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Bochum: Immobilienkaufmann erster Angeklagter in Liechtenstein-Steueraffäre

Bochum : Immobilienkaufmann erster Angeklagter in Liechtenstein-Steueraffäre

In der Liechtenstein-Affäre um Steuerbetrug mit Stiftungsmodellen steht von Freitag an ein hessischer Immobilienkaufmann in Bochum vor Gericht. Der 66-Jährige aus Bad Homburg soll zwischen 2001 und 2006 elf Millionen Euro in Stiftungen angelegt und die Erträge nicht versteuert haben.

Er hat nach Gerichtsangaben gestanden und die Steuerschulden bezahlt. Auf ihn könnte nun eine Bewährungsstrafe mit Geldauflage zukommen.

Der gebürtige Münsterländer ist wie viele andere Steuerbetrüger durch gestohlene Datensätze aus der Liechtensteiner Bank LGT aufgefallen. Die Bochumer Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft für Wirtschaftssachen ermittelt bundesweit gegen rund 700 Vermögende, die über Liechtensteiner Stiftungen hohe Kapitalerträge am Fiskus vorbeigeschleust haben sollen.

Zu den Steuerbetrügern gehören auch der frühere Postchef Klaus Zumwinkel und sein Bruder Hartwig. Beide sind durch die Ermittlungen aufgeflogen. Sie müssen sich möglicherweise auch noch in diesem Jahr vor Gericht verantworten. Klaus Zumwinkel war der erste Betroffene, bei dem die Staatsanwaltschaft im Morgengrauen im Februar vor der Tür stand. Er hat inzwischen den Steuerbetrug eingeräumt.

Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen in bislang rund 200 Fällen abgeschlossen. 250 Betroffene haben sich in dem Komplex selbst angezeigt, um einen Prozess zu umgehen. Dabei wurden insgesamt mehr als 56 Millionen hinterzogener Steuern nachgezahlt. Der BND hatte die Daten für die Finanzbehörden für rund 4,5 Millionen Euro angekauft. Sie kamen später zur Bochumer Staatsanwaltschaft, die bereits vor Jahren in einem ähnlichen Komplex erfolgreich ermittelt hatte.

Derzeit läuft in Rostock völlig unabhängig von den Bochumer Ermittlungen in einem weiteren Liechtenstein-Komplex ein Strafverfahren gegen drei Männer. Sie sollen mit rund 2300 gestohlenen Datensätzen aus einer weiteren Bank, der Liechtensteiner Landesbank (LLB), versucht haben, die Bank und deren Kunden zu erpressen. Sie hatten von der LLB bereits mehrere Millionen erhalten, bevor sie festgenommen wurden.