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Krefeld/Bonn: Milch-Boykott trifft NRW-Molkereien

Krefeld/Bonn : Milch-Boykott trifft NRW-Molkereien

Die elf Molkereien in Nordrhein-Westfalen haben wegen des Milchbauern-Boykotts am Dienstag rund 25 Prozent weniger Rohmilch geliefert bekommen. Das teilte ein Sprecher der Landesvereinigung für Milchwirtschaft am Mittwoch in Krefeld mit.

Zu Lieferengpässen werde es aber nicht kommen. Die Molkereien könnten die verfügbare Milch zu einem größeren Teil für Frischprodukte verwenden und dafür die Produktion anderer Erzeugnisse - wie etwa Käse - zurückfahren. „Die Lager sind voll”, sagte der Sprecher. Einen längeren Boykott befürchtet er nicht. Es gebe bei den Landwirten keine Streikkasse. Die NRW-Molkereien verarbeiten pro Jahr rund 2,7 Milliarden Liter Milch.

Rückhalt haben die protestierenden Landwirte unterdessen von Tierschützern erhalten. Milch dürfe kein Billigprodukt bleiben, teilte der Deutsche Tierschutzbund am Mittwoch in Bonn mit. Eine auf Hochleistung gezüchtete Kuh gebe bis zu 50 Liter Milch am Tag. Um solche Mengen produzieren zu können, müssten die Bauern ihre Tiere mit speziellem Futter ernähren.

Mehr als 35 Prozent aller Kühe stünden deshalb angebunden im Stall. Der Tierschutzbund plädiert für die Haltung robusterer Rassen, die zwar etwas weniger Milch gäben, dafür aber auf der Weide leben könnten. Im Gegenzug müssten die Verbraucher höhere Milchpreise in Kauf nehmen.