Nach Empörung über 33 prozentige Erhöhung: Kein Zuschlag auf Bezüge für Bahnmanager

Nach Empörung über 33 prozentige Erhöhung : Kein Zuschlag auf Bezüge für Bahnmanager

Die Erhöhung der Vorstandsbezüge um 33 Prozent hatte für Empörung gesorgt. Nun zieht der Aufsichtsrat die Notbremse. Bahnchef Lutz bleibt, muss aber sagen, wie es weitergehen soll.

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn wird auf seiner heutigen Sitzung die geplante Gehaltserhöhung für den Vorstand des Schienenkonzerns ablehnen.

Das erfuhr unsere Redaktion aus Kreisen des Bahn-Managements. Ursprünglich stand auf der Tagesordnung des Kontrollgremiums eine Anhebung der Vorstandsgehälter um 33 Prozent, was in der Summe insgesamt 1,5 Millionen Euro ausmacht.

Profitieren sollten von den höheren Bezügen Personalchef Martin Seiler (55), Technik-Vorständin Sabina Jeschke (51) und Finanzchef Alexander Doll (49). Sie alle sind seit 2017 im Konzern und sollten die Gehaltserhöhung mit ihrem Anschlussvertrag ab 2020 erhalten. Sie werden jetzt ihre bisherigen Bezüge beibehalten. Der geplante Anstieg der Managergehälter hatte in der Öffentlichkeit Empörung ausgelöst.

Neu in den Vorstand soll die bisherige Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe, Sigrid Nikutta (50), eintreten. Sie übernimmt von Finanzchef Doll das Cargo-Geschäft, in dem der Schienengüterverkehr der Bahn zusammengefasst ist.

Bei Doll soll hingegen die Lkw-Logistik der Konzerntochter Schenker verbleiben. Eigentlich wollte Bahnchef Richard Lutz seinem Vorstandskollegen sogar das Finanzressort entziehen, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Die neue Cargo-Chefin ist gleichfalls nicht die Wunschbesetzung des Vorstandsvorsitzenden.

Ungemach droht Lutz auch wegen der schlechten Geschäfte. Die Planzahlen für Gewinn und Umsatz werden nicht erreicht. Das in den ersten neun Monaten erreichte Betriebsergebnis (Ebit) liegt mit 669 Millionen 30 Prozent unter dem Vorjahreswert und elf Prozent unter Plan. Im Cargo-Geschäft musste die Bahn ein Minus von 231 Millionen Euro hinnehmen, der Umsatz fiel um 27 Prozent. Hier soll die neue Vorständin Nikutta die Wende einleiten.

Rüge für Beraterverträge

Auch die Berateraffäre hat die Bahnführung noch nicht überstanden. In den Jahren 2008 bis 2018 hatte der Konzern ehemaligen Managern Beraterverträge in Höhe von 13 Millionen Euro zugeschanzt.

Allein Ex-Vorstand Ulrich Homburg erhielt über eine Million Euro für drei Beraterverträge. Einen von ihnen hat der heutige Bahn-Manager Berthold Huber unterschrieben, ohne den Aufsichtsrat zu informieren. Huber soll nun in der Aufsichtsratssitzung eine Rüge erhalten und zugleich eine saftige Geldstrafe zahlen.

Weitere personelle Konsequenzen will der Aufsichtsrat dem Vernehmen nach nicht ziehen. Insbesondere Vorstandschef Lutz, der zuletzt stark unter Druck geriet, soll vorerst bleiben.

Der Bahnmanager muss allerdings bis zum 14. November Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ein Konzept vorlegen, wie er den Staatskonzern wieder zu einem effizienten Unternehmen der Daseinsvorsorge und des Klimaschutzes machen will.

Immerhin soll die Bahn in den kommenden Jahren 156 Milliarden Euro in ihre Infrastruktur und in neue Züge investieren. Allein aus dem neuen Klimapaket der Bundesregierung erhält der Bahn-Konzern rund 20 Milliarden Euro. Bislang konnte die Bahn aber kaum zur Verkehrswende beitragen, zumal sie wegen ihrer notorischen Unpünktlichkeit als nicht sehr zuverlässiges Verkehrsmittel gilt.