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Aachen: Marktführer mit dem Netzwerk per Steckdose

Aachen : Marktführer mit dem Netzwerk per Steckdose

Es ärgert ihn nicht, sagt Heiko Harbers, dass er immer noch erklären müsse, was seine Devolo AG so macht. Er fängt also an, nennt die Schlagworte: Heimvernetzung über die Stromleitung, Powerline für die private oder geschäftliche Anwendung, einfacher Datenaustausch quasi über die Steckdose, dLan-Adapter... Stopp, an dieser Stelle haken viele Gesprächspartner ein: „Ach, Sie sind das!”

Ja, solche Sachen macht das Aachener Unternehmen Devolo. Und Heiko Harbers ist der Vorstandsvorsitzende, der Inhaber, der Chef von rund 180 Mitarbeitern, von denen ein Großteil in Forschung und Entwicklung arbeiten. „Das war von Anfang an unsere Stärke, das behalten wir auch bei”, sagt Harbers.

Dass er mit seinen Produkten den Nerv der Kundschaft getroffen hat, freut ihn, klar. „Marktführer durch Zuverlässigkeit und Innovation” - dieser Slogan ist keine heiße Luft, sondern das Credo der Arbeit. Zahlreiche Testsiege und Auszeichnungen durch die Fachpresse sowie knapp 17 Millionen verkaufte dLan-Adapter werden gerne als erste Referenz angeführt.

„Mit einem solchen Powerline-Adapter lässt sich jede gewöhnliche Steckdose im Handumdrehen zum Netzwerkanschluss umfunktionieren”, erklärt Harbers Grundzüge der überaus nützlichen Technik, die nicht nur all jenen hilft, die in den eigenen vier Wänden ein volles WLan-Signal haben wollen. Statt des Megapowerrouters im Keller, der schon an der ersten Betondecke Signal einbüßt, schafft die Devolo-Technik viele kleine Hotspots im Haus (siehe unten).

Die Geschichte der Devolo AG ist schön zu erzählen: Die Zahlen künden vom Erfolg des Unternehmens, die Marktführerschaft, die positiven Bewertungen, also zehn erfolgreiche Jahre, in denen es immer nur bergauf ging. Dass am Anfang eine Pleite stand, mag man nicht recht glauben.

Der Start, dieser beherzte Aufstieg des Phoenix aus der Asche, macht die Firmengeschichte spannend. Die Insolvenz der Aachener Elsa AG im Jahre 2002 war der Startschuss der Devolo AG. Mit 25 Kollegen aus der Datenkommunikationssparte ging es als Management-Buy-out los. „Ich wollte das schon immer”, sagt Heiko Harbers, „ich wollte selbst eine Firma leiten.”

Und deshalb marschierte er vorneweg, sicherte sich beim Insolvenzverwalter alle Produktrechte - „ein Analogmodem gehörte übrigens auch dazu”, schmunzelt der Devolo-Chef. Ja, so fing es an.

Um ehrlich zu sein, fiel der Startschuss früher. Hat diese Karriere nicht schon als TH-Elektrotechnik-Student im Jahr 1983 begonnen, mit einem Praktikum bei Elsa, mit diesem Spaß an der Arbeit, mit mit der Begeisterung für das Neue? Harbers: „Die Technik im Unternehmen war den Vorlesungen immer ein gutes Stück voraus. Bei Elsa programmierten wir schon Rechner, da hockte ich an der Uni noch in Vorlesungen über Transistoren und Röhren.”

Studium an den Nagel gehängt

Wundern sollte es niemanden, dass der selbstbewusste junge Mann das Studium an den Nagel hängte und fortan alle Zeit der praktischen Arbeit widmete. Bereut hat er das nie, und wenn er heute davon erzählt, ist auch das geschmissene Studium eine spannende Facette in der Devolo-Story.

Geldgeber gab es übrigens damals, 2002, zunächst nicht. Es gab nicht allzu viel Vertrauen in das kleine Pflänzchen, das aus der verbrannten Erde, die die Elsa-Pleite hinterlassen hatte, spross. „Wir haben dann im Kreis der 25 Kollegen überlegt, dass jeder 20 000 Euro Startkapital einbringt”, erzählt Harbers und erklärt auch die Gründung der Firma als Aktiengesellschaft: „Die AG war schlicht und ergreifend die einfachste Form.”

