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Aachen: Massiver Einschnitt beim Modehaus Wehmeyer

Aachen : Massiver Einschnitt beim Modehaus Wehmeyer

Das Amtsgericht Aachen hat zum 1. Oktober das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Wehmeyer GmbH & Co KG eröffnet. Für viele Beschäftigte der Aachener Modehaus-Kette mit Filialen in ganz Deutschland begann das Insolvenzverfahren mit einer bösen Überraschung.

Denn nur 500 der bundesweit 950 Beschäftigten werden weiterhin in dem Traditionshaus arbeiten. Die Maßnahme ist Teil des Sanierungs- und Restrukturierungskonzeptes des Insolvenzverwalters Dr. Frank Kebekus. Der Düsseldorfer Rechtsanwalt wurde zum Insolvenzverwalter bestellt, nachdem er seit Anfang Juni bereits als vorläufiger Insolvenzverwalter tätig war.

In der vergangenen Woche wurde allen Wehmeyer-Mitarbeitern empfohlen, einen Vertrag mit einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (BQG) zu unterschreiben. Laut Holger Voskuhl, Sprecher des Insolvenzverwalters, wäre diese ohne Unterschrift „fast aller Mitarbeiter” erst gar nicht zustande gekommen. In der BQG wird den Wehmeyer-Beschäftigten über vier Monate 80 Prozent ihres Wehmeyer-Gehalts garantiert.

Das ist mehr, als die Arbeitsagenturen bei Jobverlust zahlen würden, deswegen hatte die Gewerkschaft auch die Unterschrift empfohlen. Wer nicht unterschrieben hat, wurde zum 30. September freigestellt. Rund 500 Mitarbeiter aus der BQG wurden nun wieder an Wehmeyer entliehen, führen dort die Geschäfte fort - zu ihrem alten Wehmeyer-Gehalt. „Der Betrieb lässt sich so in den Filialen fortführen”, sagt Sprecher Voskuhl.

Für die anderen 450 Mitarbeiter beginnt wiederum die Suche nach einer neuen Stelle, denn für die ist klar, dass sie nicht wieder für Wehmeyer arbeiten werden. „Leider Gottes geht es nicht anders”, sagt Voskuhl. In der BQG erfahren diese Mitarbeiter „Qualifizierungsmaßnahmen für neue berufliche Herausforderungen”, heißt es in einem Schreiben des Insolvenzverwalters. „Sie werden optimal vorbereitet”, sagt Voskuhl.

Etliche Mitarbeiter und Teile des Betriebsrat sind von dem massiven Einschnitt dennoch überrascht worden. „Wir hätten nicht gedacht, dass es so schnell geht”, sagt Günther Schulz, ehemaliger Betriebsrat der Aachener Filiale unserer Zeitung.

Am Aachener Stammsitz bleiben erst einmal 97 von 145 Beschäftigten, in der Aachener Filiale 37 von 55, in Düren 29 von 46, in Hückelhoven 9 von 13, in Jülich 10 von 15 und in Alsdorf wie bisher neun Beschäftigte. Insgesamt werden 23 von 39 Filialen weiterhin geöffnet bleiben.

Gespräche mit Investoren über die Übernahme von Wehmeyer mit diesen 23 Filialen oder „Insellösungen” für bereits geschlossene Filialen laufen. Laut Insolvenzverwalter werden Ergebnisse aber erst für den Spätherbst erwartet. Wehmeyer hatte am 3. Juli wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung Antrag auf Insolvenzverfahren gestellt.