Neue Gerüchte bei Streetscooter in Aachen und Düren

Was passiert am Standort Aachen? : Neue Gerüchte um Streetscooter

Personalabbau? Produktionsverlagerung? In der Belegschaft herrscht seit dem Wechsel an der Spitze offenbar Unruhe. Was ist nun wirklich los?

Nach einem Wechsel in der Geschäftsführung von Streetscooter und einer neuen Ausrichtung des Aachener E-Mobil-Herstellers sind offenbar Teile der Belegschaft verunsichert. Nachdem der Mutterkonzern, die Deutsche Post AG, Anfang September bekanntgegeben hatte, mit dem chinesischen Autohersteller Chery künftig elektrisch betriebene Zustellfahrzeuge für den chinesischen Markt bauen zu wollen, machten an den Produktionsstandorten Aachen und Düren Gerüchte die Runde. Angeblich werde die Produktion ganz nach China verlagert, was die Deutsche Post gegenüber unserer Zeitung noch Anfang September kategorisch ausgeschlossen hatte.

Hinweise aus dem Unternehmen

Doch bereits kurz nach Bekanntwerden der deutsch-chinesischen Kooperation hatte der Duisburger Wirtschafsprofessor Ferdinand Dudenhöffer erklärt, auf Dauer könne das geplante Streetscooter-Werk in China die beiden Fertigungsstätten in Aachen und Düren überflüssig machen.

„Wenn Streetscooter in China riesige Stückzahlen zu einem niedrigen Preis baut“, sagte Dudenhöffer im September, „wäre schon denkbar, dass die den hiesigen Markt auch von Fernost aus bedienen.“ Dudenhöffer gilt als exzellenter Kenner der Automobilbranche.

Vor einigen Tagen dann erreichte unsere Zeitung ein Hinweis aus der Streetscooter-Belegschaft, demzufolge die Geschäftsführung bereits dabei sei, Produktionsmaschinen nach China zu verschiffen. Zudem würden Abteilungsleiter entlassen, Personalgespräche geführt und Vorbereitungen getroffen, den Standort Aachen in absehbarer Zeit zu schließen und lediglich den Standort Düren in Deutschland zu erhalten. Das stünde zwar in Widerspruch zu dem, was die Deutsche Post versichert hatte, würde Dudenhöffers Annahme aber bestätigen.

Eine Vertreterin des Streetscooter-Betriebsrats ließ eine umgehende Anfrage unserer Zeitung unbeantwortet und verwies an die Pressestelle der Deutschen Post AG. Für Arbeitnehmervertretungen ist ein solches Verhalten zumindest ungewöhnlich.

Die Deutsche Post AG, die die Streetscooter GmbH im Jahr 2014 gekauft hatte, bekräftigte schließlich am Donnerstagabend, dass „unsere Produktionsstandorte in Aachen und Düren“ durch die Kooperation mit Chery nicht „gefährdet sind“.

Außerdem sei nicht beabsichtigt, „die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland zu verringern“. Es bleibe dabei, dass „Streetscooter in Aachen und Düren weiter für den deutschen und europäischen Markt produzieren“ wird, „unter anderem für die Deutsche Post“. Ob das für Ruhe in der Belegschaft sorgt?

Erst im April war der Mitgründer des Unternehmens, der Aachener Ingenieur Achim Kampker, bei Streetscooter ausgeschieden. Sein Nachfolger als Geschäftsführer wurde der Automanager Jörg Sommer, der die Internationalisierung des Unternehmens seitdem vorantreibt. Neben der Expansion nach China ist geplant, in nicht allzu ferner Zukunft ein Werk in den USA zu eröffnen.

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