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Münster/Berlin: Konzerne kämpfen um kluge Köpfe: Geld allein reicht nicht aus

Münster/Berlin : Konzerne kämpfen um kluge Köpfe: Geld allein reicht nicht aus

Spätestens 2015 soll in Deutschland Vollbeschäftigung herrschen - sagt Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD). Klingt gut, dürfte nach Einschätzung vieler Experten allerdings eher der demografischen Entwicklung geschuldet sein als gekonnter Arbeitsmarktpolitik.

Vor allem im oberen Bildungssegment werden künftig Top-Leute fehlen. Die Personalstrategen der Großkonzerne haben das erkannt, der Kampf um die klügsten Köpfe der Republik ist längst entbrannt. Die Unternehmen nutzen ihr kreatives Potenzial nicht mehr nur im Umgang mit Kunden, sondern auch zum Gewinn künftigen Führungspersonals. Denn nur über den Geldbeutel ist der Kampf nicht zu gewinnen. „Es gibt immer einen, der mehr zahlt”, sind sich die Personalexperten einig.

„Mein Nachfolger muss jetzt schon im Unternehmen sein”, sagt Hartmut Ostrowski, Vorstandschef des größten europäischen Medienkonzerns Bertelsmann. „Und dessen Nachfolger müssen wir jetzt rekrutieren”, fügt der 50 Jahre alte Top-Manager hinzu. Gesagt getan: Rund eine Million Euro ließ sich das Gütersloher Unternehmen die neue Rekrutierungsinitiative bisher kosten, die kürzlich mit einer Einladung in die firmeneigene Repräsentanz nach Berlin startete. 100 aus 1000 Bewerbern feinsäuberlich ausgewählte Studenten aller Fachrichtungen kamen, um sich zwei Tage lang auf Herz und Nieren testen zu lassen. „Wenn wir von den Teilnehmern zehn einstellen, und sich einer oder eine langfristig als Führungskraft bis ins Top- Management durchsetzt, dann ist das eine gute Quote”, glaubt Ostrowski.

Fieberhaft und unter enormem Zeitdruck erstellten die jungen Top- Studenten Businesspläne, prüften Lösungsvorschläge für kränkelnde Konzernsparten und entwickelten Visionen für den Weg in die Medienzukunft. „Es waren großartige Ideen dabei”, sagt Immanuel Hermreck, Personalchef bei Bertelsmann. Vor allem ein Team, das sich mit der Zukunft der Bertelsmann-Buchverlagssparte Random House befasst hatte, hatte es den Juroren angetan. Sie dürfen nun ins Silicon Valley jetten und dort ihre Innovationen weiter vorantreiben.

Medienunternehmen sind in den vergangenen Jahren in Rankings, mit denen Meinungsforscher die Attraktivität von Unternehmen vor allem bei Uni-Absolventen messen, kontinuierlich abgesackt. „Rankings sind für uns zwar nicht allein ausschlaggebend, aber mit unserer neuen Initiative wollen wir die Marke Bertelsmann auf dem Arbeitsmarkt stärken und eindeutig positionieren”, sagt Hermreck. Während etwa Autokonzerne wie Porsche und BMW oder auch Unternehmensberatungen wie PricewaterhouseCoopers (PwC) auf vorderen Plätzen hinsichtlich ihrer Attraktivität als Arbeitgeber bei den Absolventen abschnitten, landete Bertelsmann unter „ferner liefen.”

Die Seriensieger bei Attraktivitätsrankings aus der Autobranche profitieren bei jungen Ingenieuren vom Image ihrer Produkte, bei Betriebswirten von ihrer positiven Unternehmensentwicklung. „Wir verfolgen seit Jahren mit Erfolg das Konzept, angehende Ingenieure und Betriebswirte bereits während des Studiums für Porsche zu begeistern”, sagt Martin Meyer, Leiter des Personalmarketing beim Autobauer in Stuttgart und verweist auf Programm für Praktikanten und Diplomanden. „Das wird natürlich wahrgenommen.”

Um auch auf lange Sicht die Pole Position zu halten, will Porsche den eingeschlagenen Weg bei der Personalsuche ebenso wenig verlassen wie der Münchener Wettbewerber BMW. Praktikanten und Doktoranden, die mit dem Unternehmen schon einmal während ihrer Ausbildung Kontakt hatten, hätten klare Vorteile gegenüber freien Bewerbern. „Wir kennen sie, sie kennen uns”, sagt Michael Rebstock aus der BMW-Zentrale in München.

Bertelsmann, in der weniger angesehenen Medienbranche zu Hause, spielt im Kampf um die Köpfe andere Trümpfe aus. Der Konzern wirbt mit schnellen Aufstiegsmöglichkeiten, viel Eigenverantwortung und weltweiten Einsatzorten.