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Düsseldorf: Nordrhein-Westfalen bleibt auf Durststrecke

Düsseldorf : Nordrhein-Westfalen bleibt auf Durststrecke

Die Wirtschaft des Landes muss sich auch im laufenden Jahr in Bescheidenheit üben. Nachdem die wirtschaftliche Leistung 2002 um 0,5 Prozent gesunken war, dürfte im laufenden Jahr ein Wachstum von 0,7 Prozent eintreten.

Diese Zahlen nannte Wirtschaftsminister Harald Schartau am Montag in Düsseldorf bei der Vorlage des Jahreswirtschaftsberichtes 2003.

Geschickt nutzte Wirtschaftsminister Harald Schartau am Montag die alles andere als erfreulichen Zahlen, um sie beim öffentlichen Neujahrsempfang seines Ministeriums mit einem politischen Appell zu verknüpfen.

„Wir brauchen Optimisten mit einem Blick für die Realität”, verkündete er und umriss die Ziele der künftigen Wirtschaftspolitik des Landes, bei der die „konsequente Förderung von Mittelstand und Handwerk” im Vordergrund stehe.

Zwar sei Nordrhein-Westfalen ein bevorzugter Standort großer Unternehmen - 36 der 100 größten deutschen Firmen sitzen an Rhein und Ruhr. Gleichzeitig spiele aber auch der Mittelstand eine zentrale Rolle: Schartau nannte die Zahl von 700 000 kleinen und mittleren Unternehmen, in denen 70 Prozent der Arbeitnehmer und 80 Prozent der Auszubildenden beschäftigt sind.

Für das laufende Jahr kündigte Schartau eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Unternehmensgründungen ebenso an wie eine zusätzliche Hilfestellung des Landes bei Finanzierungsfragen im Zusammenhang mit der Veränderung der Kreditrichtlinien nach Basel II.

Während die RWI-Forscher wegen des niedrigen Wachstums mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit rechnen und eine jahresdurchschnittliche Erhöhung um 25 000 auf 837 000 voraussagen, setzt Schartau voll auf die Umsetzung der Hartz-Vorschläge.

Das Land wolle alles tun, damit das Hartz-Konzept zur Reform des Arbeitsmarktes schnell greife, versicherte er. Sein vorrangiges Ziel sei es, die Dauer der Arbeitslosigkeit von derzeit durchschnittlich 33 Wochen auf 22 Wochen zu verkürzen. In Österreich liege der Durchschnitt bei nur 22 Wochen.

„Die Arbeitsmarktpolitik kann aber nicht die Niederungen der Konjunktur überwinden”, räumte Schartau ein.

Ausdrücklich begrüßte er die Mittelstandsoffensive der Bundesregierung, in die sich „nahtlos” das umfangreiche Paket der Landesregierung einfüge, um so die Modernisierung und Erneuerung von kleinen und mittelständischen Betrieben voran zu treiben.

Als Musterbeispiel eines modern und erfolgreich geführten mittelständischen Unternehmens präsentierte Schartau seinen Gästen beim Neujahrsempfang das Aachener Süßwarenunternehmen Henry Lambertz GmbH und dessen Chef Dr. Hermann Bühlbecker, der im vergangenen Jahr mit der Auszeichnung „Unternehmer des Jahres” bedacht worden war.

Bühlbecker machte deutlich, dass auch auf dem hart umkämpften Süßwarenmarkt und trotz der Konzentration im Handel auf nur wenige Giganten ein Mittelständler erfolgreich überleben kann, wenn er sich nur flexibel zeigt. Das ist dem ältesten deutschen Markenartikler jetzt bereits sei über 300 Jahren gelungen entsprechende dem Bühlbecker-Motto: „Es muss sich alles ändern, damit es bleibt wie es ist.”