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Leverkusen/Köln: Kistenpacken im Chemiepark: Lanxess kommt nach Köln

Leverkusen/Köln : Kistenpacken im Chemiepark: Lanxess kommt nach Köln

Hunderte Mitarbeiter des Spezialchemiekonzerns Lanxess sind derzeit mit Kistenpacken beschäftigt: Das DAX-Unternehmen verlegt bis zum 1. August seine Zentrale offiziell nach Köln. An diesem Montag beginnen die ersten Lanxess-Beschäftigten im frisch renovierten 100 Meter hohen „Lanxess Tower” - mit neuer Vorwahl, „Kennedyplatz 1” als repräsentativer Adresse und beleuchteten, 8,70 Meter langen „Lanxess”-Schriftzügen an der Wand.

Insgesamt 1000 Mitarbeiter sollen bis zur offiziellen Eröffnung am 3. September einziehen.

Widerstände in der Belegschaft - wie sonst bei Firmenumzügen oft üblich - habe es nicht gegeben, berichtet Pressesprecher Frank Grodzki. Für die wenigen Kilometer von Leverkusen nach Köln-Deutz müsse ja niemand Haus und Umfeld aufgeben. Und der Konzern bleibe am traditionsreichen Standort engagiert, wo Ex-Mutter Bayer gerade das 150-jährige Bestehen feiert: Lanxess produziert weiter in Leverkusen mit mehr als 3000 Beschäftigten. Nur die Hauptverwaltung wechselt nach Köln.

Für die Lanxess-Zentrale seien die Möglichkeiten in Leverkusen ausgereizt gewesen, was Platz und Parkplätze angeht, sagt Grodzki. Statt wie bisher auf mehrere Standorte verteilt, arbeite die Hauptverwaltung künftig in dem 22-geschossigen Hochhaus auf 38 500 Quadratmetern unter einem Dach. Der Umzug ist in drei Wellen geplant und soll minuziös und möglichst ohne Zeitverlust über die Bühne gehen: „Geplant ist, dass die Mitarbeiter freitags ihre Sachen packen und sie montags im Lanxess Tower wieder auspacken können”, sagt Projektleiter Norbert Mimberg.

Die neue Firmenzentrale direkt am Rhein fällt durch reichlich Glas an der Fassade auf. Zum Kühlen und Heizen nutzt die Haustechnik das Grundwasser, wofür es eine Extra-Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) in Gold gab. Der ICE-Anschluss der Stadt und die Nähe zu den Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn waren genauso Gründe für den Umzug wie die renommierte Kölner Universität und die ausgeprägte Forschungslandschaft.

Für die Stadt kommt der Chemiekonzern genau im richtigen Moment. Ende Februar hatte die Lufthansa angekündigt, ihren Hauptsitz in Köln mit rund 365 Arbeitsplätzen bis Ende 2017 zu schließen. Damit hätte die Domstadt keinen DAX-Konzern mehr beherbergt. Nun kommt würdiger Ersatz, und Lanxess zieht sinnigerweise auch in das ehemalige Hochhaus der Lufthansa. Das Unternehmen sei „sehr sehr freundlich empfangen worden”, berichtet Grodzki. „Erleichtert”, kann man wohl ergänzen. Der Umzug gilt auch als Erfolg des jetzigen NRW-Finanzministers Norbert Walter-Borjans (SPD), der als Kölner Wirtschaftsdezernent intensiv um Lanxess geworben hatte.

Dass das Gebäude auf der rechten Rheinseite steht - für Kölner die „schäl Sick” und damit eigentlich indiskutabel - kann Lanxess nicht stören. Das ist ein paar Rheinkilometer entfernt beim bisherigen Standort in Leverkusen ja nicht anders. Und der große Vorteil aller Bewohner auf der falschen Rheinseite: Niemand kann so gut wie sie über den Fluss auf den Dom schauen.

(dpa)