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Aachen: KWS Saat AG: Programmierte Pflanzen angesichts des Klimawandels nützlich

Aachen : KWS Saat AG: Programmierte Pflanzen angesichts des Klimawandels nützlich

67 Prozent der Deutschen befürworten die Gentechnik, wenn sie der Gewinnung von Bio-Energie dient. Dies sagte Andreas J. Büchting, Vorstandssprecher der KWS Saat AG, Einbeck, bei den „Aachener Wirtschaftsgesprächen” des Fördervereins der Wirtschaftswissenschaften der RWTH Aachen unter Berufung auf eine bislang unveröffentlichte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach.

53 Prozent sprechen sich darin für die „Rote Gentechnik” aus, die bei Arzneimitteln zum Einsatz kommt. „Alles in allem für die Gentechnologie” sind jedoch nur 23, dagegen 42 Prozent und unentschieden 35 Prozent.

Büchtings Position ist: „Nicht alles, was die Gentechnik möglich macht, sollte man tun.” Ihre Grenzen sieht er in der Programmierung von Pflanzen, die Gifte produzieren und im Freien angebaut werden. Ihre Chancen lägen darin, angesichts des Klimawandels Agrarerträge unter veränderten Bedingungen zu stabilisieren.

2006 wurden auf weltweit 102 Millionen Hektar (ha) genveränderte Pflanzen angebaut - ein neuer Spitzenwert. In Deutschland sind es lediglich 1000 ha. In den USA besteht bereits knapp 90 Prozent des Soja-Anbaus aus transgenen Pflanzen.

Der US-Saatgut-Riese Monsanto, St. Louis, propagiert auch in den Deutschland den Anbau von gentechnisch verbessertem Bt-Mais, der resistent gegen den Maiszünsler ist. „Die Pflanzenbiotechnologie ist die Zukunft der Landwirtschaft. Wir können die Ausweitung des wichtigsten Maisschädlings nicht weiter ignorieren”, hatte die Monsanto-Deutschland-Chefin Ursula Lüttner-Quazane jüngst betont.

KWS erzielt etwa 14 Prozent des Gruppenumsatzes mit gentechnisch veränderten Pflanzen.

Das Unternehmen züchtet Saatgut für Zuckerrüben, Mais, Öl- und Feldsaaten sowie Getreide und Kartoffeln. Eine Maissorte, die sich besonders zur Biogas-Produktion eigne, sei jedoch konventionell gezüchtet worden, erklärte Büchting. KWS steht mit 505 Millionen Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2005/06 (30.06.) und gut 2650 Mitarbeitern weltweit auf Platz vier der Saatgutanbieter.

Das Einbecker Unternehmen investiert 15 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Nach der EU-Zuckermarktreform setzt KWS auf innovative Sortenprodukte für die Biodiesel- und Biogas-Gewinnung und auf eine weitere Internationalisierung.

In Kooperation mit ausgesuchten Landwirten werden Anbauflächen mit genveränderten Pflanzen in Deutschland betrieben.

Büchting glaubt nicht, dass die Gentechnik in den nächsten zehn Jahren größere Anteile im deutschen Gemüseanbau erreichen wird. „Dazu sind die Flächen zu klein und die Kosten zu hoch,” sagte er in der IHK Aachen.