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Aachen: Je heißer, desto kälter: Industrie setzt auf „solare Kälte”

Aachen : Je heißer, desto kälter: Industrie setzt auf „solare Kälte”

Wenn die Sonne gnadenlos vom Himmel brennt, läuft alles bestens bei der Aachener Solitim GmbH und Ahmet Lokurlu. Dann produzieren die solaren Kälteanlagen aus Aachen massenhaft kühle Luft für Fabriken und Supermärkte - ohne den Umweg über die Stromproduktion.

Schwieriger wird es, wenn sich Wolken vor die Sonne schieben. Die Produktion des Kältespenders fällt sofort deutlich ab. Mit entsprechenden Puffern hat Ingenieur Lokurlu, Absolvent der RWTH Aachen und Gründer von Solitim, das Problem gelöst.

Das Time Magazine hat ihn dafür zum „globalen Umwelt-Helden” gekürt. Renommierte Kunden wie die TUI, die Metro-Gruppe und Pepsi setzen bereits in der Türkei auf die neue Technologie. Die Solarenergie beflügelt inzwischen auch die Fantasie der bodenständigen deutschen Maschinenbau-Industrie.

Der MAN-Konzern will binnen zehn Jahren Milliardenumsätze durch Solarenergie-Anlagen erzielen. Mit der Aachener Solitim GmbH hat sich die Essener Konzerntochter MAN Ferrostaal binnen weniger Monate am dritten Solartechnologie-Unternehmen beteiligt. Der Industriedienstleister will mit Solitim weltweit Solaranlagen zur direkten Produktion von Kälte einsetzen. In heißen Ländern, die bis zu 80 Prozent ihres Strombedarfs für Klimaanlagen einsetzen, seien die Marktchancen enorm.

Parabolspiegel erzeugen nach diesem Verfahren bis zu 250 Grad Hitze. Ein Computer richtet die Spiegel permanent optimal zur Sonne aus. Der Wasserdampf erzeugt über eine Absorber-Maschine Kälte - ohne Umwege über Elektrizität - und ohne das Treibhausgas Kohlendioxid. Supermärkte, Krankenhäuser und Fabriken können den heißen Wasserdampf zusätzlich etwa für die eigene Wäscherei nutzen. Im Winter liefern die Spiegel über einen normalen Wärmetauscher bei Bedarf auch Wärme.

Im Vergleich zum herkömmlichen Weg, mit Solaranlagen Strom und mit dem Strom wiederum Kälte zu erzeugen, ist der Wirkungsgrad doppelt so hoch, versichern die Unternehmen. Außerdem können die Anlagen Platz sparend auf Dächern installiert werden.

MAN-Ferrostaal-Vorstand Wolfgang Knothe schwärmt von „hervorragenden Wachstumsaussichten” - schon angesichts des erwarteten Anstiegs des weltweiten Energiebedarfs um 50 Prozent bis zum Jahr 2030. Allein in der Europäischen Union werden die Investitionen in erneuerbare Energien bis 2030 auf 600 Milliarden US- Dollar geschätzt. Der Markt für solare Kälte liegt vor allem in Südeuropa, dem Mittleren Osten, Australien, Afrika und dem amerikanischen Kontinent.

„Wir wollen die fossile Befeuerung ablösen durch die Befeuerung mit Sonne”, sagt Knothe, der wie Lokurlu in Aachen sein Ingenieur- Studium absolviert hat. „Und wir sind überzeugt, damit in weniger als zehn Jahren eine Milliarde Euro Umsatz zu erzielen.”