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Moskau: NRW putzt in Moskau Klinken

Moskau : NRW putzt in Moskau Klinken

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Peer Steinbrück und Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement haben die deutschen Unternehmen aufgefordert, stärker in Russland zu investieren.

Die deutsche Wirtschaft dürfe Russland nicht nur als Exportmarkt betrachten, sagte Steinbrück am Dienstag bei einem vom Land organisierten Wirtschaftsforum in Moskau.

Auch Clement forderte mehr Risikobereitschaft der deutschen Unternehmen. „Wir müssen aktiver und mutiger werden”, sagte er.

Mit der Rekordzahl von 467 Teilnehmern zeigt NRW im Boom-Markt Russland Flagge. 800 deutsche Firmen haben bereits Niederlassungen, weitere 2500 sind in Gemeinschaftsfirmen aktiv. „Die Perspektiven in Russland sind außerordentlich positiv”, glaubt NRW-Wirtschaftsminister Harald Schartau.

Nicht nur der Maschinenbau und die Möbelindustrie genießen einen guten Ruf im Land von Wolga und Don. 2002 exportierte NRW Maschinen für fast 450 Millionen Euro nach Russland. Tendenz steigend: Mit 4,5 Prozent Wachstum und 0,75 Prozent Arbeitslosenquote setzt der größte Flächenstaat der Welt Maßstäbe.

„Die Zeit ist reif, stärker in Russland zu investieren”, drängt Schartau. Der Präsident der NRW-Maschinenbauer VDMA, Anton Enenkel, bilanziert, dass 130 russische Firmen Kontakte zur NRW-Industrie suchen.

Die Düsseldorfer Modemesse Igedo setzt mit einer eigenen Ausstellung in Moskau Zeichen. Das „Heer der Super-Reichen in Russland” bietet enorme Chancen. Davon profitiert auch die NRW-Möbelbranche, die mit zwölf Firmen im neuen „Haus der Möbel” in der Luxus-Sparte angreift.

Dass 42 Millionen der 146 Millionen Russen weiter unter der Armutsgrenze von 57 Dollar im Monat leben müssen, geht allerdings in der Euphorie gelegentlich unter.

Eine neue Filiale der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung soll Türen öffnen. Die Metro-Gruppe prescht mit dem fünften Großmarkt und Milliarden-Investitionen vor. In Moskau präsentiert sich das Who-is-who der NRW-Wirtschaft.

Eon, RWE, Ruhrkohle, Steilmann, dazu erfolgreiche Mittelständler wie der Sauerländer Stecker-Exporteur Walter Mennekes, weiten Geschäfte und Kontakte aus.

Ministerpräsident Steinbrück drängt die russischen Partner, Hürden bei der Eigentumssicherheit, im Zollwesen und bei der Lizensierung abzubauen.

Und während die Wirtschaftsbosse neue Abschlüsse anbahnen, ist auch die nervöse NRW-Politik rege. Die grüne Ministerin Bärbel Höhn führt auffallend intensive Gespräche mit Ex-CDU-Fraktionschef Helmut Linssen.

Und die FDP-Fraktion ist fast in Kompaniestärke in Moskau angerückt: Warten die Blau-Gelben auf Steinbrücks Signal zur Wende?

Bärbel Höhn jedenfalls präsentiert sich als Orakel von Russland: „In Moskau ist schon vieles entschieden worden.”

Zur Landespräsentation gehören auch die „Wissenschaftstage in Moskau”. Aus NRW werden 40 Forschungsprojekte vorgestellt.

Darunter sind mehrere Projekte der RWTH Aachen aus dem Medizin- und Verkehrsbereich, so u. a. die erste künstliche Herzklappe aus körpereigenem Material, die laut RWTH „vor allem für herzkranke Kinder ein Hoffnungsträger ist”.