1. Wirtschaft

Jülich: MeteoViva: Große Auszeichnung, noch größere Ziele

Jülich : MeteoViva: Große Auszeichnung, noch größere Ziele

Die große Feier blieb aus. Stefan Hardt und Markus Werner, beide geschäftsführende Gesellschafter der MeteoViva GmbH, hatten am Donnerstagabend im Krönungssaal des Aachener Rathauses nicht viel Zeit, mit allen Kollegen auf den Gewinn des AC2-Innovationspreises anzustoßen.

„Wir holen das nach“, sagt Hardt. „Das sind wir unseren Mitarbeitern schuldig.“ Hardt sitzt am Morgen nach der Verleihung im Konferenzraum des Jülicher Unternehmens. Vor ihm auf dem Tisch ist die Siegertrophäe auffällig aufgestellt — warum auch verstecken? „Das macht uns sehr stolz“, sagt der Geschäftsführer, nimmt die Skulptur in die Hand, mustert sie mit zufriedenem Blick und ergänzt: „Wir sind stolz, dass wir für unsere Innovation geehrt werden.“

Innovation: ein großes Wort — vor allem in der Theorie. Doch wer Innovation in der Praxis erleben möchte, der sollte sich mal auf der ersten Etage des Technologiezentrums in Jülich umsehen. 2001 fiel dort der Startschuss für die MeteoViva GmbH, die sich seitdem der intelligenten und vorausschauenden Energietechnik gewidmet hat. Das Ziel des 20 Mitarbeiter großen Unternehmens: die Energieeffizienz in Gebäuden erhöhen und die Emissionen und Betriebskosten dauerhaft senken.

Die pfiffige Idee aus Jülich ist schnell erklärt: Mithilfe eines mathematischen Modells bietet das patentierte MeteoViva-Climate-System eine Wettervorhersage-Steuerung für Heiz-, Kühl- und Lüftungsanlagen in Gebäuden an. „Das Problem aller Gebäude ist, dass sie dem Wetter hinterher laufen“, sagt Hardt. „Ist es plötzlich kalt, drehen wir die Heizung hoch. Scheint die Sonne, aktivieren wir die Klimaanlage. Uns interessiert aber nicht, wie das Wetter gerade ist. Uns interessiert, wie das Wetter sich in den kommenden Stunden entwickelt. Und darauf kann unser System frühzeitig reagieren.“

Alle Einflussfaktoren eines Gebäudes werden dank selbstlernender Algorithmen erfasst und berücksichtigt. Die Anlagentechnik wird dadurch energieeffizient betrieben. „Wir garantieren — je nach Gebäude — eine Einsparung von 15 bis 40 Prozent“, sagt Hardt.

Gelebte Leidenschaft

Für die beiden Geschäftsführer ist Energieeffizienz nicht bloß ein Themenfeld, für sie ist es Leidenschaft. Und die wird gelebt. Ihre Faszination dafür habe schon immer existiert, sagt Hardt. Während ihres Studiums an der RWTH lernten sie sich kennen: Werner studierte Maschinenbau, Hardt Informatik. „Unser gemeinsames Know-how haben wir dann schließlich dazu genutzt, ein innovatives Produkt zu entwickeln. Und innovativ ist es, weil wir einen völlig neuen Denkansatz gewählt haben“, sagt Hardt.

2011 wurden sie bereits mit dem AC2-Wachstumspreis ausgezeichnet. Und man könnte nun behaupten, dieses Produkt, von dem Hardt spricht, sei ein Erfolg. Hardt hingegen geht das nicht weit genug, er formuliert es gerne so: „Unsere bisherigen Ergebnisse und Erfolge geben uns das Selbstbewusstsein zu sagen, dass wir mit unserem System den Markt der klimafreundlichen Energieeffizienz weltweit kreieren wollen.“

Nicht im Wohnungsmarkt

In Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz haben die beiden Geschäftsführer ihre Gebäudetechnik in rund 55 Großgebäuden schon auf dem Markt etablieren können, darunter Gebäude namhafter Firmen wie Mercedes oder Bosch. Seit drei Monaten ist die Firma auch in den USA aktiv, genauer gesagt sorgt das Jülicher Unternehmen für ein intelligentes Raumklima in der American University of Washington. „Wir werden weiter wachsen, davon sind wir überzeugt“, sagt der Geschäftsführer selbstbewusst.

Einzige Einschränkung: In privaten Haushalten sucht man nach dem Jülicher Gebäudesystem bislang vergeblich. „Uns fehlt der Kanal, der uns Zugriff auf den Wohnungsmarkt verschafft“, sagt Hardt. „Unser Produkt funktioniert nicht einfach mit einer Gebrauchsanweisung.“ Ausschließen will er diesen Markt nicht. Vielleicht folgt auch dafür schon bald die nächste innovative Idee.