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Aachen: „Kyrill” kostet AMB viel Geld

Aachen : „Kyrill” kostet AMB viel Geld

Der Orkan „Kyrill” wird das Ergebnis des Versicherungskonzerns AMB Generali AG, Aachen, mit 30 bis 40 Millionen Euro vor Steuern belasten, die Schadensumme beläuft sich auf 60 Millionen Euro.

Dies sagte Vorstandschef Walter Thießen am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Aachen. Nachdem 2006 - vor einem steuerlichen Sondereffekt von gut 100 Millionen Euro - 346 Millionen verdient worden waren, peilt Thießen 2007 ein Konzernergebnis von 380 Millionen. Nach den Orkanschäden heiße es: „Wir müssen aufholen.”

Aufstieg zur Nr. 1

Bis 2008 will die AMB den Gewinn auf 450 Millionen Euro hochschrauben. Dazu haben der Konzern und seine Töchter (u.a. AachenerMünchener, Volksfürsorge, Generali) Reorganisationsprogramme einschließlich Personalabbau aufgelegt, die bis 2008 voll kostenwirksam sein werden.

Das Jahr 2006 sei erfolgreich abgeschlossen worden, sagte Thießen: „Versprochen, gehalten, übertroffen” laute sein Fazit. Der Konzern habe den Anspruch, die Nr. 1 in Ertrags- und Vertriebskraft im deutschen Erstversicherungsgeschäft zu werden. Nachholbedarf gebe es noch bei der Profitabilität.

Die Schadenkostenquote (Combined Ratio ), die 2006 um 1,2 Punkte auf 95,7 Prozent gedrückt worden war, soll um weitere 3 Prozentpunkte gesenkt werden, deutete Thießen an. „Zufrieden sind wir noch lange nicht.” Die Branchen-Kennziffer Combined Ratio gibt das Verhältnis zwischen Prämieneinnahmen und Aufwendungen für Schäden, Verwaltung, Abschlußkosten usw. an.

In der Affäre um Schrott-Immobilien bei der Tochter Badenia Bausparkasse, Karlsruhe, sind laut Vorstand „alle erkennbaren Risiken abgedeckt” - mit Rückstellungen von 155 Millionen und einer AMB-Ausfallbürgschaft von 251 Millionen Euro.

Ein Kleinaktionär und „empörter Badenia-Kunde” hatte moniert, der Konzern sei in „betrügerische Immobilienverkäufe verstrickt”, dadurch seien „7000 kleine Leute ruiniert” worden. Thießen räumte es, dass es „persönliche Schicksalsschläge” gebe und eine „Image schädigende” Situation eingetreten sei. Doch er betonte, dass von 212 rechtskräftigen Urteilen 209 zu Gunsten der Badenia ergangen seien. Bei Vergleichen - bisher gebe es 937 Angebote - werde es daher „individuelle Lösungen” geben.

Zweifel an der Auslagerung des Vertriebs des Lebens- und Sachversicherers AachenMünchener, Aachen, in die AMB-Halbtochter Deutsche Vermögensberatung AG (DVAG), Frankfurt, wies Thießen zurück. Die DVAG sei seit 30 Jahren ein verlässlicher Kooperationspartner und erfolgreicher als die eigene Stammorganisation.

Der Vorstandschef („Ich mag Aachen”) verteidigte den Umzug des strategischen Konzernmanagements von Aachen nach Köln im 2. Halbjahr 2008. Die Autobahn A4 stelle - auch in der Kommunikation mit dem Mehrheitsaktionär Generali, Triest - einen „dramatischen Nachteil” dar. Köln sei nicht nur aufgrund der Flughafenanbindnung vorteilhafter, sondern als Standort geeigneter, „Top-Leute zu finden”. Betriebswirte und Juristen bevorzugten Großstädte, die alternative Arbeitgeber beherbergten.