Aachen: Justizforum: Wie Flüchtlinge in die Arbeitswelt integriert werden

Aachen : Justizforum: Wie Flüchtlinge in die Arbeitswelt integriert werden

Wer arbeitet, findet leichter Anschluss an die Gesellschaft. Das gilt auch für Geflüchtete, weswegen sich Politik und zahllose Ehrenamtliche es sich zum Ziel gemacht haben, diese schnellstmöglich in Arbeit zu bringen. Wie das in der Praxis gelingen kann und was es dabei aus rechtlicher Sicht zu beachten gibt, diskutierten nun Referenten und Freiwillige beim 31. Justizforum im Aachener Justizzentrum.

Die Veranstaltungsreihe findet in regelmäßigen Abständen in dessen Foyer statt und wird von der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen und dem Aachener Zeitungsverlag mitorganisiert.

Die Notwendigkeit, geflüchtete Menschen in die Arbeitswelt und damit in die Gesellschaft zu integrieren, machte Landgerichtspräsident Stefan Weismann zu Beginn klar: „Wenn wir die Leute nur herumsitzen lassen und an den Rand drängen, werden einige von ihnen früher oder später Kunden meines Hauses werden.“ Dass es dabei noch Handlungsbedarf gibt, machte Axel Köhnke vom Integration Point der Arbeitsagentur für Aachen, Düren und Heinsberg deutlich. Demnach seien in dem Agenturgebiet Aachen-Düren derzeit 5898 Menschen im Fluchtkontext auf Arbeitssuche.

Kaum Konkurrenzsituationen

Dabei, so betonte die IHK-Flüchtlingskoordinatorin Kerstin Faßbender, komme es kaum zu Konkurrenzsituationen zwischen geflüchteten und einheimischen Arbeitssuchenden. Die hiesigen Jugendlichen konzentrierten sich ihr zufolge auf einige wenige beliebte Ausbildungsberufe im kaufmännischen oder Medienbereich. Gebraucht würden jedoch vor allem Leute im IT-Sektor, dem Transportwesen, der Pflege, der Industrie und der Gastronomie — diese Lücke könnten Flüchtlinge in Zukunft füllen.

Gleich zwei von ihnen stellte kürzlich der Aachener Unternehmer Rolf Deubner ein, und er korrigierte auch sogleich das Bild, dass es sich dabei einzig um eine wohltätige Geste handele. „Ich beschäftige keine Flüchtlinge, sondern wertvolle Mitarbeiter, von denen ich als Unternehmer letztlich profitiere“, sagte er. Dazu müsse ein Bewerber bei ihm nur drei Voraussetzungen mitbringen: ein wenig Deutschkenntnisse, Fleiß und technisches Interesse. Der Rest ergebe sich im Arbeitsalltag und durch die Unterstützung der Mitarbeiter, auch wenn es zugegeben anfangs manchmal Verständigungsschwierigkeiten gegeben habe.

Dass sich dennoch manch andere Unternehmer schwer tun, hat nach Meinung von Deubner zwei Gründe. Zum einen steige die Unsicherheit, je höher die erforderliche Qualifikation sei, weil der technische Ausbildungsstand schwer einzuschätzen sei. Zum anderen würden viele durch die sprachlichen Hindernisse abgeschreckt.

„Wenn beide Seiten aufeinander zugehen, kann man sich aber immer irgendwie verständigen“, berichtete Deubner aus eigener Erfahrung. Und wer auch immer mit dem Gedanken spiele, selbst Geflüchtete einzustellen, dürfe sich jederzeit bei ihm nach Ratschlägen erkundigen.

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