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Kreditgeschäft bleibt Sorgenkind

Kreditgeschäft bleibt Sorgenkind

Aachen.„Wir sind mit dem Geschäftsjahr zufrieden”, heißt es bei der Sparkasse Aachen. Ein selten positives Fazit in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

Es unterstreicht, dass das führende Geldinstitut der Region sich auch rechtzeitig auf die veränderten Anforderungen an die Kreditwirtschaft eingestellt hat.

Die Sparkasse Aachen hat mit 2415 Mitarbeitern so ihre starke Marktposition sichern können. Ein besonderer Problempunkt bleibt aber weiterhin das schwache Kreditgeschäft.

Vorstandsvorsitzender Dr. Jochen Bräutigam sprach bei der Erläuterung der Bilanz 2002 von Licht und Schatten, aber insgesamt von einem „qualitativen Wachstum”. Dies ließ die Bilanzsumme um 140 Millionen Euro oder plus 1,7 Prozent auf rund neun Milliarden Euro wachsen.

Die fehlenden konjunkturellen Impulse und der zunehmende Wettbewerbsdruck schlagen sich in geringeren Zuwachs- und auch einigen deutlichen Minusraten nieder.

Besondere Pluspunkte: Im Verbundgeschäft - im Bereich der Bauspar- und Lebensversicherung- sowie Immobilienvermittlungen - wurden durchweg zweistellige Steigerungsraten verbucht.

Und beim Betriebsergebnis, das um 15 Prozent auf 113 Millionen Euro gesteigert wurde, konnte die Sparkasse nach Angaben von Bräutigam ihre Spitzenstellung im rheinischen Sparkassenlager noch ausbauen.

Während der Gesamteinlagenbestand leicht über 6,6 Milliarden Euro lag und damit die Vorjahreshöhe knapp unterschritt, war das Wertpapiergeschäft mit 17 Prozent bei einem Umsatz von 569 Millionen Euro im Minus.

„Über Jahre hinweg” seien verstärkte Anstrengungen nötig, um das Vertrauen vor allem der durch das negative Börsengeschehen verunsicherten neuen Aktienkunden wieder aufzubauen, klagte Bräutigam, der aber immerhin darauf verweisen konnte, dass in diesem Bereich der Umsatzrückgang inzwischen abgemildert werden konnte.

Unternehmen investieren deutlich weniger

Vertrauen aufbauen durch intensivere Betreuung und Beratung lautet auch das Motto im Kreditgeschäft, das - wie allgemein - vor allem im gewerblichen Bereich angesichts der konjunkturellen Unsicherheiten eine Durststrecke durchläuft.

Aber immerhin stieg der Kreditbestand bei der Sparkasse Aachen 2002 noch um 83 Millionen oder 1,6 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro. Aber der Rückgang der Darlehenszusagen um 16,4 Prozent auf knapp 700 Millionen Euro drückt die wirtschaftliche Unsicherheit aus.

Die Unternehmen investieren nach wie vor deutlich weniger, registrierte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Hubert Herpers, der jedoch gleichzeitig beruhigend unterstrich, dass es „bei uns keine Verschärfung der Kreditbedingungen gibt”.

Herpers sprach sich für eine „Renaissance des bewährten Hausbankprinzips” aus. Vor allem bei der Beratung des Mittelstandes erhielten betriebswirtschaftliche Fragen jetzt mehr Gewicht, so Herpers.

Das Aachener Institut, das ab 1. Juli im Firmenkundengeschäft die Betreuung durch Sachbearbeiter, Analysten und Rating kundennäher gestaltet, ist nicht zuletzt stolz darauf, dass es bei der Vermittlung öffentlicher Fördermittel im rheinischen Verbandsgebiet ebenfalls an der Spitze liegt.