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Frankfurt/Main: Neue Chancen für deutsche Firmen

Frankfurt/Main : Neue Chancen für deutsche Firmen

Nach der geplatzten Fusion der beiden größten niederländischen Versorger Essent und Nuon werden die Karten auf dem europäischen Energiemarkt neu gemischt.

Für die deutschen Konkurrenten RWE und E.ON ergeben sich nun neue Gelegenheiten. Beide Konzerne sind nach dem erst jüngst angekündigten Zusammenschluss der französischen Energiefirmen Gaz de France (GDF) und Suez noch heftiger unter Druck geraten, sich zu verstärken. Zuvor war der Düsseldorfer E.ON-Konzern mit seinem Übernahmeversuch des Rivalen Endesa auf dem spanischen Markt gescheitert.

„Die deutschen Unternehmen müssen nun auch weiter wachsen”, sagte der Energieexperte Florian Haslauer von der Düsseldorfer Unternehmensberatung A.T. Kearney vor kurzem. „Wir erwarten, dass vier bis fünf große Player in einigen Jahren den Strom- und Gasmarkt in Europa dominieren werden.”

Besonders für die unter Druck stehende RWE könnte sich nach der gescheiterten Fusion der beiden niederländischen Energieunternehmen nun ein Traum erfüllen. Der zweitgrößte deutsche Energiekonzern könnte nach Einschätzung von Experten seine Stromnetze mit dem Nachbarland einfach verknüpfen.

Allerdings scheinen Querelen um den Machtwechsel an der Unternehmensspitze den Konzern zu lähmen. Grund ist die lange Übergangszeit des scheidenden RWE-Chefs Harry Roels zu seinem designierten Nachfolger Jürgen Großmann. Sollte RWE nicht bald handeln, so könnte das Unternehmen nach Einschätzung von Beobachtern selbst zu einem Übernahmekandidat werden.

Auch andere Konkurrenten könnten den beiden deutschen Konzernen in die Quere kommen. „Der niederländischen Markt ist nicht nur für RWE und E.ON interessant, sondern zieht auch das Interesse anderer europäischer Player auf sich”, sagen Branchenexperten. So schielten ebenfalls die französische Electricite de France (EdF) und die belgische Suez-Tochter Electrabel auf die niederländischen Konkurrenten.

Für Nuon und Essent hatte alles vor mehr als einem Jahr so verheißungsvoll begonnen. Anfang des Jahres hatten sich beide Unternehmen bereits auf Grundzüge eines gemeinsamen Unternehmens geeinigt. Zusammen wollten sie - dann unter dem Namen EssentNuon - auf einen Börsenwert von 24 Milliarden Euro und damit unter die Top Ten der europäischen Energiebetriebe kommen.

Die Fusion sollte beide zudem gegen fremde Übernahmen absichern. Für den deutschen Energiemarkt wurde EssentNuon schon als eine neue Kraft sowohl im Großkunden- als auch im Privatkundengeschäft gehandelt.

Jetzt scheiterten die Gespräche. Als Begründung wurden Differenzen über Bewertungsfragen und das Tauschverhältnis genannt. Zwar hatten beide Unternehmen bereits im Februar vereinbart, dass Essent 55 Prozent an dem fusionierten Unternehmen halten sollte. Dies habe aber auf Widerstand bei den Nuon-Anteilseignern geführt.

Die Verhandlungen waren von Anfang an schwierig, da kommunale Aktionäre den Fusionsplänen sehr skeptisch gegenüberstanden. Zudem gab es Bedenken in der Öffentlichkeit hinsichtlich der starken Marktstellung des neuen Unternehmens. Es wurde mit hohen Auflagen durch die Kartellbehörden gerechnet.