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Aachen: „M5BAT“ an der Hüttenstraße: Hier beginnt die Energiewende

Aachen : „M5BAT“ an der Hüttenstraße: Hier beginnt die Energiewende

Wer zum ersten Mal das Gelände an der Aachener Hüttenstraße 5 betritt, der steht vor einem — zugegeben — doch recht unscheinbaren Großgebäude, das einst als Bürofläche diente. Alles andere als unscheinbar ist allerdings das, was sich hinter den Wänden des Gebäudes verbirgt.

Und das beginnt schon mit dem Namen: Modularer multi-Megawatt multi-Technologie Mittelspannungsbatteriespeicher, kurz „M5BAT“. Man könnte diesen Batteriegroßspeicher — um so einen handelt es sich schließlich — mit einigen Superlativen umschreiben: der größte, der leistungsstärkste oder vielleicht der wichtigste? Wahrscheinlich von allem etwas. Fest steht: Es ist weltweit ein einmaliger Großspeicher, jedenfalls in dieser Größenordnung.

Verspricht sich von der Anlage wertvolle Erkenntnisse für die Energieforschung: Projektleiter Prof. Uwe Sauer.
Verspricht sich von der Anlage wertvolle Erkenntnisse für die Energieforschung: Projektleiter Prof. Uwe Sauer.

11,2 Millionen Euro Kosten

Und so war er am Donnerstag also gekommen, der Tag, auf den das E.ON Energy Research Center der RWTH gemeinsam mit dem RWTH-Institut für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft (IAEW), dem Energieversorger Uniper SE, dem Batteriehersteller Exide Technologies GmbH und dem Wechselrichter-Hersteller SMA Solar Technology AG in den vergangenen Monaten mit Vorfreude gewartet hatten: der Tag der Inbetriebnahme.

In gerade einmal einem Jahr Bauzeit wurde das Großprojekt realisiert, das rund 11,2 Millionen Euro gekostet hat und mit 6,7 Millionen Euro vom Bundesministerium für Wirtschaft und Forschung finanziert wurde. Die Leistungsstärke der innovativen Technologie kann sich sehen lassen: Auf einer Fläche von insgesamt 900 Quadratmetern erzeugen 25.000 Batteriezellen eine Leistung von stolzen fünf Megawatt, also fünf Millionen Watt. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Küchenherd bringt es in der Regel auf 4000 Watt.

Die Zahlen sind beeindruckend. Doch wozu diese imposante Leistung? Prof. Uwe Sauer vom Institute for Power Generation an Storage Systems der RWTH (PGS) und gesamtverantwortlicher Projektleiter des „M5BAT“-Betriebs hat da eine ziemlich plausible Antwort: „Mit diesem Projekt werden wir hier in Aachen einen entscheidenden Beitrag zur Energiewende leisten“, sagte Sauer am Donnerstag bei der feierlichen Eröffnung. In jedem Fall — so ist es vorgesehen — soll der „M5BAT“ der Forschung dienen, genauer gesagt: der Forschung der erneuerbaren Energien.

Intelligente Netze und Techniken zur Speicherung großer Energiemengen spielen bei der angestrebten Energiewende eine entscheidende Rolle. Und der Clou des „M5BAT“ liegt in seinem modularen Aufbau. Fünf verschiede Batterientypen, von Lithium-Ionen-Batterien über Hochtemperaturbatterien bis hin zu Bleibatterien, kommen in dem Großspeicher zur Anwendung. Die Wissenschaftler wollen mit der Anlage herausfinden, welcher Speichertyp für das Stromnetz am wirtschaftlichsten ist und wann welche Kombination der Systeme sinnvoll erscheint.

Keine Energie soll verpuffen

Ein zentrales Problem bei der Energiewende ist die schwankende Verfügbarkeit erneuerbarer Energien. Prof. Rik De Doncker, Direktor des Clusters Sustainable Energy der RWTH und ebenfalls Projektleiter des Großspeichers, umschrieb den großen Nutzen der Anlage am Donnerstag mit folgenden Worten: „Wenn die Sonne — so wie in den vergangenen Tagen — viel scheint, freut das die Photovoltaik-Anlagen. Aber es entsteht ein Überbedarf“, sagte er. Genau an diesem Punkt komme der „M5BAT“ zum Einsatz, da er in Millisekunden reagieren könne, um die großen Energiespeicher aufzunehmen. Man könnte es auch so formulieren: Der Batteriegroßspeicher sorgt dafür, dass Sonnen- und Windenergie nicht verpuffen.

Hinter dem gesamten Vorgang steckt natürlich die Idee, die Anlage künftig ins Stromnetz einzubinden. Gut also, dass die Anlage in unmittelbarer Nähe zu einem Umspannwerk steht. Der Energieversorger Uniper verantwortet die Vermarktungsstrategie der Anlage. Und sobald das geschehen ist, kann sie starten, die Energiewende aus Aachen.