Aachen: In der Region setzt sich der Aufschwung fort

Aachen: In der Region setzt sich der Aufschwung fort

Allmählich könnte sich Michael F. Bayer an diesen Zustand gewöhnen. Regelmäßig lädt der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) zur turnusmäßigen Bekanntgabe der Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage. Und seit gut sieben Jahren hat Bayer ausschließlich positive Nachrichten im Gepäck. So ist es auch diesmal.

Insgesamt 277 Unternehmen mit mehr als 29.000 Beschäftigten hat die IHK zuletzt befragt. Das Ergebnis: Der Aufschwung in der Region setzt sich fort. „Schon im Frühjahr waren die Ergebnisse unserer Umfrage sehr positiv. Doch nun haben sich die Aussichten nochmals deutlich verbessert“, sagt Bayer.

Die Situation: Fast die Hälfte aller Unternehmen beurteilt die gegenwärtige Geschäftslage als positiv, von je 100 befragten Unternehmen sind es genau genommen 48. Im Frühjahr dieses Jahres waren es rund 40 Prozent. Lediglich ein Zehntel der Unternehmen ist derzeit unzufrieden. Auch das traditionell starke Exportgeschäft in der Region ist auf einem guten Niveau geblieben.

Wie schon im Frühjahr ist bei einem Drittel der Unternehmen der Exportumsatz gestiegen, bei rund einem Viertel ist er gesunken. „Das Votum der Briten zum Brexit hat bei den befragten Unternehmen bislang zu keinen spürbaren Veränderungen geführt“, sagt Bayer. „Allerdings muss man beachten, dass der endgültige Austritt Großbritanniens aus der EU noch nicht erfolgt ist. Hier gilt es abzuwarten.“

Einen kleinen Rückgang gibt es in der Region trotz der weiterhin günstigen Zinsen bei der Investitionsbereitschaft zu verzeichnen: War im Frühjahr noch ein Drittel der Unternehmen bereit, seine Ausgaben zu erhöhen, so nahm zuletzt nur noch ein Viertel mehr Geld in die Hand. „Dennoch ist das weiterhin ein sehr positives Ergebnis“, sagt Bayer.

Die Branchen: Der große Gewinner ist mit Sicherheit die Baubranche. Nicht umsonst spricht Bayer in diesem Zusammenhang von einem „Rekordwert“. Dank niedriger Zinsen und einer hohen Nachfrage im Wohnungsbau berichten zwei Drittel (im Frühjahr war es ein Drittel) aller Betriebe von guten Geschäften, kein einziges Unternehmen ist unzufrieden. Auch die Lage im Handel hat sich seit dem Frühjahr nochmals deutlich verbessert: Fast 50 Prozent der Unternehmen ist mit der Situation zufrieden, nur ein Prozent ist unzufrieden. Insbesondere der Einzelhandel verzeichnet eine deutlich verbesserte konjunkturelle Lage: Sechs von zehn Unternehmen beurteilen die Situation als gut, nur vier Prozent bewerten sie als schlecht.

Die Geschäftslage der Dienstleister hat sich zuletzt ebenfalls stark verbessert: Empfanden im Frühjahr noch 44 Prozent aller Dienstleister die Situation als gut, ist es nun wieder mehr als die Hälfte; nur jeder zehnte Betrieb berichtet von einer schlechten Geschäftslage. In der Industrie ist die Lage im Vergleich zu den Frühjahrsergebnissen unverändert — und zwar unverändert gut: Vier von zehn Unternehmen melden gute Geschäfte, jeder siebte Befragte ist unzufrieden. Fast die Hälfte aller Betriebe meldet eine Auslastung der Produktionskapazitäten von mehr als 85 Prozent, bei einem weiteren Drittel sind sie zu mehr als 70 Prozent ausgelastet.

Die Aussichten: Kar ist: Irgendwann wird der Tag kommen, an dem das Ende der Fahnenstange erreicht sein wird. Das weiß auch Bayer. Er sagt: „Ob die Kurve auch in den nächsten Jahren weiter steigt, ist schwer zu prognostizieren.“ Doch er betont, dass zumindest kurzfristig mit einem weiteren positiven Trend zu rechnen sei. 26 Prozent der Unternehmen haben eine gute Geschäftserwartung (Frühjahr: 31 Prozent), elf Prozent (Frühjahr 18 Prozent) rechnen mit schlechteren Ergebnissen.

Die Probleme und Herausforderungen: In einem Punkt sind sich alle Branchen einig: Der Fachkräftemangel wird zunehmend zum Konjunkturrisiko. Fast 50 Prozent aller Unternehmen sieht darin eine Gefahr für die Wirtschaft. Mehr als die Hälfte aller Betriebe plant daher, mehr auszubilden.

Als große Herausforderung sieht ein Großteil der Betriebe laut IHK-Umfrage auch die Integration von Flüchtlingen: Zwölf Prozent geben an, bereits Flüchtlinge zu beschäftigen, 15 Prozent planen dies in nächster Zeit zu tun. Bayer sagt: „Wir werden nicht müde, dieses Thema immer wieder an die Unternehmen heranzutragen.“

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