Heerlen/Aachen: Neuer Schub für DocMorris und Avantis

Heerlen/Aachen: Neuer Schub für DocMorris und Avantis

Prominenter Neuzugang für das deutsch-niederländische Gewerbegebiet Avantis: Europas größte Versandapotheke DocMorris wird sich dort niederlassen. Bislang auf mehrere Standorte in der Stadt Heerlen verteilt, soll unmittelbar an der deutschen Grenze zu Aachen, einem weiteren Partner in der Avantis-Betreibergesellschaft, ein Neubau entstehen — allerdings komplett auf dem Gebiet der Niederlande.

Ein viergeschossiges Verwaltungsgebäude mit einer Nutzfläche von 5500 Quadratmetern und ein Logistikzentrum mit rund 10.000 Quadratmeter sind vorgesehen. Der Komplex wird von dem niederländischen Bauunternehmen Van de Ven aus Veghel bei Eindhoven als Investor errichtet und langfristig an DocMorris vermietet, zunächst auf 15 Jahre mit einer Option auf Verlängerung. Geschäftsführer Frank van de Ven steckt insgesamt rund 20 Millionen Euro in diese Immobilie, wie er gegenüber unserer Zeitung bestätigte.

Das Grundstück umfasst 30.000 Quadratmeter, eine Option auf weitere 5000 Quadratmeter wird eingeräumt. DocMorris-Vorstandsvorsitzender Olaf Heinrich kündigte zudem ein eigenes Investment in Ausstattung und Logistik „im einstelligen Millionenbereich“ an — genauer wollte er nicht werden. Die neue Zentrale soll 2015 bezugsfertig sein.

DocMorris erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 340 Millionen Euro, gegenüber 2012 ein Plus von etwa fünf Prozent. Das Unternehmen beliefert Patienten, die ihr Rezept für ein Medikament direkt einreichen, und Apotheken überwiegend in Deutschland. Da der Konzern als Kapitalgesellschaft aus rechtlichen Gründen keine Apotheke hierzulande selbst führen darf, wohl aber in den Niederlanden, ist der dortige Geschäftssitz entscheidend. Bei möglicherweise geänderter Rechtslage sei eine bauliche Expansion des Firmensitzes auch auf deutsches Gebiet möglich, kündigte Heinrich an.

Noch ist es nicht gestattet, auf verschreibungspflichtige Medikamente Rabatte einzuräumen — was DocMorris nicht hinnehmen wolle, so der Unternehmenschef. Man strebe jetzt auf europäischer gerichtlicher Ebene eine Änderung dieser Rechtslage an. Laut Heinrich hat DocMorris rund 2,5 Millionen Kunden. Die aktuelle Zahl der Mitarbeiter bezifferte er mit rund 500. Weiteres „sehr starkes Wachstum“ werde angestrebt, fügte er an. Heinrich ließ anklingen, dass in absehbarer Zeit zusätzliche europäische Märkte erschlossen werden könnten. „Wir sind ein europäisches Unternehmen, das die Idee von Europa lebt“, bekräftigte der Vorstandsvorsitzende.

Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp zeigte sich wie die Heerlener Vize-Bürgermeisterin Riet de Wit „hocherfreut“, dass es gelungen sei, in das einstige „Problemfeld Avantis neue Bewegung hineinzubekommen“ — nach jahrelanger Stagnation. Dazu trug — neben einer Reduzierung des Grundstückspreises — entscheidend die Zulassung eines neuen technischen Rahmens bei, der nun auch die Ansiedlung von Logistikbetrieben ermöglicht. Seit dieser Änderung vor zehn Monaten seien bereits 115.000 von seinerzeit 450.000 verfügbaren Quadratmetern verkauft worden.

Philipp ließ erkennen, dass vielversprechende Verhandlungen mit weiteren Ansiedlungsinteressenten im Gange seien. Das „totgesagte“ Gebiet „funktioniert“, zeigte sich der OB „verliebt ins Gelingen“. Und Aachens Wirtschaftsförderungsdezernent Manfred Sicking fügte an, dass mit diesem „wegweisenden Erfolg der Durchbruch gelungen“ sei. Die derzeitige Zahl von 260 Arbeitsplätzen in Avantis werde sich mit DocMorris verdreifachen. Sicking kündigte weitere Verbesserungen bei der Anbindung des Gebiets an, insbesondere an die vorbeiführende Autobahn.

Mehr von Aachener Zeitung