Aachen: Laserexperten aus der ganzen Welt kommen nach Aachen

Aachen: Laserexperten aus der ganzen Welt kommen nach Aachen

Mehr als 600 Lasertechnik-Experten aus der ganzen Welt kommen nach Aachen. Anwender, Hersteller und Entwickler werden beim Laserkongress „AKL — International Laser Technology 2016“ Erfahrungen austauschen, Perspektiven aufzeigen und die Eröffnung des Innovation Center Digital Photonic Production des Clusters Photonik auf dem Campus der RWTH erleben, einer spektakulären Forschungseinrichtung (13 Millionen Euro werden investiert) nach Plänen des weltweit bekannten Architekturbüros Kohn Pedersen Fox Associates aus New York.

Das Aachener Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT lädt vom 27. bis zum 29. April ein, unter anderem wird Klaus Löffler, Geschäftsführer der Trumpf Lasertechnik GmbH in Ditzingen, den Stand und die Perspektiven des europäischen Lasermarkts skizzieren. Löffler ist gleichermaßen Vertreter der AG Laser des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA. Im Interview erläutert der 51-Jährige die anstehenden Aufgaben.

Blickt auf die rsante Entwicklung der Lasertechnik: Experte Klaus Löffler. Foto: Trumpf GmbH

Wo steht der europäische Lasermarkt im Vergleich zum US-amerikanischen und dem asiatischen?

Löffler: Amerika, das Land, in dem der Laser erfunden wurde, kommt im Moment auf 22 Prozent der Umsätze. Europa liegt bei 38 Prozent und wurde in diesem Jahr von Asien mit 39 Prozent überholt. Der Markt wächst relativ konstant, seit 2010 um im Schnitt 14 Prozent — in US-Dollar gerechnet. Der gesamte Weltmarkt für Lasersysteme in der Materialbearbeitung wird auf 10,7 Milliarden Euro geschätzt. Die größte Dynamik findet natürlich in China statt, ein fast so wichtiger Markt wie ganz Europa. Dort verlassen jedes Jahr sieben Millionen Hochschulabsolventen die Universitäten. Da wird sich noch einiges tun.

Welche Vorteile hat Europa im Vergleich zu China oder auch den USA?

Löffler: Speziell Deutschland hat einen extrem großen Wettbewerbsvorteil: Die Wirtschafts- und Förderpolitik hat sich sehr gut ausgewirkt. Anfang 1990 bis zum Jahr 2000 sind viele Laser-Institute entstanden, darunter das Fraunhofer ILT in Aachen — eines der größten im Land. Im Prinzip gibt es nun alle 100 Kilometer ein Institut, das sich mit Lasertechnik beschäftigt.

Dadurch ist die Lasertechnik in Deutschland eine Standardtechnologie geworden, so dass sich um die Institute entsprechend Industrie angesiedelt hat. Einige der größten Laserhersteller sind in Deutschland zu Hause — Trumpf, Rofin oder Laserline, um drei große zu nennen. Mit den Hochschulen und dem Maschinenbau haben wir in der Materialbearbeitung per Lasertechnik eine marktbeherrschende Stellung in der Welt.

Was können andere besser? Wo sind die Grenzen in Deutschland?

Löffler: Wir entwickeln hierzulande zwar viele Verfahren und stellen Fertigungsanlagen her. Die Fertigung erfolgt am Ende dann aber nicht notwendiger Weise in Deutschland, sondern in Osteuropa oder Asien. Ein gutes Beispiel ist die Photovoltaik: Wir haben eine marktbeherrschende Stellung in der Entwicklung der Hocheffizienzsolarmodule, aber die Fertigung läuft komplett in Asien.

Batterietechnik ist ein weiteres Beispiel: Wir machen die Forschung, verkaufen auch Geräte für die Fertigung, aber die ganzen Fertigungsanlagen stehen in Asien. Gleichzeitig können wir beobachten, dass zunehmend dort die Produktionstechnik weiterentwickelt wird, wo sie dann auch genutzt wird — also beispielsweise direkt in Asien.

Ein grundsätzliches Problem des Hochlohnlandes Deutschland mit seinen Energiekosten und so weiter?

Löffler: In diesem Fall ist es eher das Problem, dass die Rohstoffe in Asien vorrätig sind. Die fehlen uns in Europa.

Welche Branchen haben in Bezug auf Lasertechnik das größte Potenzial?

