Aachen: NGG-Vorsitzender Möllenberg: „Werksverträge sind wie Krebs”

Aachen: NGG-Vorsitzender Möllenberg: „Werksverträge sind wie Krebs”

Eine Entlohnung mit weniger als 8,50 Euro pro Stunde kann in den Augen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) nicht fair sein. Derzeit sei eine Ausweitung „prekärer Arbeitsverhältnisse” zu beobachten. Etwa durch Zeitarbeit, „Minijobs” oder eben schlechte Bezahlung. Dem will die Arbeitnehmervereinigung etwas entgegensetzen.

Der Bundesvorsitzende der NGG, Franz-Josef Möllenberg, erklärte am Samstag auf der Delegiertenkonferenz der Gewerkschaft in Aachen, dass man daher für einen gesetzlichen Mindestlohn eintrete. Besonders sogenannte Werksverträge seien nicht hinnehmbar. Möllenberg sieht sie als ein „Krebsgeschwür” des Arbeitsmarkts an. Dabei arbeiteten Unternehmen nicht mit ihrer eigenen Belegschaft, sondern beschäftigten Dienstleister, die billiges Personal stellen.

Prominentestes Beispiel dafür sei die Fleischindustrie. So arbeite etwa der Fleischfabrikant Tönnies nur zu zehn Prozent mit eigenen Arbeitnehmern. „Der Rest läuft über Werksverträge”, sagte Möllenberg. Meist arbeiten polnische oder rumänische Fleischer in solchen Anstellungsverhältnissen für Löhne zwischen fünf und sieben Euro. „Die Menschen werden benutzt, um unsere Standards und unser Tarifsystem zu unterlaufen”, sagte Möllenberg.

Dem will die NGG dadurch begegnen, dass sie für einen gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro eintritt. Diese Forderung ist nach Meinung der Gewerkschaft durchaus moderat. Denn damit liegt man noch unter den gesetzlichen Lohnuntergrenzen vieler EU-Länder. Mit dem Mindestlohn verknüpfte Möllenberg auch einen politischen Aufruf: Man solle bei der anstehenden Landtagswahl in NRW ein klares Zeichen für den Mindestlohn setzen - sprich: die Parteien wählen, die dafür eintreten. Das sei, so Möllenberg, nicht die CDU. Die Union setze in Sachen Mindestlohn auf „Verzögerungstaktik”, statt etwas zu bewegen.

Die Politik soll also ins Boot: „Der Mindestlohn ist auch ein Hilferuf. Die Gewerkschaftsbewegung ist nicht mehr stark genug, alles alleine zu regeln”, sagte Möllenberg. Zwar verzeichne die NGG einen bundesweiten Mitgliederzuwachs. Doch insgesamt fehlt es den Gewerkschaften an Mitgliedern. In der Region Aachen ging auch die Zahl der NGG-Gewerkschafter im vergangenen Jahr leicht zurück. Die NGG vertritt nun knapp 4180 Mitglieder in den Kreisen Düren und Heinsberg sowie in der Städteregion Aachen.

Zudem fehle den Arbeitnehmern oft das Bewusstsein für ihre Rechte. Im Hotel- und Gaststättengewerbe stehen jedem Beschäftigten tariflich 150 Euro im Jahr vom Arbeitnehmer für die Altersvorsorge zu. Aber viele lassen sich das Geld nicht auszahlen.