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Aachen/Düren: Neuer Trend: Aachener Architekt setzt auf Massivholz

Aachen/Düren : Neuer Trend: Aachener Architekt setzt auf Massivholz

Es war früh klar, dass Björn Martenson an dieser Stelle mit Holz bauen wollte. Der Aachener Architekt und sein Büro AMUNT — Architekten Martenson und Nagel Theissen planten „Fried“, einen Pavillon im Friedhofspark Düren, der gleichermaßen Café, Trauer- und Begegnungsstätte sein sollte.

Sie wollten betont einfach bauen, eine komplexe Raumfigur hätte Trauernde nur belästigt, berichtet Martenson. Holz sei dafür ein „sympathisches Material“, sagt er. Massivholz müsse nicht mehr weiter verputzt oder zusätzlich Verkleidet werden. Mit Holz entsteht im Rohbau direkt ein fertigen Raum.

Moderner Holzbau: Björn Martensons Pavillon im Friedhofspark Düren ist ein eindrucksvolles Beispiel. Die „Woodbox“ (kleines Foto) will die Möglichkeiten des Bauens mit Holz aufzeigen — hier steht sie in Mailand, ab Dienstag ist sie in Aachen. Foto: ProHolz Austria

Es war nicht das erste Mal, dass der Architekt auf Holz baute, zuvor hatte er in Tübingen bereits ein Massivholzhaus realisiert, als gelernter Tischler hatte er ohnehin einen Zugang zum Massivholzbau. Doch auch andere Architekten entdecken überall im Land das Thema (Massiv-)Holzbau — abseits von Bauernhaus und Kleingartenarchitektur. Am Prenzlauer Berg und anderswo in Berlin ist es längst hip, mit Holz bauen zu lassen. Die Möglichkeiten dessen, aber auch Schwierigkeiten werden ab Dienstag in Aachen erläutert und diskutiert — im Rahmen der sogenannten „Wooddays“ mitsamt begehbarer Ausstellung am Elisenbrunnen wie auch bei der Holzbautagung der FH Aachen.

Ein Architekt, der auf Holz baut: Der Aachener Björn Martenson spricht von einem sympathischen Material. Foto: AMUNT

Worin liegt für Sie die Faszination des Bauens mit Holz?

Martenson: Dank moderner computergesteuerter Frästechnik gibt es ganz neue Möglichkeiten. Der Fortschritt ist riesig — etwa im Vergleich zu der traditionellen Holzrahmenbauweise, wie sie in den USA verbreitet ist. Diese hat als Leichtbau einen schlechten Ruf. Moderner Holzbau ist dagegen Hightech mit bauphysikalisch vergleichbaren Eigenschaften wie der klassische Massivbau. In anderen Ländern haben wir bereits tolle Beispiele für mehrgeschossigen Holzbau.

Und in Deutschland?

Martenson: In Deutschland gibt es leider in vielen Bundesländern noch Probleme vor allem mit dem Thema Brandschutz, obwohl gerade Massivholz aufgrund seiner Struktur im Brandfall nicht schnell versagt. Da muss regelungstechnisch noch etwas angepasst werden. Hinzu kommt, dass sich auch die Architekten für dieses Thema öffnen und begeistern müssen. Computergestützter Holzbau erfordert einen hohen Vorfertigungsgrad. Ich muss als Planer jeden Lichtschalter und Leitungsführung einbeziehen. Das macht die Planung sehr komplex. Dafür kann ich aber auch ohne handwerklichen Mehraufwand eine feine Architektursprache entwickeln. Es muss beim Bauen mit Holz keine Berghütte entstehen.

In Berlin wird Bauen mit Holz aber schon als neuer Trend gefeiert. Sehen Sie diesen auch?

Martenson: Ja, ich denke schon, dass wir von einem Trend sprechen können. Es gibt immer mehr Beispiele für spannendes Bauen mit Holz. In unserer allerorts geführten Nachhaltigkeitsdiskussion ist Holz ein guter Baustoff. Er ist lokal bearbeitbar, nachwachsend und gut recycelbar.

Die Ausstellung „Timber City“ („Stadt aus Bauholz“) in Seattle fragte schon vor drei Jahren, ob Holz der Beton des 21. Jahrhunderts werde. Ist dem so?

Martenson: So weit würde ich nicht gehen, denn so viel Plantagenwald wollen wir wohl auch wieder nicht. Aber Holz ist ein vielseitiges Material, das mehr leisten kann als man ihm derzeit zutraut.