1. Wirtschaft

Düsseldorf: Immer mehr Touristen kommen ins Land

Düsseldorf : Immer mehr Touristen kommen ins Land

Kultur, Sport, Messen, Naturerlebnisse — Nordrhein-Westfalen hat für Touristen nach 70 Jahren inzwischen viel zu bieten. Nicht von ungefähr landet das bevölkerungsreichste Bundesland im Ländervergleich regelmäßig bei den Übernachtungszahlen auf den vorderen Plätzen.

Von Jahr zu Jahr kommen immer mehr Gäste ins Land. Auch wenn sich einiges im touristischen Angebot getan hat: Verbesserungspotenzial gibt es immer noch.

Touristische Attraktionen in NRW: die Aachener Altstadt mit dem Rathaus (oben links), die Zeche Zollverein im Ruhrgebiet (oben rechts), das Kölner Rheinufer (unten rechts) und der Nationalpark Eifel. Foto: Andreas Steindl/dpa/imago/Blickwinkel

Wie es war: „Noch Ende der 70er Jahre hätte niemand damit gerechnet, dass sich NRW in Sachen Tourismus so sensationell entwickelt“, sagt Silke May-Landgrebe, Dozentin für Tourismusmanagement an der Westfälischen Hochschule. Wer an NRW dachte, hatte schnell die rauchenden Schlote des Ruhrgebiets im Sinn — und nicht Erholung.

Touristische Attraktionen in NRW: die Aachener Altstadt mit dem Rathaus (oben links), die Zeche Zollverein im Ruhrgebiet (oben rechts), das Kölner Rheinufer (unten rechts) und der Nationalpark Eifel. Foto: Andreas Steindl/dpa/imago/Blickwinkel

Wie es ist: Touristen schätzen an NRW die Vielfalt auf kleinem Raum, wie May-Landgrebe erklärt. Die einst abschreckende Industriekultur hat sich zur attraktiven Kulturindustrie gewandelt. Und Kunst, Ausstellungen und Theater finden Gäste längst nicht mehr nur in Köln und Düsseldorf, sondern auch im Ruhrgebiet: in stillgelegten Zechen, Gasspeichern und Hochöfen. Dazwischen gibt es jede Menge Natur.

Wie es kam: Den Erfolg des nordrhein-westfälischen Tourismussektors erklären die Experten neben externen Investitionen auch mit Subventionen vom Bund und der Europäischen Union. Fahrradwege wurden teils runderneuert; Wanderwege ausgebaut, wie der Tourismusmanagement-Professor der Internationalen Hochschule Bad Honnef Bonn, Helmut Wachowiak, berichtet.

Wer kommt: Die Nordrhein-Westfalen lieben ihr Land — und sind dort auch häufig als Touristen unterwegs. Gefolgt wird diese größte Gruppe unter den NRW-Touristen von Besuchern aus anderen Bundesländern, sagt Tourismus NRW-Sprecherin Julie Sengelhoff. Auch das Gros der internationalen Gäste hat einen kurzen Anreiseweg: Sie kommen aus den Niederlanden, Belgien und Großbritannien. Zuletzt stieg aber auch die Zahl der Gäste aus arabischen Staaten.

Wie viele kommen: NRW wird bei Touristen immer beliebter. Im ersten Halbjahr 2016 kamen fast 10,5 Millionen Gäste in Hotels, Pensionen und auf Campingplätze. Das bedeutet noch einmal eine Steigerung um 0,7 Prozent gegenüber dem Rekordjahr 2015, hat das Statistische Landesamt ermittelt. Die Zahl der Übernachtungen stieg um 1,2 Prozent auf 23,5 Millionen. Überdurchschnittlich nahm dabei die Zahl der Gäste aus dem Ausland zu. Doch auch aus dem Inland kamen mehr Besucher. Allerdings war die Entwicklung je nach Region sehr unterschiedlich. Am Niederrhein, im Münsterland, im Sauerland, im Ruhrgebiet sowie rund um Düsseldorf und Bonn legten die Gäste und Übernachtungszahlen zu.

Dagegen mussten die Eifel und die Region Aachen, Siegerland-Wittgenstein, das Bergische Land, das Bergische Städtedreieck sowie Köln und der Rhein-Erft-Kreis Besucherrückgänge hinnehmen. Im Teutoburger Wald sank zwar die Zahl der Gäste. Doch nahm die Zahl der Übernachtungen leicht zu. Die höchste durchschnittliche Auslastung der vorhandenen Betten im ersten Halbjahr erreichte in unserer Region die Stadt Wegberg mit 46,5 Prozent.

Die meisten Betten bietet naturgemäß die Stadt Aachen an, die durchschnittliche Auslastung lag bei 44,1 Prozent. Die Zahlen für die Eifel sind eher mau: Die Stadt Monschau verzeichnete eine Auslastung von 28,8 Prozent, die Gemeinde Simmerath von 33,5 Prozent; Heimbach liegt bei 33,3 Prozent, Kreuzau bei 33,7 Prozent, Nideggen bei 25,3 Prozent.

Wohin: Städtetrips boomen. Köln und Düsseldorf zählen zu den beliebtesten Zielen in NRW. Ins Messe-Land kommen aber auch Geschäftsreisende, etwa zu Europas größter Jagdmesse in Dortmund oder zur Gamescom in Köln. In ländlichen Regionen suchen Touristen Naturerlebnisse: War das Sauerland einst mit traditioneller Pensionen-Landschaft verbunden, ist es jetzt hip und angesagt für Mountainbike- und Wintersporttouren, sagt May-Landgrebe.

Wohin noch: Gleich fünf Bauten in NRW sind Unesco-Weltkulturerbe: der Aachener Dom, der als erstes Gebäude Deutschlands in die Liste aufgenommen wurden, der Kölner Dom, Zeche Zollverein, Schloss Corvey und die Brühler Schlösser Augustusburg und Falkenlust. Dass hier immer viele Touristen zu finden sind, versteht sich von selbst. Weltberühmt ist auch der Karneval, der das internationale Feiervolk lockt. Der Tourist Service Aachen verzeichnet auch wachsende Nachfrage nach lokalen Geheimtipps. Und natürlich locken auch Naherholungsgebiete wie die Eifel, was nicht zuletzt die Nachbarn aus den Niederlanden sehr zu schätzen wissen. Das „Resort Eifeler Tor” in Heimbach zum Beispiel wurde vor allem für sie konzipiert.

Wer profitiert: Nach einer Studie im Auftrag von Tourismus NRW trug die Tourismuswirtschaft 2013 direkt und über Zulieferbranchen mit über 25,1 Milliarden Euro 4,6 Prozent zur gesamten Wirtschaftsleistung in NRW bei.

Wo es hakt: Die massenhaften Übergriffe in der Silvesternacht in Köln schreckten kurzzeitig Touristen ab. Den Rückgang bei den Übernachtungszahlen führt ein Sprecher von Köln Tourismus aber eher auf die anhaltende latente Terrorangst zurück. Tourismus-Experte Wachowiak sagt: „Krisen haben ihre Gesetzmäßigkeiten — im Tourismus bedeutet das, dass die Gäste nach einiger Zeit wieder zurückkommen.“

Was besser geht: Vor allem beim öffentlichen Personennahverkehr könnte NRW noch attraktiver werden. May-Landgrebe sagt: „Noch immer enden Verbindungen an der Stadtgrenze oder verlaufen zwischen verschiedenen Verkehrsverbünden, das kann Touristen verwirren.“