IG Metall: Nicht nur mit Transparenten vor dem Betriebstor

IG Metall : Nicht nur mit Transparenten vor dem Betriebstor

Im Tuchwerk in der Aachener Soers ist zu besichtigen, wie Industrie in der Aachener Region vor 100 Jahren funktioniert hat – die Patina an den alten, dort ausgestellten Webstühlen ist echt. Heute funktioniert Industrie ganz anders: digital, global. Und das sind nur zwei der Herausforderungen, die hinter dem gern verwendeten Schlagwort „Transformation“ stecken. So hat es zumindest die Gewerkschaft IG Metall ausgemacht.

Neben der Digitalisierung und der Globalisierung sehen ihre Vertreter auch die Energiewende und die Mobilitätsveränderung als Aufgabenfeld an, denen sich die heutige Industrie von Arbeitgeber- wie von Arbeitnehmerseite stellen müsse. „Wir wollen die Risiken begrenzen, aber vor allem auch die Chancen nutzen“, meinte Achim Schyns, erster Bevollmächtigter der IG Metall Aachen, anlässlich eines Kampagnenstarts im Bereich der Elektromobilität.

Das hat in Aachen schon ganz gut funktioniert: „Hier sind wir im Bereich der E-Mobilität eher auf der Butterseite“, meinte Daniela Jansen, Leiterin des Projektes „e-mobility“ für die IG Metall Aachen, Stolberg und Düren. „Während an den großen Standorten der Automobilindustrie der Trend zur Elektromobilität eher eine Bedrohung der Arbeitsplätze bedeutet, haben wir in der Wirtschaftsregion Aachen einen Beschäftigungszuwachs.“ Der gründe sich vor allem auf „Streetscooter“ und „e.Go“. Die beiden Elektroauto-Hersteller beschäftigen zurzeit rund 900 Mitarbeiter, allein „e.Go“ beziffert den Bedarf an Arbeitskräften bis 2022 aber mit 2000.

Zugleich sei der Organisationsgrad der Beschäftigten in den jungen Unternehmen denkbar gering: „Die Hierarchien sind flach, die Produktionshalle sieht aus wie ein Showroom, die Arbeitsverträge werden individuell ausgehandelt“, erklärt Jansen. „Und wer gebraucht wird, hat tatsächlich eine gute Verhandlungsposition.“

Je größer die Unternehmen aber werden, desto wichtiger sei eine gute gewerkschaftliche Vertretung der Arbeitnehmer: „Mitbestimmung, Tarifbezahlung, Arbeitszeit – dafür braucht es Strukturen. Wir wollen ein Bewusstsein schaffen für ein gesundes Maß an Arbeit“, so Schynz über die Kampagne zur Werbung von neuen Gewerkschaftsmitgliedern in der Zukunftstechnologie. Die Unternehmen unterstützten die Wahl eines Betriebsrates übrigens – bei „Streetscooter“ gibt es ihn seit 2018, bei „e.Go“ wird die Wahl zurzeit vorbereitet.

Ohnehin sieht sich die IG Metall beim Transformationsprozess eher als Partner der Unternehmen, will sie unterstützen, wenn sie sich auf Industrie 4.0 einstellen. „Wir können mehr als mit Trillerpfeife und Transparenten vor dem Betriebstor stehen“, meint Jansen.

In einer Themenreihe diskutiert die IG Metall aus Aachen, Stolberg und Düren den Transformationsprozess der Industrie. Am Mittwoch, 8. Mai, geht es ab 18 Uhr im Tuchwerk Soers, Strüverweg 116, um die Herausforderungen der digitalen Arbeitswelt. Anmeldung bis 7. Mai unter aachen@ig-metall.de.

Mehr von Aachener Zeitung