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Aachen: Im Handwerk brummt die Konjunktur

Aachen : Im Handwerk brummt die Konjunktur

Schlechtere Prognosen für die Gesamtwirtschaft sorgen aktuell für gedämpfte Stimmung bei den Wirtschaftsbossen. In den Handwerksbetrieben der Region mache sich allerdings noch keine miese Stimmung breit, meint Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen.

Die aktuelle Konjunkturumfrage der Kammer belege, dass die Firmeninhaber guter Dinge sind. „Die Handwerkskonjunktur lässt sich von den Negativmeldungen nicht beeinflussen“, sagt Deckers. Das Handwerk in der Region befinde sich „nach wie vor in einer konjunkturellen Hochphase“.

Stimmung: Insgesamt ist die Stimmung bei den Handwerksbetrieben gut. 87 Prozent der Chefs in der Städteregion Aachen, den Kreisen Düren, Heinsberg und Euskirchen bewerten ihre Geschäftslage positiv. 33 Prozent geben an, dass sie „gut“ sei, weitere 54 Prozent bezeichnen sie als „befriedigend“. Ihre Aussichten für die Zukunft bewerten die Firmeninhaber etwas verhaltener, aber dennoch positiv. Trotz der weltpolitisch „unübersichtlichen Lage“ und der „schwächelnden EU-Binnennachfrage“ erwarten 77 Prozent der Handwerkschefs einen positiven Geschäftsverlauf in den bevorstehenden Wintermonaten.

Regionale Unterschiede: Die Betriebe im Kreis Euskirchen bewerten ihre Lage am besten. Die Handwerkskammer verbuchte 94 Prozent positive Meldungen. In der Städteregion Aachen und im Kreis Düren sind die Firmeninhaber ebenfalls zufrieden (88 beziehungsweise 85 Prozent positive Bewertungen). An letzter Stelle, dennoch auf hohem Niveau, liegt der Kreis Heinsberg, dort bewerten 82 Prozent der Betriebe ihre Lage positiv. Im Kreis Düren sind die Erwartungen für das Winterhalbjahr deutlich schlechter als in Aachen, Heinsberg und Euskirchen. Das liege an der engen Verflechtung des Dürener Handwerks mit der von der Weltwirtschaft anhängigen Industrie, sagt Deckers. Im Kreis Düren gibt es viele Autozulieferer, die wiederum mit lokalen Metallbauern, Elektrotechnikern und Feinwerkmechanikern zusammenarbeiten. In Düren erwarten 32 Prozent der Handwerkschefs schlechter werdende Geschäfte.

Branchen: Die beste Geschäftslage meldet das Gesundheitsgewerbe (92 Prozent positive Bewertungen) gefolgt vom Bauhauptgewerbe (91 Prozent). Maurer, Betonbauer, Dachdecker und Co. profitieren davon, dass wegen der historisch niedrigen Zinsen immer noch viele Anleger in Immobilien investieren, statt ihr Geld bei einer Bank anzulegen. Am schlechtesten bewerten die Firmeninhaber der sogenannten Handwerke für den persönlichen Bedarf ihre Situation. Nur 78 Prozent der Friseure, Kosmetiker, Schumacher und Textilreiniger bewerten ihre Geschäftslage positiv. Allerdings stieg der Anteil der positiven Bewertungen im Vergleich zum Vorjahr.

Auftragslage: Die Unternehmen in der Region haben den hohen Auftragsbestand des Frühjahrs gehalten. 22 Prozent der Betriebe meldeten gestiegene Auftragseingänge, bei 55 Prozent blieb die Situation stabil. Über alle Branchen reichen die Auftragsbestände für 6,3 Wochen, im Bauhandwerk reichen sie sogar für 9,5 Wochen.

Umsatz: 27 Prozent der Handwerksbetriebe haben ihre Umsätze gesteigert. 50 Prozent haben ihr Niveau gehalten. Dank der vollen Auftragsbücher und der Investitionslaune der Verbraucher hoffen 78 Prozent der Betriebe auf gleichbleibende oder steigende Umsätze in den Wintermonaten.

Preise: Die Verkaufspreise für handwerkliche Produkte und Dienstleistungen sind laut Konjunkturumfrage der Handwerkskammer mehrheitlich stabil geblieben. 23 Prozent der Firmen setzten wegen der gestiegenen Nachfrage höhere Preise durch.

Investitionen: Die Investitionsneigung der Handwerksbetriebe übersteigt den Wert des Vorjahres um vier Prozentpunkte. 18 Prozent der Handwerksunternehmen steckten mehr Geld in Maschinen, Gebäude und Ausrüstung. Zusätzlich hielten 58 Prozent der Betriebe die investierten Summen auf gleichem Niveau. Ob die Firmen weiter so investitionsfreudig sein werden, ist laut Deckers fraglich: „Wegen der unklaren Konjunkturaussichten werden die Entscheider im Handwerk im kommenden Halbjahr etwas zurückhaltender sein.“

Beschäftigung: Die Handwerksunternehmen der Region stellen ein. Im Sommerhalbjahr ist die Zahl der Unternehmen, die Personal einstellten oder die Zahl ihrer Beschäftigten konstant hielten, erwartungsgemäß gestiegen (84 Prozent). Überraschend ist jedoch, dass deren Anteil in den bevorstehenden Wintermonaten weiter steigen soll. 81 Prozent der Betriebe wollen an ihren Teamstärken festhalten, fünf Prozent wollen neue Mitarbeiter einstellen.

Ausbildung: Die Handwerkskammer Aachen registriert 8,12 Prozent weniger abgeschlossene Lehrverträge als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Deckers geht nicht davon aus, „dass die wegen des guten Konjunkturverlaufs erwartete Zahl von 2400 neuen Vertragsabschlüssen bis zum Jahresende erreicht wird“. Gründe dafür sind, dass tendenziell immer weniger junge Leute auf dem Ausbildungsmarkt sind und dass die Anforderungen an Auszubildende immer höher werden. Die Handwerkskammer begegnet diesem Problem unter anderem, indem sie versucht, Studienabbrecher in Ausbildungsverhältnisse zu vermitteln.

Fachkräfte: Viele Unternehmen suchen händeringend nach gut ausgebildeten Fachkräften. 859 freie Stellen sind aktuell bei der Handwerkskammer gemeldet. Die meisten freien Stellen gibt es in Sanitär-Heizungs-Klimatechnik-Betrieben (90 freie Stellen). 81 freie Stellen gibt es in den Elektroberufen, 68 Kfz-Mechaniker, 63 Tischler und 53 Friseure werden gesucht.

Zahl der Betriebe: Die Zahl der Betriebe im Kammerbezirk hat sich seit Herbst vergangenen Jahres um 177 auf 16 544 erhöht. In den Gewerken, in denen die Meisterpflicht gilt, sei allerdings kein Zuwachs zu verzeichnen. Dabei sind die Firmen aus diesen Branchen für 84 Prozent des Umsatzes der Handwerksbetriebe verantwortlich. Und die Meisterbetriebe beschäftigen die meisten Mitarbeiter.