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Aachen: Microsoft-Entwickler „denken” in Aachen

Aachen : Microsoft-Entwickler „denken” in Aachen

Nur ein „Farbklecks” in der großzügigen Eingangshalle erinnert an den Welt-Konzern, der seit Mai 2003 die oberste Etage des Bürogebäudes im Aachener Nordwesten gemietet hat.

Microsofts Spielekonsole „Xbox” steht etwas verloren in der Ecke. Der Software-Gigant setzt in seinem ersten Forschungszentrum auf deutschem Boden nicht auf Protz, sondern auf Funktionalität.

Platz, viel Platz ist noch in der Aachener Ritterstraße, Platz für Expansion. Nur ein Bruchteil der Büros ist besetzt. Zum offiziellen Start am Montag zählt das Team des „European Microsoft Innovation Center” (EMIC) aus Deutschen, Niederländern, Belgiern, Franzosen, Russen und Esten bereits zwölf Mitarbeiter. Bis Mitte des Jahres soll die Mannschaft von Top-Forschern und Software-Entwicklern auf 20 wachsen. Ende offen.

Forschungsschwerpunkte sind Projekte aus den Technologiebereichen Sicherheit, mobile Anwendungen und Web-Services.

„In kleinen Teams erforschen wir Projekt orientiert nicht nur neue Technologien, sondern entwickeln auch Software daraus, die in zukünftige Produkte einfließen kann”, umreißt EMIC-Direktor Pierre-Yves Saintoyant den Ansatz der Aachener „Denkfabrik”.

Vor seinem Amtsantritt in Aachen koordinierte der Franzose vom englischen Cambridge aus die Zusammenarbeit des Gates-Konzerns mit den europäischen Universitäten.

Seit Mai 2003 baut er das Aachener Forscherteam auf, das eng mit der RWTH Aachen und anderen Forschungslaboren der Region zusammen arbeitet.

Nachwuchs gesucht

Bei der Suche nach dem Forscher-Nachwuchs ist er auch in der Region fündig geworden. Zwei Mitarbeiter kommen aus Aachen. Wobei das Rekrutieren des Forscher-Nachwuchses kein Kinderspiel ist.

„Auch wenn der Markt für Spezialisten im Augenblick gut ist, sind diejenigen, die zu uns passen, nicht leicht zu finden. Wir suchen hervorragende Wissenschaftler, die gleichzeitig aber auch ein Interesse an der praktischen Umsetzung der Basistechnologie in Produkte haben”, erklärt der EMIC-Chef.

Einer von ihnen ist der Düsseldorfer Christian Geuer-Pollmann (32). Zusammen mit seinem belgischen Team-Kollegen Joris Claessens (30) aus Leuwen arbeitet der promovierte „Software Security Design Engineer” am von der EU geförderten Projekt „TrustCoM”.

In Kooperation mit Konzernen wie SAP, British Telecom, British Aerospace und mehreren Hochschulen entwickeln die beiden Microsoft-Forscher eine Software-Lösung, die es einer Gruppe von Unternehmen erlaubt, ohne großen Aufwand eine „virtuelle Organisation” über das Internet aufzubauen.

„Wenn beispielsweise ein Formel-1-Rennstall unter Zeitdruck ein wichtiges Ersatzteil benötigt, für das es aber keinen direkten Hersteller gibt, dann könnten mehrere Spezialfirmen dieses Projekt über eine solche ,virtuelle Organisation schnell und flexibel abwickeln”, erklärt Christian Geuer-Pollmann.

Dazu müssen unter Berücksichtigung der Sicherheitsaspekte die Computerstrukturen der Teilnehmer schnell miteinander verknüpft werden.

Eine derartige virtuelle Zusammenarbeit ist zwar auch heute schon möglich, aber der Aufbau eines solchen Projekts ist aufwändig und teuer.

Der konkrete Ansatz zur praktischen Umsetzung der Grundlagen-Forschung macht für den Software-Ingenieur den besonderen Reiz der Arbeit im EMIC aus.

Normalerweise habe man nur die Wahl entweder als Grundlagenforscher „Papier zu erzeugen” oder aber bestehende Technologien in einem Unternehmen umzusetzen, sagt Geuer-Pollmann. „Im EMIC haben wir die Chance, den gesamten Bereich von der Forschung bis in die Umsetzung zum Produkt mitzugestalten.”