Löffler: Im Moment haben wir die Themen Kennzeichnen und Beschriften sowie Schneiden und Fügen von Blechen— dies sind anerkannte Standardprozesse in der Industrie. Auch in der Elektronik gibt es viele etablierte Anwendungen. Noch relativ am Anfang befinden wir uns mit dem industriellen Einsatz des Themas 3D-Drucken von Metallteilen mit Hilfe des Lasers. Da stehen wir hoffentlich vor einer breiten industriellen Einführung in praktisch allen Industriebereichen. Das Fraunhofer ILT trägt hier viel zur Industrialisierung bei.

Sie sagen hoffentlich. Woran kann es scheitern?

Löffler: Wir sind am Ende generell immer dann mit der Lasertechnik erfolgreich, wenn der Prozess wirtschaftlich ist und er weitere Vorteile in der Herstellung bringt — oder wenn wir einen Prozess erfolgreich anbieten können, den kein anderes Produktionsmittel umsetzen kann. Letztendlich zählt wie immer der Euro pro Bauteil.

Brauchen Sie viel Überzeugungskraft — insbesondere bei Mittelständlern?

Löffler: Das Wort Laser macht immer noch jeden Mittelständler neugierig. Laser fasziniert jeden, das lässt sich ziemlich schnell darstellen. Wir haben mit dem Laserstrahl ein universelles Werkzeug, mit dem alle sechs bekannten Fertigungsverfahren umgesetzt werden können: Urformen, Trennen, Fügen, Stoffeigenschaften verändern, Beschichten und Umformen.

Wenn wir dann noch faszinierende Anwendungen zeigen, wie wir beispielsweise mit einer Laserpinzette kleine Moleküle bewegen können, dann hat man jeden Gesprächspartner auf seiner Seite. Dann geht es nur noch um die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens, also die Frage: Wie kann der Mittelständler damit Geld verdienen?

Wie wird sich die Lasertechnik weiter entwickeln?

Löffler: Im Moment arbeiten wir sehr stark an weiteren Verbesserungen der Effizienz der Laseranwendungen in allen Teilaspekten: Der Laserstrahlquellen, der Strahlführung und Strahlformung, der intelligenten Prozessesteuerung und Industrie 4.0. Weitere Optimierungen sind auch für den Anwendungsbereich 3D-Drucken und die additive Fertigung notwendig. In Zukunft werden Ultrakurzpulslaser noch wichtiger werden.

Das sind Laser, die in sehr kurzen Zeiträumen sehr kurze Pulse mit extrem hohen Spitzenleistungen im Megawattbereich erzeugen. Mit diesen Lasern kann man sehr universell und werkstoffunabhängig Material abtragen und strukturieren. Man muss sich vorstellen: Mit Ultrakurzpulslasern kann man Saphierglas und andere sehr harte Gläser schneiden, die dann beispielsweise bei Smartphones verwendet werden. In Zukunft gehen wir davon aus, dass wir langfristig Verfahren wie Fräsen und Drehen durch den Laserstrahl ersetzen können. Aber das ist noch ein Stück weg…

Sprechen wir an der Stelle von einer Revolution, wenn dies möglich wird?

Löffler: Das wird eine Revolution, wenn wir soweit kommen.

Wann ist das realistisch?

Löffler: Da sprechen wir noch von mindestens zehn Jahren.

Welche Impulse erwarten Sie vom AKL?

Löffler: In Aachen sind wieder sehr viele Anwendungen zu sehen, die kurz vor der Industriereife stehen. Das ist eine gute Austauschplattform. Viel wird mit dem Thema Industrie 4.0 überschrieben sein und genau bei diesem Thema — digitale Fertigung — spielt der Laserstrahl eine große, tragende Rolle.

Das Thema wird auf dem Aachener Campus mit einem eigenen Cluster aufgegriffen. Ihr Unternehmen ist an diesem Cluster Photonik beteiligt. Wieso?

Löffler: Diese Einrichtung ist der absolut richtige Schritt. Bislang wurden Forschungsaktivitäten mit der Gießkanne über Deutschland verstreut, hier in Aachen findet etwas Einmaliges statt, indem ein großes Forschungszentrum aufgebaut wird, das sich spezifisch mit der photonischen Produktion beschäftigt. Da lässt sich eine Industrie-4.0-Produktionsstätte aufbauen, die demonstrieren kann, welches Potenzial in der Lasertechnik steckt.

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