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Aachen: Modellprojekt für mehr Arbeit Boden entzogen

Aachen : Modellprojekt für mehr Arbeit Boden entzogen

Angesichts der desolaten Lage auf dem Arbeitsmarkt erhalten selbst kleine Erfolgsmeldungen große Aufmerksamkeit.

Dazu zählt auch die Schlussbilanz für ein Modellprojekt der Aachener Agentur für Arbeit (früher: Arbeitsamt), der Handwerkskammer Aachen (HWK) und der Industrie- und Handelskammer Aachen (IHK). Ziel war es, die hohe Jugendarbeitslosigkeit in der Region zu bekämpfen. Von den 627 angesprochenen Jugendlichen mit abgeschlossener Berufsausbildung, die bereits drei Monate arbeitslos waren, wurden 302 in eine neue Stelle vermittelt und acht machten sich selbstständig.

„Es hat sich ausgezahlt, das Netzwerk der Handwerkskammer und der Industrie- und Handelskammer in der Region zu nutzen”, stellte Gabriele Hilger, Leiterin der Agentur für Arbeit Aachen, am Montag fest. HWK und IHK hatten in dem von der Agentur für Arbeit finanzierten Projekt die Aufgabe übernommen, die arbeitslosen Jugendlichen im Alter von 19 bis 25 Jahren intensiv zu betreuen und durch Kontakte zu den Mitgliedsunternehmen zu vermitteln.

„Die passgenaue Vermittlung entspricht voll den Erwartungen unserer Betriebe”, lobte auch Ralf W. Barkey, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Die abgeschlossenen 166 Arbeitsverträge reichten durch alle Gewerke, wobei die Berufe Metallbauer, Gas- und Wasserinstallateur, Tischler, Maler und Lackierer den Schwerpunkt bildeten.

„Wir haben ein bisher verdecktes Potenzial an Beschäftigungsmöglichkeiten erschließen können”, bilanzierte Jürgen Drewes, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen hätten den Vermittlungsservice genutzt.

Die Aachener Kooperation zwischen Wirtschaftskammern und Arbeitsverwaltung hat in der Bundesrepublik Modellcharakter und kann sich mit der Vermittlungsquote durchaus sehen lassen. Um so enttäuschter zeigte sich Drewes, dass das Projekt nur auf ein Jahr befristet bleibt und mit den jetzigen Partnern nicht fortgesetzt wird.

Die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit hat eine bundesweite Ausschreibung beschlossen, wobei sich auswärtige Anbieter allein unter Kostengesichtspunkten durchsetzen konnten, die jetzt in der Region Aachen eine Vermittlung auf Erfolgsbasis aufziehen werden. Drewes bezweifelt, dass die neuen Träger ebenso erfolgreich operieren wie die Wirtschaftskammern, die über ein entsprechendes Netzwerk zu den regionalen Betrieben verfügten.

„Das Aachener Modell wäre ein konstruktiver Ansatz für den gesamten Arbeitsmarkt gewesen”, kritisierte Drewes und bemängelte zugleich den „falschverstandenen marktwirtschaftlichen Ansatz” der Nürnberger Behörde, der letztlich zu Lasten arbeitsloser Jugendlicher gehe. Gabriele Hilger versprach: „Wir werden die neuen Anbieter genau beobachten.

627 Jugendliche wurden in der Zeit vom 1. April 2003 bis zum 31. März 2004 von der Agentur für Arbeit (früher: Arbeitsamt), der Handwerkskammer Aachen und der Industrie- und Handelskammer Aachen betreut.

Davon konnten 302 Jugendliche in neue Stellen vermittelt werden. Außerdem wagten acht Jugendliche den Sprung in die Selbstständigkeit.

Im Handwerksbereich gelang eine Vermittlung von insgesamt 164 Jugendlichen quer durch alle Gewerke im gesamten Kammerbezirk Aachen und bis in die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens hinein.”