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Düsseldorf: Immer mehr Lehman-Opfer melden sich

Düsseldorf : Immer mehr Lehman-Opfer melden sich

Immer mehr Bankkunden beschweren sich bei der Verbraucherzentrale Nordrhein- Westfalen sich über die Beratung beim Kauf von Zertifikaten der pleitegegangenen US-Bank Lehman.

„Wir haben mittlerweile 630 Fälle mit einer Schadenssumme von fast 14 Millionen Euro dokumentiert”, sagte der Vorstand der Verbraucherzentrale, Klaus Müller, am Dienstag in Düsseldorf. Die Geschädigten seien überwiegend ältere Leute, denen die Papiere offensichtlich untergeschoben worden seien. Die Verbraucherzentrale bereite deshalb Strafanzeigen wegen Falschberatung vor.

Bei der Verbraucherzentrale hätten sich vor allem Kunden der Citibank und der Dresdner Bank gemeldet, sagte Müller. Auf die Citibank entfielen bislang 377 Fälle, auf die Dresdner Bank 122 Fälle. Über die Sparkassen in Nordrhein-Westfalen seien dagegen bisher wenige Klagen gekommen. In der Regel gehe es um Anlagebeträge zwischen 5000 und 20.000 Euro, einzelne Kunden hätten aber auch für bis zu 80.000 Euro Lehman-Zertifikate gekauft.

Die Kunden hätten sich bei den Banken als sicherheitsbetonte Anleger eingestuft. Auf der Rückseite der Beratungsformulare sei aber auch ein Passus angekreuzt worden, dass sie die Lehman-Papiere entgegen dem Rat der Bank kaufen wollten. Deshalb sei eine Klage juristisch schwierig, sagte Müller, der die Daten auf Einladung der Landtagsfraktion der Grünen nannte.

Der verbraucherschutzpolitische Sprecher der Grünen, Johannes Remmel, forderte staatliche Maßnahmen gegen „Provisionshaie hinter dem Bankschalter”. Die Banken müssten sich an der Finanzierung der unabhängigen Beratung der Verbraucher beteiligen. Im Vorgriff brauche die Verbraucherzentrale 20 neue Stelle für die Finanzberatungen. Die Informationen über die Risiken von Finanzprodukten müssten verbessert und Sammelklagen gegen Banken erleichtert werden. „Wir brauchen einen Verbraucherschutz auf Augenhöhe”, sagte Remmel.

Aus Sicht von Müller sind zum besseren Schutz der Anleger vor allem drei Maßnahmen erforderlich. Über eine Beweislastumkehr müssten die Banken zeigen, dass sie richtig beraten haben. Die Verjährungsfrist müsse auf zehn Jahre verlängert werden. Nötig sei zudem eine klare Kennzeichnungen der Risiken eines Papiers über ein Ampelsystem: Grün für sicher wie ein Sparbuch, rot für hochspekulativ.

Die CDU wies die Kritik der Grünen an den Banken zurück. „Nicht Bankenschelte, sondern Hilfe bei der Wiedergewinnung des Verbrauchervertrauens ist jetzt erste Politiker-Pflicht”, sagte ihr Beauftragter für Verbraucherschutz, Peter Kaiser. Die Verbraucher müssten bei Finanzgeschäften eine kritischere Haltung einnehmen. „Hohe Zinsen werden mit größerem Risiko erkauft, darüber sollte sich der mündige Sparer stets im Klaren sein.”