Kurz vor dem Verkauf von Real macht Metro noch einmal Verlust

34 Millionen Euro Verlust : Real reißt Metro in die Miesen

Kurz vor dem Verkauf der Warenhauskette reißt Real seinen Mutterkonzern Metro noch einmal finanziell runter. Der Konzern muss noch mal 237 Millionen Euro auf seine Warenhauskette abschreiben, weil das erste Quartal schlecht lief. Aber der Deal sollte nun reibungslos laufen.

Kurz vor ihrem Verkauf hat die Supermarktkette Real ihrer Muttergesellschaft Metro noch mal einen dicken Verlust eingebrockt. Vor allem wegen einer Wertberichtigung von 237 Millionen Euro auf Real macht die Metro im ersten Quartal des Geschäftsjahres (Oktober bis Dezember 2019) ein Minus von 34 Millionen Euro. Und das Real-Geschäft ist zwischen Oktober und Dezember noch mal schlechter gelaufen. Auch das ist ein Grund dafür, dass der Metro aus dem fast sicheren Verkauf an das Konsortium aus SCP und X+Bricks netto nur 300 Millionen statt der zuvor erwarteten 500 Millionen Euro zufließen.

Deal läuft jetzt reibungslos

Umso erleichterter wird Metro-Chef Olaf Koch sein, dass der Deal jetzt wenigstens reibungslos über die Bühne zu gehen scheint. Bei der Hauptversammlung am Freitag soll die Zustimmung der Metro-Gremien verkündet werden, deutete der Manager am Donnerstag in einer Telefonkonferenz an. Er bedankte sich ausdrücklich bei allen Real-Beschäftigten und sprach von Frequenz- und Umsatzsteigerungen im Markthallen-Konzept. Durch einen neuen Tarifvertrag seien auch leichte Kostenverbesserungen erzielt worden. Doch das sei nicht ausreichend für die ökonomische Tragfähigkeit des Real-Geschäfts gewesen, so Koch.

Nun dürfen sich andere an dem Vorhaben versuchen – das Käufer-Konsortium, das 50 Märkte für mindestens zwei Jahre weiter betreiben will, und die Branchenkonkurrenten, an die nach den aktuellen Planungen bis zu 200 Märkte weitergereicht werden sollen. Zwar wertet der Metro-Chef die Tatsache, dass nach gegenwärtigem Stand „nur“ 30 statt der zuvor erwarteten 40 bis 50 Märkte schließen, als Erfolg. Welche Märkte das im Einzelnen sind, ist noch offen. Für Tausende Beschäftigte heißt das, dass sie relativ schnell ihren Job verlieren. Von denen, die Filialen oder Filialpakete übernehmen, will die Metro eine Art Übernahmegarantie für Real-Beschäftigte. Für wie lange das gelten könnte, bleibt offen.

Gleichzeitig ist die Metro auch ohne Real noch längst nicht auf Rosen gebettet. Das Geschäft wächst nur mäßig, das Ergebnis vor Steuern ist wegen Abschreibungen und steuerlicher Effekte um 70 Millionen auf 121 Millionen Euro gesunken. Der Umsatz legte zwar um 2,2 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro zu, aber flächenbereinigt bleibt nur noch ein Plus von einem Prozent übrig. Im Deutschland-Geschäft sinken die Erlöse sogar leicht, Westeuropa meldet ein dünnes Wachstum und litt zuletzt unter den Generalstreiks in Frankreich. In Russland, das lange wegen Konsumschwäche und Rubelkrise der Schwachpunkt des Geschäfts war, sinken die flächenbereinigten Umsätze immer noch um 5,3 Prozent.

Somit bleiben als nennenswerte Wachstumsregionen für den Konzern derzeit nur noch Osteuropa (ohne Russland) und Asien übrig, doch das ist zu wenig für ein deutliches Wachstum. Dass die Aktie am Donnerstag 1,8 Prozent an Wert eingebüßt hat, gilt als Indiz dafür, dass die Börsianer immer noch nicht restlos überzeugt sind.

Ermittlungen eingestellt

Wenigstens eine positive Nachricht gab es im Zusammenhang mit dem Börsenkurs aber dann doch: Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat die Ermittlungen gegen Olaf Koch, den Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Steinemann und andere wegen des Verdachts auf Insiderhandel und Kursmanipulation eingestellt. Der Verdacht war im Zusammenhang mit der Aufspaltung der alten Metro vor mehr als zweieinhalb Jahren entstanden. Beim Vorwurf der Kursmanipulation ging es darum, dass die Metro möglicherweise ihre Ad-hoc-Meldepflicht verletzt haben könnte, indem sie die Absicht, den Konzern aufzuspalten, zu spät veröffentlicht haben sollte.

Das Unrecht sei „sehr gering“, erklärte die Staatsanwaltschaft. Die Verfahren gegen Koch und andere Manager seien gegen Geldauflagen eingestellt worden, die sich zwischen 5000 und 20.000 Euro bewegten. Das Verfahren gegen Steinemann sei ohne Auflagen eingestellt worden, erklärte die Behörde.