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Berlin: Milliarden-Umsatz mit Raubkopien

Berlin : Milliarden-Umsatz mit Raubkopien

Es ist ein Milliardengeschäft: Im tschechischen Grenzgebiet gibt es Schätzungen zufolge rund 100 Märkte mit je 3000 Besuchern pro Tag, wie der Geschäftsführer der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU), Ronald Schäfer, im ddp-Interview vorrechnet.

Diese gäben dort für Raubkopien an 250 Tagen im Jahr durchschnittlich geschätzte 15 Euro täglich aus. Das mache insgesamt pro Jahr mehr als eine Milliarde Euro. „Diese Kaufkraft wird dem legalen Markt in Deutschland entzogen”, sagt Schäfer.

Zwar treiben Schäfer zufolge mit rund 70 Prozent die meisten Raubkopierer ihr Unwesen im Internet. Nur 30 Prozent verdienten ihr Geld auf Flohmärkten. Doch von diesen 30 Prozent wiederum spielten sich bis zu 80 Prozent auf tschechischen Grenzmärkten ab.

Laut GVU werden die Märkte in den Ortschaften entlang der deutschen und österreichischen Grenze überwiegend von Vietnamesen betrieben. Busunternehmen bieten Tagesausflüge zu den Märkten an und werben mit günstigen Einkaufsmöglichkeiten. Das Angebot besteht zum großen Teil aus Raubkopien aktueller Kinofilme, TV-Serien und Entertainment-Software. Die CDs und DVDs werden für bis zu drei Euro pro Stück verkauft. Manche Händler verdienen bis zu 1000 Euro am Tag. 2006 wurden bei Razzien auf verschiedenen Grenzmärkten mehr als 200.000 gebrannte CDs und DVDs konfisziert.

Obwohl das Problem offensichtlich ist, ist es für die deutschen Ermittler kaum lösbar. Zwar stehen Verletzungen des Urheberrechtes auch in Tschechien unter Strafe. Auch auf politischer Ebene wird intensiv auf das Problem aufmerksam gemacht. Auf den Grenzmärkten wird nach Einschätzung der GVU trotzdem nicht so genau hingeschaut, schließlich bringen die deutschen Einkäufer Geld in die meist strukturschwachen Grenzorte. „Wir haben nicht den Eindruck, dass die Behörden vor Ort uns unterstützen”, sagt Schäfer.

Geschlossene Stände dürfen nach tschechischer Rechtslage zum Beispiel nicht geöffnet werden, um Produkte zu beschlagnahmen. Und die deutschen Ermittler haben keine hoheitlichen Rechte, um im Verdachtsfall einzuschreiten. „Man kann nur den Verfolgungsdruck auf die Anbieter möglichst hoch halten”, sagt Schäfer. Der Kauf von Raubkopien ist nicht strafbar, nur die Herstellung und der Verkauf. Nach dem Wegfall der Grenzkontrollen zu Tschechien ab dem 21. Dezember wartet die GVU nun auch auf die Folgen der Erweiterung des Schengenraumes.

„Wir rechnen fest damit, dass die Händler der Grenzmärkte dann auch in Deutschland auftauchen”, sagt Schäfer. Bisher würden auf deutschen Flohmärkten „nicht übermäßig viele” Raubkopien angeboten. Mit der weiteren Öffnung der Grenzen könnte sich das Problem jedoch nach Deutschland verlagern. Der Experte rechnet aber auch gleichzeitig damit, dass dann „ein besserer Zugriff” als in Tschechien möglich wird.