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Aachen: Niederländische Pläne für ein Gefängnis auf Avantis

Aachen : Niederländische Pläne für ein Gefängnis auf Avantis

Fragt man dieser Tage bei den Verantwortlichen nach, was sich auf dem Gewerbegebiet Avantis tut, dann hört man: „Die Gespräche mit potenziellen Investoren laufen.”

Das ist die Standard-Antwort, die man nun schon seit fast elf Jahren von wechselnden Verantwortlichen hört, allerdings sind in diesen elf Jahren kaum fünf Prozent der Fläche des mehr als 50 Millionen Euro teuren deutsch-niederländischen Gewerbegebiets verkauft worden. Avantis ist ein mit Steuergeldern finanzierter Misserfolg.

Deswegen sind jetzt der kommunale Verbund Parkstad Limburg und das niederländische Justizministerium auf die Idee gekommen, ein Gefängnis auf dem niederländischen Teil von Avantis zu bauen. So wäre das Gewerbegebiet zwar zweckentfremdet, aber wenigstens genutzt.

Die Provinz Limburg brauche ohnedies eine neue Justizvollzugsanstalt (JVA), und die Parkstad Limburg bemühe sich um den Zuschlag, diese bauen zu dürfen, erklärte Staatssekretär Fred Teeven vergangene Woche gegenüber niederländischen Zeitungen. Da böte sich das gähnend leere Gewerbegebiet im Aachener Nordwesten geradezu an. Avantis sei auch deswegen prädestiniert, sagte Teeven, weil es genügend Abstand zu den nächstgelegenen Wohngebieten habe.

Allerdings wäre eine solche Neuansiedlung der fast schon sichere Tod des Gewerbegebietes, dessen schon jetzt erfolglose Vermarktung durch die Nähe zu einem Gefängnis sicher nicht erleichtert würde. „Ich hoffe, dass das Gefängnis nicht hierher kommt”, sagte deshalb auch der Geschäftsführer und Vermarkter von Avantis, René Seijben, auf Anfrage unserer Zeitung.

So einfach andererseits, wie manche sich das wünschen mögen, ist ein Gefängnisbau auf Avantis wiederum nicht. Denn dazu müsste erst der Bebauungsplan geändert werden, sagte Seijben. Außerdem müssen alle vier Gesellschafter (Stadt Aachen, Gemeinde Heerlen, Land Nordrhein-Westfalen und die Maastrichter Industriebank Liof) jeder potenziellen Neuansiedlung zustimmen. Ob eine solche Einstimmigkeit bezüglich eines Gefängnisses zu erreichen wäre, ist zumindest fraglich. Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) ließ eine entsprechende Anfrage unserer Zeitung vergangene Woche unbeantwortet.

Nach Informationen unserer Zeitung wird aber zumindest auf deutscher Seite auch erwogen, ob es nicht sinnvoller sein könnte, die deutsch-niederländische Avantis-Kooperation zu beenden und das Gewerbegebiet zu trennen. Das würde es zwar für die Niederländer leichter machen, auf ihrer Seite des Gebiets eine JVA zu bauen, für die Deutschen aber schwerer, ihre Seite als Gewerbegebiet zu vermarkten. Möglicherweise wäre dann ein Windpark auf Avantis wieder eine Option.

Staatssekretär Leeven sagte, dass das niederländische Parlament in Den Haag noch dieses Jahr über einen möglichen Gefängnisbau auf Avantis beraten wolle. Mit dessen Bau würde jedoch nicht vor 2014 begonnen.