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Aachen: „Mehr im Job leisten und länger arbeiten”

Aachen : „Mehr im Job leisten und länger arbeiten”

Damit sich der Standort „D” im internationalen Wettbewerb behaupten kann, müssen die Deutschen mehr im Job leisten und länger arbeiten.

Das forderte Prof. Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, am Dienstag beim „Aachener Standortgespräch” der Industrie- und Handelskammer (IHK).

Arbeit, vor allem jene, die gering qualifiziert sei, sei „zu teuer”, damit seien die Unternehmer international nicht mehr wettbewerbsfähig. Erforderlich sei somit eine Lohnspreizung, also eine Lohnsenkung in den unteren Einkommensklassen.

Heimschläfer bis 30

Sonst „wandern bei uns die Jobs ab”, betonte der Ökonom unter Hinweis auf die EU-Osterweiterung. Auch eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit mache Sinn, da dann „mehr Arbeit durch neue Produkte, die man schneller am Markt hat”, geschaffen werde.

2000 Stunden im Jahr seien zumutbar. Für einen 25-Jährigen reichten drei Wochen Urlaub. Zudem müsse das gesetzliche Rentenalter heraufgesetzt werden. Wenn in zehn Jahren Arbeitnehmer unter 70 aufs Altenteil gingen, sei das „nicht sinnvoll”.

Um möglichst viele Jugendliche zu qualifizieren, sollten die Ausbildungsvergütungen „dramatisch” abgesenkt werden. Die Ausbildung müsse schon für Schüler internationaler werden, forderte Walter mit Blick auf die „Heimschläfer bis 30 im Hotel Mama”.

Regionen mit Profil

Dass Bildung und Ausbildung sowie Forschung ein gewichtiger Standortfaktor seien, verdeutlichte Prof. Christoph M. Schmidt, Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Essen.

Regionen, die sich hier profilierten, seien „erfolgreicher”. Zugleich verwies er darauf, dass die internationale Arbeitsteilung, die durch die EU-Osterweiterung nun erneut beschleunigt werde, „große ökonomische Chancen” biete.

Allerdings: „Mittelfristig gibt es nicht nur Gewinner.” Aber die Verbraucher erhielten „erschwinglichere Güter” aufgrund des schärferen Wettbewerb. Dass Unternehmen Produktion ins Ausland verlagerten, sei „kein Vaterlandsverrat”.

Ein solcher Vorwurf sei „ökonomisch Unsinn”, fügte Walter hinzu. Dies unterstrichen auch der Pharma-Industrielle Michael Wirtz (Grünenthal, Stolberg), der Software-Entwickler Peter Schimtzek (CSB-System, Geilenkirchen) und Wolfgang „Tim” Hammer (Spedition Hammer, Aachen). „Ich muss raus”, sagte Wirtz, es sei seine „unternehmerische Aufgabe”, durch internationales Engagement den Heimatsitz zu stabilisieren.

„Wer nicht jetzt schon dort tätig ist, kommt zu spät”, betonte Schimitzek mit Blick auf Osteuropa und den Fernen Osten. Und Hammer sagte, nur weil er die Lkw-Flotte 1997 aus Kostengründen nach Luxemburg ausgelagert habe, könne er „durch neue Kundschaft etwas für Aachen tun”.