Washington: Konkurrenz aus dem Ausland wittert Protektionismus

Washington: Konkurrenz aus dem Ausland wittert Protektionismus

Auf der Suche nach Rezepten gegen die dramatische Krise der US-Autobauer wandert manch neidvoller Blick über den Atlantik. Seit der Erfolg der Abwrackprämien in Deutschland und anderswo in Europa in Amerika Schlagzeilen macht, sind auch in der Heimat von General Motors (GM), Ford und Chrysler die Räder in Bewegung gekommen.

Schon liegen dem Kongress Gesetzentwürfe vor, Präsident Barack Obama und die Autobauer in Detroit sind entzückt. Aber nicht alle sind glücklich über das geplante Programm mit Namen „Cash for Clunkers” (zu Deutsch etwa: „Bares für Rostlauben”). Skepsis und sogar Protest regen sich unter ausländischen Herstellern wie auch Importeuren.

Die Vorschläge ähneln den europäischen Vorbildern: Besitzer von alten Autos sollen einen Gutschein über 3000 bis 5000 Dollar (zwischen 2273 und 3788 Euro) bekommen, wenn sie den Wagen verschrotten lassen und sich dafür ein spritsparendes Modell zulegen. Berechnungen der US-Autoindustrie zufolge könnten durch das Programm 500 000 bis 1,5 Millionen Wagen einen neuen Besitzer finden - was durchaus mehr als ein warmer Regen wäre.

Denn der US-Automarkt ist auf steiler Talfahrt. Voriges Jahr stürzte der Absatz von zuvor rund 16 auf 13,2 Millionen Autos ab. Für 2009 erwarten Experten nur noch weniger als zehn Millionen Wagen. Im März brach der Markt um 37 Prozent ein - traurige Spitzenreiter waren wieder einmal GM (minus 45 Prozent), Ford (minus 41 Prozent) und Chrysler (minus 39 Prozent).

Derweil lobte Obama eine Abwrackprämie als „ehrgeizigen Anreiz” und signalisierte, Geld aus dem 787 Milliarden Dollar (596 Milliarden Euro) schweren Konjunkturpaket für das Programm lockermachen zu wollen. Doch für welche Autos will Washington zahlen? Einer der Entwürfe aus der Feder der Abgeordneten Betty Sutton will nur Prämien für Autos „Made in USA” zulassen oder solche, die in Kanada und Mexiko zusammengebaut wurden.

Einer anderen Vorlage der ebenfalls demokratischen Abgeordneten Dianne Feinstein ist es hingegen egal, wo der Wagen hergestellt wurde - solange er nur wenig Benzin schluckt. Einem Bericht des US-Wirtschaftsmagazins „Businessweek” zufolge hat der erste Entwurf im Kongress voraussichtlich die besten Chancen.

„So, wie er jetzt dasteht, ist der Entwurf unfairer Protektionismus”, wetterte der Sprecher von Mazda Nordamerika, Jeremy Barnes, über den Sutton-Plan. Die deutschen Autobauer sehen einer möglichen US-Abwrackprämie mit gemischten Gefühlen entgegen. Sie fürchten Wettbewerbsverzerrung, sollten nur amerikanische Autos gefördert werden: „Ein solches Programm muss alle Hersteller gleich behandeln - unabhängig vom Konzernsitz”, forderte etwa der Sprecher von Volkswagen in den USA, Steve Keyes.

VW könnte von nationalen Einschränkungen des Programms am ehesten betroffen sein. Die Wolfsburger planen zwar ein Werk in Tennessee, produzieren derzeit aber nicht in den USA. Dagegen fertigen BMW (Spartanburg/South Carolina) und Mercedes (Tuscaloosa/Alabama) seit mehr als zehn Jahren im Südosten der USA. Doch diese Premium-Hersteller versprechen sich eher wenig von dem Programm. Sollten für die geförderten Neuwagen Preisobergrenzen gelten, dann wären ihre teureren Modelle fast alle ausgeschlossen.

„Wenn es Hilfen gibt, dann sollten sie ohne Wettbewerbsverzerrungen erfolgen”, gibt der Sprecher von BMW Nordamerika, Jan Ehlen, zu bedenken. „Die US-Regierung tut schon viel zur Unterstützung der Autoindustrie. Weitere Programme könnten den Neid anderer Branchen wecken.” Daimler wollte sich nicht konkret zu den Plänen äußern. „Es ist zu früh, weil es noch keine Beschlüsse gibt”, sagte ein Sprecher.

Dazu sollte es nach Ansicht von Experten aber möglichst bald kommen - sonst droht die Idee für die krisengeschüttelte Industrie zum Bumerang zu werden. Denn solange eine Abwrackprämie in den USA nur ein Plan ist, könnten potenzielle Käufer den Fuß auf der Bremse lassen „und warten, bis die Vorschläge Wirklichkeit werden oder scheitern”, erläutert der Chef-Verkaufsanalyst von Ford, George Pipas. Und das letzte, was die US-Autobauer brauchen können, sind abermals Verkaufszahlen wie im März.