„Feuer und Flamme”

Dass nach einer Woche nur noch fünf Mitgründer zwischen 5000 und 10 000 Euro zu zahlen bereit waren, machte den Start nicht leichter. Schließlich stieg die S-UBG, die Unternehmensbeteiligungsgesellschaft der Sparkasse, ein, weil „sie dann doch nach etlichen Gesprächen für unsere Ideen Feuer und Flamme war” und übernahm 30 Prozent der Anteile.

Mit dieser Unterstützung, einem Sparkassen-Kredit und den Kollegengeldern ging es los - und ab. Inzwischen hat Harbers der S-UBG die Anteile abgekauft, ihm gehören - ganz klassischer Selbstständiger - 96,5 Prozent der Devolo-Anteile, der Rest seinen Mitarbeitern. „Es ging mir immer darum, unabhängig zu sein.” Und: „Das Wachstum der Firma wollte ich immer selbst finanzieren.”

Was Harbers erzählt, klingt strategisch durchdacht, in der Branche hat man Respekt vor seiner Zielstrebigkeit. Die Zentrale - die Denkeinheit, das Herz seiner Firma - ist und bleibt auf der Aachener Hüls, Niederlassungen und Handelsvertretungen gibt es in Asien, Österreich, Frankreich, in der Schweiz und Großbritannien. „Eine eigene Fertigung haben wir nicht, das können andere besser”, sagt der Chef.

In China lässt Devolo 80 Prozent seiner Produkte fertigen, 20 Prozent kommen aus einer vollautomatischen Fabrikation in Leipzig. Beim Aachener Logistik-Partner und Nachbarn Hammer wird die Ware verpackt und an die Flächenhändler und Fachmärkte geschickt. Dass an Spitzentagen von Hammer aus rund 12000 Devolo-Produkte auf den Markt gebracht werden, spricht für sich.

Wie auch die Umsatzzahlen: 2003 waren es unter 20 Millionen Euro, im vergangenen Jahr wurden 122 Millionen Euro bilanziert. Nach wie vor gilt: Den Hauptumsatz macht das Vorzeigeunternehmen aus der Technologieregion Aachen auf dem deutschen und französischen Markt, es folgen die Schweiz, Österreich, die Benelux-Staaten und Großbritannien.

Es ist nicht immer leicht, ein komplexes Technikthema den Kunden näher zu bringen - das weiß die Branche, das weiß man bei Devolo. Dem Konsumenten den Nutzen der modernen Technik klar zu machen, ist eine Herausforderung. Ein Riesenthema: der Neubau von Häusern. „Viele Architekten und Elektriker kennen unsere Technik noch nicht”, sagt Harbers, deshalb gilt die Aufgabenstellung: ran an diese Entscheider!

Der 51-jährige Unternehmer ist mit der PR-Strategie, die im eigenen Haus entwickelt wird, hochzufrieden. Attraktive Produkte, deren eingängige Erklärung vor allem über digitale Wege funktioniert, und Judiths Lächeln gelten als Erfolgsrezept. Wer Judith ist? Auch das wird am 19. November im IHK-AZ-Forum sicher ein Thema sein.

AZ-Leser beim Forum herzlich willkommen

Die Industrie- und Handelskammer >(IHK) und die Aachener Zeitung laden die AZ-Leser am Montag, 19. November, zur neuen Auflage des Forums „Unternehmen in der Technologieregion Aachen” ein. Es beginnt um 18.30 Uhr im IHK-Foyer, Theaterstraße 6-10 in Aachen.

Das Aachener Unternehmen Devolo wird vom Vorstandsvorsitzenden Heiko Harbers vorgestellt. Er stellt sich nach seiner Präsentation im Gespräch den Fragen des stellvertretenden AZ-Chefredakteurs Bernd Büttgens.

Das IHK-AZ-Forum erfreut sich stets großer Beliebtheit. Deshalb bitten wir um Anmeldung (Montag bis Freitag 10 bis 17 Uhr) unter 0241/5101-346.