr 68,5 Millionen Fluggäste zählte. Der Amsterdamer Riese stößt jedoch immer mehr an Grenzen, so dass Reiseunternehmen und Spediteure nach Ausweichmöglichkeiten suchen. So wächst der Provinzflughafen Beek, der jahrelang am Rande der Existenz krebste und nur durch Millionen-
interventionen der Provinz Limburg am Leben erhalten wurde, jetzt auch im Frachtbereich deutlich.

In diesem Jahr sollen 120.000 Tonnen umgeschlagen werden, doppelt so viel wie noch 2016. Textilien, Blumen Früchte, Maschinenteile und Medizinprodukte werden etwa von Beek aus in die weite Welt geschickt. Bis 2024 hofft man auf ein Volumen von 250.000 Tonnen zu kommen. Das würde dann rund 16.000 Flugbewegungen pro Jahr entsprechen, plus knapp 10.000 von kleineren Geräten wie Privatjets, Oldtimern oder Hubschraubern.

Des einen Freud, des anderen Leid: Während die Betreiber und Unternehmen von der Entwicklung angetan sind, haben die Anwohner und Menschen, die in den Anflugschneisen wohnen, ihre liebe Müh und Not mit dem zunehmenden Verkehr am Himmel, immerhin einem anerkannt großen Umweltverschmutzer. Schließlich machen Lärm und Abgase ja auch nicht an Grenzen Halt und sind Auswirkungen bis nach Aachen zu spüren. „Ich beobachte, dass die Unruhe in der Bevölkerung zunimmt“, zitiert dazu die Tageszeitung „De Limburger“ Clemens Degenaar, der als Mitglied der staatlicherseits eingesetzten Regionalkommission CRO die Entwicklung des Maastricht Aachen Airport begleitet.

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