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Energieversorgung: Lambertz-Chef schlägt Alarm

Energieversorgung : Lambertz-Chef schlägt Alarm

Der Aachener Unternehmer Hermann Bühlbecker sieht angesichts von Inflation und unsicherer Energieversorgung den gesamten deutschen Mittelstand bedroht. Andere Unternehmer aus unserer Region sehen das ähnlich.

Der Alleininhaber der Aachener Lambertz-Gruppe, Hermann Bühlbecker, hat einen alarmierenden Appell an die Bundesregierung gerichtet. „Ich rate dringend, dass die Bundesregierung eine Politik macht, die den Unternehmen hinreichend Gas und Strom zur Verfügung stellt. Das muss die Wirtschaft fordern, wenn sie Beschäftigung und Steuereinnahmen für den Staat sicherstellen soll. Viel Zeit bleibt uns dazu nicht mehr“, erklärte Bühlbecker am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung. Während der kommenden Monate bestehe „das übergroße Risiko, dass die mittelständische Wirtschaft in Deutschland einen massiven Schaden erleidet“, sagte Bühlbecker weiter.

Die Lambertz-Gruppe beschäftigt 4000 Mitarbeiter, produziert hauptsächlich in Aachen und erwirtschaftete vergangenes Jahr 656 Millionen Euro Umsatz. „Wenn uns der Gashahn abgedreht wird, stehen unsere Bänder sofort still. Die Konsequenzen wären katastrophal“, sagte Bühlbecker weiter. Eine konstante Versorgung mit bezahlbarem Strom sei für sein Unternehmen, für das gesamte produzierende Gewerbe eine überlebensnotwendige Voraussetzung.

Doch angesichts der derzeitigen Entwicklungen „kann die Sicherheit und Sicherung unserer vielen Arbeitsplätze, die über Jahrzehnte gewährleistet waren, ins Wanken geraten“, sagte Bühlbecker. Er müsse sich wie viele andere Unternehmer fragen, „ob sich ein Weiterbetrieb in der derzeitigen Extremlage und auf dem bisherigen Produktionsniveau überhaupt noch rechnet“. Denn anders als multinationale Konzerne könnten deutsche Mittelständler „ihre Produktion nicht einfach in andere Länder verlagern, in denen die Energieversorgung gesichert ist“.

Existenzgefährdende Blackouts

Bühlbecker ist nicht der einzige Unternehmer aus der Region Aachen, Düren, Heinsberg, der angesichts der unsicheren Energieversorgung und der Inflation weitreichende Konsequenzen für das produzierende Gewerbe befürchtet. Elmar Westhoff, Mitglied der Geschäftsführung des Eifeler Anlagenbauers Otto Junker, erklärte gegenüber unserer Zeitung: „Ich habe nicht das Gefühl, dass sich die Politik für das produzierende Gewerbe interessiert.“ Heute seien die Stellen der 261 Mitarbeiter am Standort Simmerath-Lammersdorf sicher; „was aber in zwei Monaten ist, können wir in dieser Lage einfach nicht vorhersehen“, sagte Westhoff.

Otto Junker betreibt in Lammersdorf unter anderem eine Edelmetallgießerei, die enormen Strombedarf hat. Das Unternehmen verbraucht mit sieben Gigawatt pro Jahr mehr Strom als der Rest von Lammersdorf zusammen.

Auch der Leuchtmittelhersteller Oledworks, der auf dem alten Philips-Gelände im Aachener Osten organische Leuchtdioden produziert, die beispielsweise im neuen Audi A8 verbaut werden, ist auf konstante Energiezufuhr angewiesen. Käme es zu Blackouts, die nicht einmal mehr Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ausschließt, stünde bei Oledworks die Produktion umgehend still. „Für uns wäre das existenzgefährdend“, sagte Geschäftsführer Wolfgang Görgen im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Unternehmen beschäftigt in Aachen 113 Mitarbeiter.

Hermann Bühlbecker, der gewiss nicht zu den Lautsprechern des deutschen Mittelstandes gehört, spricht von einer „sich ständig weiter auftürmenden Gesamtkrise, wie wir sie noch nie erleben mussten“. Einkaufspreise für Rohstoffe, Verpackungen, Logistik und Personal würden dramatisch steigen. „Die Situation stellt zurzeit sicherlich für viele Wirtschaftsbranchen eine enorme Belastung dar. Sein Unternehmen befinde sich bereits „im Krisenmodus. Eine Entspannung und Marktberuhigung sind leider überhaupt nicht zu erwarten“, sagte Bühlbecker. Die Versorgung mit Lebensmitteln, die bisher wesentlich durch mittelständische Betriebe gesichert ist, dürfe „nicht teilweise oder gar ganz kollabieren“.