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Nachbarn dürfen länger einkaufen

Nachbarn dürfen länger einkaufen

Euregio (an-o/azu) - Bis 20 Uhr können heute die Konsumenten in Deutschland einkaufen - vorausgesetzt die Geschäfte sind offen. Belgien und die Niederlande haben schon lange Erfahrungen mit dem langen Samstag.

In den Niederlanden können die Verbraucher an Samstagen zwischen 6 und 22 Uhr einkaufen, in Belgien zwischen 5 und 20, vor Feiertagen und an Freitagen bis 21 Uhr. Aber in beiden Ländern ist es, wie es in Deutschland auch sein wird: Nicht jeder Händler will oder kann so lange öffnen wie er dürfte.

"Das ist eine Kann-Bestimmung. Letztlich haben sich die Öffnungszeiten bei uns auf die Bedürfnisse der Konsumenten eingependelt", erklärt Mario Nefkes von der Industrie und Handelskammer "Kamer van Koophandel" in Maastricht, die für Südlimburg zuständig ist. Und Bedürfnisse sind überall anders.

Grenzmärkte in Vaals

Während in Maastricht die Geschäfte bis 18 Uhr offen sind, rennt der Verbraucher zu dieser Zeit in kleineren niederländischen Gemeinden bereits vor verschlossene Türen. Im kleinen Vaals hingegen ist dann noch alles offen, und obendrein verkaufen hier auch an jedem Sonntag im Jahr die Grenzmärkte ihre Waren. "Innerhalb der gesetzlichen Vorgabe regelt jede Gemeinde individuell, wie lange die Geschäfte offen sind. Sondergenehmigungen gibt es, wenn es ökonomisch sinnvoll ist", sagt Mario Nefkes.

Belgien hat das Ladenschlussgesetz zuletzt vor 20 Jahren geändert: "Ein Ruhetag pro Woche ist vorgeschrieben. Welcher, ist Sache des Händlers. Es ist beispielsweise auch möglich zwei halbe Tage zu schließen", sagt Irmgard Braun von der Mittelstandsvereinigung in Eupen. So kommt es, dass etwa die "Delhaize"-Kette ihre Zweigstellen sonntags bis 12 Uhr und Grenzmärkte oft am ganzen Wochenende bis 18 Uhr geöffnet sind.

Night-Shops in Lüttich

Zudem haben größere Städten wie Lüttich in jedem Viertel "Night-Shops", die nachts durchgehend von frischem Gemüse bis zur Zahnpasta alles anbieten - für mehr Geld. Denn Flexibilität hat ihren Preis. Und den zahlen nicht zuletzt die Arbeitnehmer. In Deutschland bekommen sie zu den "unattraktiven Arbeitszeiten" an Samstagen nach 14 Uhr derzeit noch 20 Prozent mehr Lohn. Darüber hinaus ist es Verhandlungssache, ob Angestellte die Arbeit am Wochenende auch ablehnen können.

Folgt Deutschland dem niederländischen oder belgischen Beispiel, könnten Sondertarife bald der Vergangenheit angehören: "Das entscheidet in den Niederlanden jedes Unternehmen für sich", so Mario Nefkes. "Eine Neuregelung der Zuschläge für die Wochenendarbeit steht an", sagt auch Manfred Piana, Geschäftsführer des Einzelhandelverbandes Aachen, Düren, Heinsberg.

Ebenso wie beim Nachbarn werden sich die Öffnungszeiten einspielen, glaubt Piana: "Vorerst will die Mehrheit der Aachener Händler samstags bis 18 Uhr offen lassen, in Heinsberg und Düren wollen sie um 16 Uhr schließen." Das sind dann immerhin zwei Stunden länger Einkaufsglück als bisher. Ob der Einzelhandel dann mehr Geld verdient und letztlich die Wirtschaft angekurbelt wird, bezweifeln nicht nur Gewerkschafter. Denn auch am Samstagabend kann der Euro nur einmal ausgegeben werden.