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Stolberg: Neue Märkte in einer gläsernen Nische

Stolberg : Neue Märkte in einer gläsernen Nische

Sie fallen sofort ins Auge, die Berge aus Glasscherben, die sich an der Zweifaller Straße in Stolberg stapeln. Dass dort in irgendeiner Form mit dem durchsichtigen Material gearbeitet wird, ist offensichtlich.

Dass dieses Glas aber auch in Luxushotels oder in Radiergummis zum Einsatz kommt, würde wohl kaum jemand vermuten.

Die Produkte der Reidt GmbH & Co. KG aus Stolberg finden in den unterschiedlichsten Bereichen Anwendung, und das auf der ganzen Welt: Die großen Berge aus Glasscherben verarbeitet Reidt mit Hilfe von Brechern und Mühlen zu Glasmehlen und Granulaten - in der Qualität und Größe, wie die Kunden es benötigen. Reidt produziert fast 250 verschiedene Produkte in Stolberg, vom feinen Glasmehl über Salz, Zucker bis hin zu den grobkörnigen Hagel- und Kandiszucker - nur eben aus Glas.

„Das Unternehmen existiert seit 1899, in den vergangenen Jahrzehnten verarbeiten wir aber nur noch Glas”, sagt Geschäftsführer Angelo Frechen, für den es selbst immer wieder interessant ist zu sehen, wo „seine” Produkte überall zum Einsatz kommen. Dabei beliefert Reidt nicht nur Endkunden, sondern auch weiterverarbeitende Kunden.

Im berühmten Sieben-Sterne-Luxushotel Burj-al-Arab in Dubai wird das Stolberger Glas nach einer chemischen Aktivierung zur Wasserreinigung eingesetzt, in der Munition von Kleinkalibern zur besseren Zündung, auch im Brandschutz findet es Verwendung.

Da Reidt mit seinen Produkten eine Nische auf dem Weltmarkt erfolgreich besetzt hat, profitiert das Unternehmen vor allem von der hohen Exportquote: „Vor fünf Jahren haben wir keine 20 Prozent exportiert”, blickt Frechen zurück. 2009 ging schon die Hälfte des produzierten Glasmehls und -granulats ins Ausland, dieses Jahr exportiert Reidt sogar rund 60 Prozent.

Der größte Teil geht in die EU, Kontakte auf dem asiatischen und nordamerikanischen Markt sind bereits geknüpft. „Fakt ist: Wir sind auf jeden Fall exportabhängig. Aber wir sind auch währungsunabhängig, da wir eine Nische besetzen”, sieht Frechen in der hohen Exportquote keine Nachteile - im Gegenteil: „Wir haben es geschafft, neue Märkte und Umsatzanteile zu generieren. Und die Nachfrage an Glasmehl und Glasgranulat hat im Ausland deutlich zugenommen; wir profitieren von einer hohen Innovationsbereitschaft.”

Die Weltwirtschaftskrise ging aber auch an Reidt nicht spurlos vorbei. „Im Februar 2009 ging auf einmal gar nichts mehr”, erinnert sich Geschäftsführer Frechen an den plötzlichen Einbruch. Knapp ein halbes Jahr musste das Unternehmen, dass zurzeit zwölf Mitarbeiter beschäftigt, Kurzarbeit anmelden und das Personal um zwei Mitarbeiter reduzieren. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Reidt aber wieder mit einer deutlichen Umsatzsteigerung - auch weil „der Export stärker anzieht als die Inlandsnachfrage.”