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Bergneustadt: ISE-Insolvenz: Angeblich fast 4000 Jobs in Gefahr

Bergneustadt : ISE-Insolvenz: Angeblich fast 4000 Jobs in Gefahr

Beim Automobilzulieferer ISE sind nach Angaben der IG Metall insgesamt fast 4000 Arbeitsplätze in Gefahr. Davon seien allein rund 3000 Jobs im Oberbergischen Land nahe Köln betroffen, teilte der IG-Metall-Chef der Region, Norbert Kemper, am Dienstag auf Anfrage mit. Derzeit liefen Gespräche zwischen Geschäftsführung, Insolvenzverwalter, IG Metall, Betriebsrat sowie mit Lieferanten und Kunden, so Kemper.

Der Zulieferer aus Bergneustadt sei der größte Arbeitgeber der Region. Die Automotive Group ISE Innomotive Systems Europe GmbH mit nach Gewerkschaftsangaben fast 2000 Mitarbeitern in Bergneustadt sowie die Automotive Group ISE Industries GmbH mit laut Kemper über 900 Beschäftigten in Witten und Duisburg hatten am Vortag beim Amtsgericht Bonn Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. „Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit”, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung des Unternehmens und des Insolvenzverwalters am Dienstag.

Darin war von 1780 bzw. 770 Mitarbeitern bei beiden Unternehmen die Rede. Zudem laufe seit Ende November 2006 das Insolvenzverfahren der ebenfalls zur ISE-Gruppe gehörenden ISE Intex GmbH mit knapp 1000 Mitarbeitern in Morsbach-Lichtenberg, so Kemper.

Die Geschäftsführung des Unternehmens zeigte sich dagegen zuversichtlich, dass
der Betrieb unvermindert weiter laufen wird. „Wir wollen in den kommenden Tagen
gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter das operative Geschäft rasch
stabilisieren”, sagte Geschäftsführer Gerd Rosendahl.

Insolvenzverwalter Christopher Seagon werde sich sofort um die Finanzierung des Insolvenzgeldes kümmern, um die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter zu sichern, hieß es weiter. Er prüfe nun, welche Chancen für eine Fortführung des Unternehmens bestehen und ob ein Insolvenzverfahren eröffnet werden könne.

„Es gilt nun, möglichst schnell einen fundierten Überblick über das Geschäft der Unternehmen zu bekommen”, sagte Seagon. Er sei bereits jetzt von möglichen
Übernahme-Interessenten kontaktiert worden, daher bestünden Chancen für einen dauerhaften Fortbestand des Unternehmens.

Auch die Politik ist involviert. „Wir müssen zunächst die Lage des Unternehmens
präzise analysieren, danach werden wir mit allen zur Verfügung stehenden Instrumenten zur Unterstützung bereit stehen”, sagte Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) in Düsseldorf. Sie hatte für Dienstag Landräte, Bürgermeister und Politiker aus den jeweiligen Regionen zu einem Gespräch geladen. Im Anschluss trafen sich Fachleute des Ministeriums mit dem Insolvenzverwalter. Weitere Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern und der Geschäftsführung sollen folgen.

„Wir machen uns mit den Beschäftigten gemeinsam Sorgen um ihre Arbeitsplätze”, sagte der Sprecher der IG Metall NRW, Wolfgang Nettelstroth. „Wir sehen aber auf Grund des guten Potenzials des Unternehmens berechtigte Hoffnung, dass es hier zu einer Fortführung kommt.” Derzeit würden die Voraussetzungen hierfür geprüft.

Zu den Kunden des Zulieferers, der unter anderem auf Überrollsysteme spezialisiert ist, gehören nach Firmenangaben namhafte Autohersteller. ISE Innomotive Systems Europe erwirtschafte einen Jahresumsatz von 331 Millionen Euro, ISE Industries einen Jahresumsatz von 117 Millionen Euro. Die ausländischen Gesellschaften der Unternehmen und die ISE Industries Hainichen GmbH bei Dresden seien von dem Insolvenzantrag nicht betroffen.